Gold ist die Währung der letzten Instanz
Wenn Sie uns schon etwas länger kennen, dann wissen Sie – mit Kalauern halten wir uns eher zurück. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen machen wir diesmal aber eine Ausnahme: 2024 war ein «goldenes Jahr» für Anleger. Das Edelmetall verteuerte sich, in Schweizer Franken gerechnet, um gut 45 Prozent.
Die Entwicklung wirft einige Fragen auf. Wer kauft Gold und was treibt den Preis? Unsere Analysten haben grössere Datenbestände gesichtet, um Antworten zu geben.
Fünf Charts geben einen Eindruck, was das Edelmetall so beliebt macht.
Nicht nur Kaufleute wissen: Der Preis hängt immer auch von der Nachfrage ab. Gold kann (seit Tausenden von Jahren) physisch erworben werden, etwa als Münzen, Barren oder Schmuck. Professionelle Investoren nutzen häufiger börsengehandelte Wertpapiere. Bei Exchange Traded Commodities (ETC) ist das Edelmetall physisch hinterlegt. Die Anteile sind leichter handelbar und Anleger benötigen keine Tresore.

Grafik 1 zeigt, dass sich die Investmentnachfrage im vergangenen Jahr stabilisiert hat. Nach spürbaren Abflüssen in den Vorjahren blieben die ETC-Goldbestände in 2024 grob unverändert. Es gibt also noch andere Käufer im Markt. Dazu zählen die Notenbanken, die ihre Bestände zuletzt deutlich aufstockten (vgl. Grafik 2).

Solche Nachfragedaten sind für Goldanleger eher beruhigend. Die Preise treiben zurzeit eher nicht die Spekulanten, die immer dann auf den «Gold-Train» aufspringen, wenn der Preis steigt und wieder verkaufen, wenn er fällt. Etwa Privatanleger, aber auch institutionelle Anleger ohne einen fundierten strategischen Plan. Seit 2022 steigen die Goldpreise – und das liegt nicht an der Nachfrage der Taktiker.
Simon Jäger, Portfolio Manager, Flossbach von StorchVor 25 Jahren bekam man zehnmal mehr Gold für einen Euro als heute.
Die strategische Nachfrage von Notenbanken, Regierungen, aber auch langfristig denkenden Anlegern reduziert die verfügbare Goldmenge dauerhaft. Oder anders formuliert: Die Strategen reduzieren die (begrenzte) Goldmenge, die den Taktikern noch zu Verfügung steht. Die Erwartung, dass sie das Edelmetall auf Sicht wieder auf den Markt werfen, erscheint eher unwahrscheinlich. All das geschieht in einem Umfeld, in dem Sachwerte gefragt sind. Die Verschuldung der Staaten ist massiv gestiegen und wird weiter steigen. In Europa, China und in den USA. Gleichfalls sind die Kosten neuer Kredite deutlich höher als noch in den Zeiten der Null und Minuszinsen. Je mehr Altkredite teuer nachfinanziert werden müssen und je schneller die Gesamtverschuldung steigt, desto teurer wird es für die Schuldner. Wenn die Kosten die Leistungsfähigkeit der Kreditnehmer übersteigen, wird es gefährlich. Anlagen in Sachwerte, insbesondere in Gold, kennen hingegen kein Gegenparteirisiko (vgl. Grafik 3).

Auch wenn noch keine akute Krise mit Blick auf die Staatsverschuldung besteht – das Signal, dass die Schulden scheinbar grenzenlos immer weiter steigen, zeigt schon jetzt Wirkung. Der Ausblick auf eine mögliche Vertrauenskrise in das Papiergeld mit entsprechenden Folgen macht Realwerte attraktiver. Hinzu kommen politische Entwicklungen. Der US-Dollar gilt als Weltleitwährung. Wer in den Dollar investieren möchte, kauft in der Regel verzinste, sichere US-Staatsanleihen. China reduzierte zuletzt den Bestand (vgl. Grafik 4).

Die Relevanz einer Währung ist letztlich auch immer eine Machtfrage. Und das Beispiel Russland zeigt, dass autokratische Regime im Konfliktfall um die Liquidität ihrer Auslandsanlagen bangen müssen. Bei Gold besteht dieses Problem nicht. Das macht deutlich: Auch die zunehmenden politischen Konflikte können die Nachfrage beeinflussen. Es ist schon sehr eindrucksvoll, wie sich der Goldpreis in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Inflation, die Entwertung des Geldes, zeigt sich nicht nur in den entsprechenden Zahlen der Notenbanken. Der Blick auf Grafik 5 zeigt, welche Menge Gold man früher und heute für 1’000 Euro bekommen hat.

Vor 25 Jahren bekam man zehnmal mehr Gold für einen Euro als heute. Eine massive Abwertung der Gemeinschaftswährung innerhalb einer Generation, die die gängige Praxis vieler Sparer, ihr Geld in Geld zu parken, zunehmend hinterfragt. Denn angesichts der (sich wohl fortsetzenden) Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zeigt sich immer deutlicher: Gold ist die Währung der letzten Instanz.