Viele Anleger und Unternehmen berücksichtigen die Fremdwährungsrisiken ihrer Investitionen zu wenig. Viele Probleme entstehen durch unzureichendes Verständnis von Kosten, Volatilität, Zinsdifferenzen, Terminkurven und der Wirkung von Absicherungsstrategien. Zusätzlich beeinflussen operative Aspekte wie Multi‑Bank‑Setups, Budgetierungsmethoden und strategische Ausrichtung von Anlageprodukten die Effektivität des Währungsmanagements.
Die häufigsten Fehler und Lösungsansätze im professionellen Fremdwährungs- und Währungsrisikomanagement für Unternehmen und Investoren hier vorgestellt:
#1 Die Kosten in Zusammenhang mit Fremdwährungswechsel zu unterschätzen oder gar zu ignorieren
Direkte Kosten entstehen bei jedem Wechselgeschäft durch sogenannte Bid-/Ask-Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) und / oder transaktions-basierte Kosten. Die Grösse dieser Marge ist generell abhängig vom Volumen der Transaktionen und dem kundenspezifischen Trading Set-up und variiert je nach Kontext von wenigen Basispunkten bis in den Prozentbereich. Lösungsansätze sind professionelle Treasury-Tools für Echtzeit-Kursüberwachung, Preisvergleiche zwischen verschiedenen Banken und Brokern und die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Banken Transaktionen aufzuführen. Regelmäßige Kostenanalysen und Schulungen des Personals sind weitere Massnahmen zur Kostenkontrolle.
#2 Als Investor den Einfluss von Fremdwährungen auf die Performance generell zu ignorieren
Die Komplexität in Zusammenhang mit Währungsrisiken veranlasst Investoren teilweise dazu, diese Risiken bei internationalen Aktien, Anleihen oder Fonds zu unterschätzen. Wechselkursschwankungen beeinflussen die Heimatwährungs-Performance im Massstab eins zu eins. Allein im Jahr 2025 verlor der USD gegenüber dem CHF über 12% an Wert während der US Aktienindex S&P500 um 16% anstieg. Der Schweizer Aktienindex stieg um 14.3% und hat somit währungsbereinigt eine wesentlich höhere Rendite abgeworfen als der U.S. Markt. Mögliche Massnahmen sind: Bewertung der Risiken aufgrund der erwarteten Schwankungen sowie direkte Währungsbesicherung oder indirekte Absicherung durch Investitionen in währungsgesicherte Anlageklassen bei Fonds.
Die Komplexität in Zusammenhang mit Währungsrisiken veranlasst Investoren teilweise dazu, diese Risiken bei internationalen Aktien, Anleihen oder Fonds zu unterschätzen.
Marc Eigenheer, Currency Overlay Manager, QCAM Currency and Asset Management
#3 Die KI fragen, ob eine Währung steigen oder fallen wird
Währungsschwankungen sind durch geopolitische Ereignisse, Zentralbankentscheidungen und dadurch verursachte, unvorhersehbare Volatilität beeinflusst und daher schwer prognostizierbar. KI kann zwar sehr effizient Muster in Datenreihen erkennen und daraus Kursprognosen ableiten, Wenn diese Strukturen jedoch nicht vorhanden sind, unterlaufen selbst der besten KI Prognosefehler.. Diese können einzig durch eine Stabilität in der unterliegenden Zeitreihe reduziert werden. Ein systematisches, auf die finanzielle Tragbarkeit abgestimmtes Risikomanagement kann anhand von Szenario-Analysen und kontinuierlicher Überwachung von Indikatoren wie Zinsen und Volatilitäten helfen Verluste zu vermeiden.
#4 Die Unterschiede in der Volatilität (Schwankungsbreiten) der Währungen nicht zu kennen
Währungen weisen sehr unterschiedlich hohe Schwankungen auf. Die höchsten Risiken finden sich bei Schwellenländerwährungen oder bei Währungen aus Ländern mit sehr hoher Inflation oder unsicherer Wirtschaftslage. In absteigender Folge betragen diese Schwankungen gegenüber CHF derzeit in etwa: MXN 13%, NOK 10%, AUD 9.5%, JPY 9%, USD 8%, CAD 7%, GBP 7% und EUR 5%. Auch Interventionen der Zentralbanken können unberechenbar sein und Volatilität auslösen. Als Lösung bietet sich je Absicherungsmechanismus der Terminkontrakt oder die Devisenoption an, wobei der Preis der Optionen stark an obige Volatilitäten geknüpft ist.
#5 Die Zinsunterschiede und Terminkurven der Währungen nicht zu kennen
Die Zinsparität ist ein Grundprinzip der internationalen Finanzmärkte, das den Zusammenhang zwischen Zinsdifferenzen und Wechselkursen beschreibt. Sie stellt eine „No-Arbitrage“-Bedingung dar: Unter freien Kapitalbewegungen sollten Anleger keine risikolosen Gewinne erzielen können, indem sie Geld in einem Land leihen, es in eine Fremdwährung tauschen und dort zu einem anderen Zinssatz anlegen. Wenn ein Land höhere Zinsen hat, sollte seine Währung erwartungsgemäss abwerten, sodass die Rendite auf Anlagen gleichbleibt. Terminkurven zeigen für verschiedene Laufzeiten von Termingeschäften die heute vereinbarten Preise bzw. Wechselkurse in der Zukunft und ergeben so die Terminstruktur (Terminkurve) eines Marktes. Diese Kurve ist wichtig zur Planung und Bewertung künftiger Wechselkurse und dient als Grundlage für Absicherungsentscheidungen. Bei der Absicherung (Hedging) kann man die Terminkurve nutzen, um gezielt Risiken zeitlich zu staffeln.So lassen sich Cashflows über die Kurve in mehreren Tranchen (z. B. quartalsweise) gegen unerwünschte Wechselkursbewegungen fixieren, oder man kombiniert Forward-Positionen mit Optionen oder Swaps, um Flexibilität und Kosten-Nutzen-Effekte zu optimieren.
