Satire: Inside Bank Rupp & Cie – Austausch

Inside Bank Rupp & Cie (bæŋkrʌptsi) ist eine satirische Kolumne und handelt vom Innenleben einer Bank und anderen Unzulänglichkeiten des Lebens. Heute zum Thema Personalabteilung, pardon, Workforce Management.

«Bei euch ist aber auch ständig Titänik», bemerkte Luca Meier als erstes zu seinem Kollegen Roland «Roli» Schaub, als sie sich nach längerer Zeit zufällig über Mittag am Paradeplatz begegneten.

«Toujours!», antwortete der Director der einst stolzen Konkurrentin. «Ziemlich viel Durchzug oben.»

«True. Euren Präsidenten habt ihr ja auch zügig replaced», witzelte Meier neudeutsch. «Der war nicht wirklich lange aboard.»

«Max 100 Flugstunden», erwiderte Schaub trocken. Tatsächlich waren es sogar noch etwas weniger Flugstunden mit dem firmeneigenen Jet gewesen.

Sie mussten beide herzhaft lachen.

«Aber immerhin einiges günstiger als sein Vorgänger. Bei dem sind die Aktien gleich mitabgestürzt.»

Erneut mussten beide lauthals lachen. Der eine etwas lauter, weil er keine Mitarbeiteraktien besass, der andere halt etwas weniger laut.

«Und bei euch?», fragte Schaub zurück, nachdem sie sich von der allgemeinen Erheiterung erholt hatten.

«Bei uns kommt das Schlimmste noch.»

Schaub schaute seinen Kollegen ungläubig an, er konnte sich nur schwer vorstellen, dass es noch schlimmer ging.

«Stellenabbau?», fragte er nach einer kurzen Pause.

Meier schüttelte heftig den Kopf: «Nein, nein, das haben wir für diese Saison schon hinter uns.»

«Teambildungsevent?», mutmasste Schaub als nächstes.

Meier winkte energisch ab.

«Oder wieder mal so eine originelle MYBO-Initiative?», setzte Schaub neugierig nach.

Meier schaute ihn fragend an. Die Abkürzung sagte ihm nichts.

«MYBO?», wiederholte er.

«Meet Your Boss in the Office!»

«Viel nervenaufreibender, zeitaufwendiger und wirkungsloser», schimpfte Meier, während er das Gesicht zu einer Grimasse verzog.

Schaub zuckte hilflos mit den Achseln, er konnte sich noch immer keinen Reim auf die Anspielungen seines Kollegen machen.

Vom St. Peter waren drei Glockenschläge zu hören. Meier schaute aufgeschreckt auf seine Uhr und fluchte über Compliance. Einmal mehr verletze er mit dem letzten Schlag diese diskriminierende Blockzeitenregelung.

«Stichwort Personalabteilung, äh, Workforce Management», sagte er, um das Ganze jetzt ein wenig zu beschleunigen. Er konnte sich einfach nicht an die neue Bezeichnung gewöhnen.

Schaub zuckte ein weiteres Mal ratlos mit den Schultern.

«Pah …» Aus Meiers Stimme klang jetzt pures Unverständnis. «Was ist aufwendiger und komplizierter als alles andere in der Finanzbranche?» Noch mehr Hilfestellung konnte er seinem tumben Kollegen wahrlich nicht bieten.

Doch nichts passierte. Schaub rollte blödsinnig mit den Augen, weshalb Meier ihn, entsetzt ob dermassen wenig Allgemeinwissen, noch ein bisschen verständnisloser anstarrte.

«Was wohl?», fragte er gereizt. Dann streckte er seinem Kollegen zur Verabschiedung die Hand entgegen und machte sich auf den Weg.

«Nun sag schon», rief Schaub ihm beinahe schon verzweifelt hinterher, woraufhin Meier, ohne sich umzudrehen, doch noch etwas von sich gab.

«Die neue Ess, Tschee & Ess* – Sürvey von Aitch Ar», wetterte er.