COP26: Rückt die grüne Wende in greifbare Nähe?
Die Formulierung «good cop, bad cop» wurde häufig verwendet, um die jüngste – international als COP26 bekannte – Weltklimakonferenz in Glasgow zu charakterisieren. Nachfolgende Ergebnisse sind aus unserer Perspektive entscheidend: Die Verpflichtung einiger der wichtigsten Schwellenländer zur Klimaneutralität (Indien bis 2070, Russland und Saudi-Arabien jeweils bis 2060), die Zusage zur Reduzierung der Methanemissionen um 30% bis 2030, ein Plan zur Beendigung der Abholzung – ebenfalls bis 2030 –, eine Vereinbarung zum Kohleausstieg (jedoch nicht von Indien, China und den USA unterzeichnet) sowie verschiedene Versprechen bezüglich des Transportsektors. Alle diese Zusagen und Verpflichtungen des Klimagipfels zielen darauf ab, das 1,5-Grad-Szenario am Leben zu erhalten – doch es bleibt noch viel zu tun.
Noch ist die Frage nach der Finanzierung dieser Versprechen nicht vollständig beantwortet. Doch wir wissen, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft erforderlich sein wird. US-Finanzministerin Janet Yellen äusserte sich hierzu folgendermassen: «Die Lücke zwischen dem, was Regierungen anbieten können, und dem, was die Welt tatsächlich benötigt, ist riesig – dem Privatsektor muss hier eine grössere Rolle zukommen.» Die IEA geht davon aus, dass in den nächsten 30 Jahren Ausgaben in Höhe von mindestens 150 Billionen US-Dollar (5 Billionen US-Dollar jährlich) benötigt werden, um Klimaneutralität zu erreichen. Finanziert werden muss das Ganze aus unterschiedlichen Quellen, darunter Staats- und Unternehmensanleihen, Unternehmenskredite und C02-Steuern.
Rekordnachfrage nach grünen Staatsanleihen
Begrüssenswert ist die Entwicklung, dass viel beachtete grüne Staatsanleihen aus der EU und Grossbritannien bei Anlegern auf eine Rekordnachfrage stossen. Die kürzlich von der EU ausgegebene grüne Anleihe über 12 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 15 Jahren ist die bisher grösste grüne Anleihe überhaupt und wird zur Finanzierung der Umweltprojekte der Mitgliedsstaaten beitragen. Dies ist die erste Emission im Rahmen des 250 Milliarden Euro starken EU-Programms zur Emission von Green Bonds, das für die kommenden Jahre vorgesehen ist.
Nachu Chockalingam, Senior Credit Portfolio Manager, Federated HermesDie kürzlich von der EU ausgegebene grüne Anleihe über 12 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 15 Jahren ist die bisher grösste grüne Anleihe überhaupt und wird zur Finanzierung der Umweltprojekte der Mitgliedsstaaten beitragen.
Die grüne Wende in Sicht?
Derzeit scheint die EU den Weg zur grünen Wende mit finanziellen Zusagen in Rekordhöhe und regulatorischen Änderungen anzuführen, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis entsprechende Massnahmen verstärkt auch in den USA und in den Schwellenländern umgesetzt werden. Da in zunehmendem Masse staatliche Kredite und Zuschüsse für einige der wichtigsten Sektoren wie Energie, Transport, Versorgung und Immobilien bereitgestellt werden, rechnen wir damit, dass die Kosten für grünes Kapital weiter sinken werden. Wir sind der Ansicht, dass «grüne» Staatshaushalte, insbesondere ein «grüner» EU-Haushalt, weitere Möglichkeiten für grüne Finanzierungen eröffnen werden. Dies bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, positive Umweltveränderungen zu finanzieren und parallel wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen, wird mit der «Ökologisierung» der Staatshaushalte immer greifbarer.
Fazit
Die «Glasgow Financial Alliance for Net Zero» wird weiterhin Kapital von stark umweltschädigenden Sektoren und Unternehmen weglenken – und hin zu solchen leiten, die ihre Geschäfte an eine kohlenstoffarme Welt anpassen. In der Folge wird die COP26 weiterhin zu einer stärkeren Ausdifferenzierung des Marktes beitragen und Unternehmen belohnen, die klimabezogene Risiken und Chancen unter dem Blickwinkel von Governance, Strategie und Risikomanagement betrachten. Anleger werden bei Unternehmen verstärkt auf klimabezogene Offenlegungen, Dekarbonisierungsziele und -strategien achten. Mit zunehmendem Verständnis der CO2-Kennzahlen wird auch stärker zwischen Staats-, Finanz- und Unternehmensanleihen differenziert werden – was aktiven Vermögensverwaltern eine breite Palette an Möglichkeiten zur Verfügung stellt, ihren Anlegern sowohl finanziellen als auch ökologischen Mehrwert zu bieten.