#6 Nicht zu verstehen, dass nominale und reale Erträge bei Investitionen in Fremdwährung je nach Währung unterschiedlich sind
Bei Investitionen in Fremdwährung sind nominale und reale Erträge zu unterscheiden. Die nominale Rendite misst den prozentualen Gewinn oder Verlust in der Fremdwährung, ohne Preisniveau- oder Wechselkurseffekte zu berücksichtigen. Dagegen zeigt die reale Rendite, wie sich die Kaufkraft des investierten Kapitals verändert, indem sie die Inflation berücksichtigt. Bei Investitionen in Länder mit hoher Inflation müssen die erwarteten Renditen in der Regel auch höher sein, weil Anleger für die Übernahme des Inflationsrisikos kompensiert werden müssen. Diese höheren nominalen Erträge, bieten nicht nur den erwarteten Inflationsausgleich, sondern enthalten zusätzlich eine Risiko- und Liquiditätsprämie. weil hohe Inflation oft mit grösserer wirtschaftlicher Unsicherheit und wechselkursbedingten Risiken einhergeht. Diese Diese entschädigen die Investoren für das Halten von Vermögenswerten in solchen risikoreichen Währungsräumen.
#7 Die Budgetierung nicht auf die Terminkurven der Währungen abzustimmen
Bei der Budgetierung internationaler Unternehmen ist es entscheidend, künftige Einnahmen nicht am aktuellen Kassakurs, sondern anhand der vorhandenen Terminkurven zu planen, weil die tatsächlichen Werte der Fremdwährungs-Cashflows zum Zeitpunkt der Fälligkeit meist schon durch Terminkontrakte fixiert werden. Terminkurse spiegeln die erwarteten Preise für spätere Zeitpunkte wider und berücksichtigen dabei die Zins- und Kostenstruktur zwischen den beteiligten Währungen. Budgetiert ein Unternehmen mit dem Kassakurs von heute kann dies zu erheblichen Abweichungen bei den tatsächlichen Franken-Werten führen. Durch Abstimmung der Budgetplanung auf die Terminpreise lassen sich also finanzielle Planungssicherheit und stabile Ergebnisse über verschiedene Perioden erzielen und unerwartete Währungs-Effekte im operativen Ergebnis vermeiden.
#8 In Anlageprodukten den Einfluss der Währungsstrategie nicht im Detail zu kennen
Bei Anlageprodukten mit internationaler Ausrichtung ist es entscheidend, den Einfluss der Währungsstrategie klar und detailliert zu definieren, weil Wechselkursschwankungen einen erheblichen Teil der Gesamtrendite ausmachen können. Wechselkursbewegungen wirken sich direkt auf die Rendite aus, sobald Erträge oder Kursgewinne aus Fremdwährungsanlagen in die Heimatwährung umgerechnet werden müssen – ohne Strategie kann ein positiver Marktverlauf durch eine ungünstige Währungsentwicklung neutralisiert oder sogar in einen Verlust verwandelt werden. Eine klare Definition der Währungsstrategie ermöglicht, bewusst zu entscheiden, ob Risiken abgesichert werden sollen (z. B. durch Hedging), oder ob das Währungs-Exposure zur Ertragssteigerung genutzt wird, und dies unter Berücksichtigung der erwarteten Kosten und der potenziellen Schwankungen im Portfolio.
#9 Den möglichen positiven Einfluss eines Multi-Bank Trading-Setup auf die Transaktions-Kosten nicht zu prüfen
Ein Multi-Bank Trading-Setup kann die Transaktionskosten im Treasury- und FX-Handel deutlich reduzieren, weil es den Zugang zu mehreren Liquiditäts- und Preisquellen gleichzeitig ermöglicht. Multi-Dealer-Plattformen aggregieren Preise von verschiedenen Banken, sodass Händler die besten verfügbaren Spreads und Konditionen auswählen können – das schafft Wettbewerb zwischen den Banken und führt in der Praxis zu engeren Spreads, niedrigeren Ausführungskosten und höherer Preis- und Ausführungs-Transparenz als bei einem Setup mit nur einer Gegenpartei. Ein weiterer Vorteil liegt in der Diversifikation von Liquiditätsquellen: das System weicht automatisch oder strategisch auf die günstigsten Angebote der Banken aus, was Kosten und Abwicklungsrisiken bei grossen oder komplexen Transaktionen reduziert.
#10 Die operativen Kosten des passiven und aktiven Währungsmanagements zu unterschätzen
Bei Währungsmanagement fallen je nach Ansatz unterschiedliche operative Kosten an, die bei der Entscheidung zwischen passivem und aktivem Management berücksichtigt werden müssen. Passive Strategien bestehen meist darin, Währungsrisiken regelbasiert zu neutralisieren – etwa durch standardisierte Forward-Hedging-Programme mit fixen Sicherungsquoten und regelmässigem Rollieren von Kontrakten. Aktives Währungsmanagement hingegen versucht, durch taktische Anpassungen der Absicherungsquote oder dem gezielten Einsatz derivater Instrumente Mehrwert (Alpha) zu erzielen. Dies kann Chancen bieten, zusätzliche Erträge zu generieren oder Absicherungskosten zu reduzieren. In der Praxis gilt: Passive Ansätze punkten durch Niedrigkosten-Effizienz, aktive durch Flexibilität und Renditepotenzial, doch die operativen Kosten und die Komplexität sind beim aktiven Management in aller Regel höher und müssen gegen erwarteten Nutzen sorgfältig abgewogen werden.