Früher wurde «Jeu de Paume» gespielt – heute nennt man es «Tennis»
Im 13. Jahrhundert ging es in den nordfranzösischen Klosterhöfen sportlich zu und her. Die Mönche entwickelten ein Spiel, das heute zu einer der beliebtesten Ballsportart weltweit gehört: Sie nannten es «Jeu de Paume», heute besser bekannt unter der Bezeichnung «Tennis».
Französische Mönche spielten seinerzeit einen Ball aus Leder oder Kork, den sie mit der flachen Handinnenfläche über ein Netz auf die Spielhälfte des Gegners schlugen. Zu dieser Zeit bezeichneten sie das Spiel mit dem Ball «Jeu de Paume», was so viel wie «Spiel mit der Handinnenfläche» bedeutet. Die Sprungeigenschaften jener Bälle liess jedoch zu wünschen übrig, weshalb besagtes Ballspiel in gehobenen Kreisen oft in speziellen Ballhäusern mit elastischen Böden gespielt wurde. Schnell wurde der sportliche Freizeitvertreib sowohl beim Adel als auch im Bürgertum sehr beliebt und breitete sich vor allem nach England und Schottland aus. Der Begriff «Tennis» tauchte zum ersten Mal auf. Dieser leitet sich wahrscheinlich vom französischen Wort «tenez» (halten) ab.
Populäre Freizeitbeschäftigung
Bereits im 15. Jahrhundert erfolgte die Gründung der ersten Tennisclubs. Im Jahr 1464 fand das erste Tennisturnier im belgischen Brügge statt. Schon damals wurde um Preisgeld gespielt. Der 1494 geborene französische König Franz I. war so fasziniert von der neuen Sportart, dass er sich auf dem Sonnendeck seines Schiffes «La Grande Francoise» einen Sonnensegel-überdachten Tennisplatz errichten liess, um seinem Lieblingssport zu frönen. Die erste Profitennisspielerin der Geschichte war die 1402 geborene Bürgerin Margot aus Hennegau, die mit 20 Jahren so bekannt war, dass sie sich von Philipp dem Guten gegen eine Apanage für seinen Hof verpflichtete. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat unterrichtete sie als Nonne eines Klosters bei Naumur die Bewohner im «Jeu de Paume».
Roger FedererWenn man etwas in seinem Leben am besten kann, will man es nicht mehr aufgeben – für mich ist es das Tennis.
Die ersten Tennis Rackets
Erst im 16. Jahrhundert kamen in Paris die ersten Tennis Rackets ins Spiel, um die stark strapazierten Handflächen zu entlasten. Anfangs bestanden sie aus massivem Holz oder waren mit Pergament oder diagonalen Darmsaiten bespannt. Tennis wurde zum Volkssport und es entstanden zahlreiche Tennisplätze und Tennishallen. Ende des 16. Jahrhunderts war Frankreich führend in der Ballherstellung, die mit weissem Tuch überzogen wurden. Der Tennisball in seiner heutigen Form entstand 1880 in England. Zu dieser Zeit wurde viel auf Sand gespielt und der Filzüberzug schützte das Gummimaterial vor Abrieb. Zudem ist Filz griffiger und fasst sich angenehmer an als Gummi.
André AgassiBeing number two sucks.
Der Ursprung der weissen Tennisbekleidung
Anno dazumal wurde Tennis in dunklen Räumen gespielt. Weisse Kleidung hatte damals den grossen Vorteil, dass man einander besser sehen konnte. Bis auf die Unterwäsche war die Regel in weiss zu spielen. Ursprünglich spielten die Damen in langen weissen Kleidern, Korsetts und Schuhen mit hohen Absätzen. Anfangs des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Kleid zum praktischen Rock. Auch die Herren spielten in weissen langen Hosen und Hemden. Schliesslich galt es als unschicklich zu schwitzen und auf weisser Bekleidung waren keine Schweissflecken zu erkennen. Deshalb wurde Tennis lange Zeit auch «weisser Sport» genannt.