Ein Insider übernimmt: Was bedeutet das für die Zukunft der Schweizer Bankenaufsicht?

Die Ernennung von Alain Girard zum Leiter des Geschäftsbereichs Banken bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA markiert einen bedeutenden personellen Schritt für die Schweizer Bankenaufsicht. Zum 1. April 2026 übernimmt der bisherige Leiter des Geschäftsbereichs Recovery und Resolution eine Schlüsselposition in einer Phase, in der Stabilität, Vertrauen und strategische Weitsicht im Finanzsystem von besonderer Bedeutung sind.

Dass die FINMA diese zentrale Funktion intern besetzen konnte, spricht zunächst für Kontinuität und institutionelles Gedächtnis. Gerade in einem Umfeld, das von komplexen globalen Zusammenhängen, technologischen Umbrüchen und gestiegenen regulatorischen Anforderungen geprägt ist, kann ein tiefes Verständnis der eigenen Organisation und ihrer Prozesse ein wertvoller Vorteil sein. Girard kennt die FINMA aus langjähriger Tätigkeit, verfügt über Erfahrung im Umgang mit Krisensituationen und hat sich im Bereich Recovery und Resolution mit genau jenen Fragen befasst, die für die Stabilität systemrelevanter Institute zentral sind.

Dass die FINMA diese zentrale Funktion intern besetzen konnte, spricht zunächst für Kontinuität und institutionelles Gedächtnis.

The Onliner

Sein beruflicher Werdegang – vom Rechtsanwalt in Zürich bis zur Führungspersönlichkeit innerhalb der FINMA – verweist auf eine Kombination aus juristischer Präzision und regulatorischer Praxis. Hinzu kommt ein breites Netzwerk unter Aufsichtsbehörden weltweit, das in Zeiten zunehmender internationaler Verflechtungen der Finanzmärkte kaum zu überschätzen ist. Bankenaufsicht ist längst kein nationales Projekt mehr; sie lebt vom Austausch, von Kooperation und vom Verständnis für globale Dynamiken.

Gleichzeitig steht die Bankenaufsicht vor anspruchsvollen Aufgaben. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell Vertrauen erschüttert werden kann und wie wichtig eine klare, vorausschauende Regulierung ist. Themen wie Digitalisierung, geopolitische Spannungen, Nachhaltigkeitsanforderungen oder neue Finanztechnologien verändern die Rahmenbedingungen grundlegend. Eine starke, reflektierte Führung ist daher unerlässlich – eine Führung, die Stabilität wahrt, ohne notwendige Reformen zu verzögern. In diesem Kontext wird Alain Girard eine doppelte Aufgabe zukommen: Er muss einerseits Kontinuität gewährleisten und die institutionelle Kompetenz der FINMA stärken, andererseits neue Impulse setzen und die Bankenaufsicht weiterentwickeln. Es geht um Balance – zwischen Verlässlichkeit und Erneuerung, zwischen nationaler Verantwortung und internationaler Kooperation. Seine Ernennung ist somit nicht nur eine Personalentscheidung, sondern auch ein Signal für die Richtung, in die sich die Bankenaufsicht bewegen will. Wenn es gelingt, Erfahrung mit Offenheit zu verbinden und Netzwerkstärke mit Unabhängigkeit zu paaren, kann dieser Schritt zur Stärkung des Schweizer Finanzplatzes beitragen.

Die Erwartungen sind hoch – doch sie sind zugleich Ausdruck des Vertrauens in die Fähigkeit der Institution und ihrer Führung, aus Herausforderungen Chancen zu machen und die Stabilität des Finanzsystems nachhaltig zu sichern.

Hauptbildnachweis: FINMA