Schlechte Klima-Noten – Vermögensverwalter versagen trotz Klimazielen beim Kohleausschluss

Die französische NGO «Reclaim Finance» hat erstmals eine Rangliste zu Klimaambitionen führender Vermögensverwalter veröffentlicht. Darunter zu finden sind auch die CS und die UBS.

Für die Studie hat die Organisation «Reclaim Finance» die Klimaversprechen von 24 europäischen und fünf US-amerikanischen Vermögensverwaltern analysiert. Die vom gemeinnützigen Verein «urgewald» unterstützte Untersuchung zeigt, dass die meisten der untersuchten Finanzinstitutionen zwar langfristige Klimaziele festgelegt haben, dass aber fast alle schon beim Ausschluss der besonders klimaschädlichen Kohle-Industrie versagen. Laut der Analyse gelten für insgesamt 23 Billionen Euro, der von den Investoren verwalteten Vermögensanteile langfristige Klimaziele, wie zum Beispiel Ankündigungen zur Klimaneutralität. Nur 3,4 Billionen Euro – etwa 15 Prozent davon – schliessen jedoch Kohlefirmen mit Expansionsplänen aus, die mit ihrem Geschäft besonders drastisch gegen die Pariser Klimaziele verstossen. Erst im vergangenen Monat waren 13 der untersuchten Vermögensverwalter der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAMi) beigetreten, darunter auch der weltweit grösste Vermögensverwalter BlackRock und Europas führender Vermögensverwalter Allianz Global Investors. Sechs der NZAMi-Zeichner haben grundsätzlich keine Kohleausschlussrichtlinien.

Zahlreiche Vermögensverwalter haben in den letzten Monaten eine Flut von Klimaneutralitätsversprechen produziert. Unsere Studie zeigt jedoch, dass diese Ankündigungen wenig mehr als heisse Luft sind.

Lara Cuvelier, Sustainable Investment Campaignerin, Reclaim Finance

Der Anteil passiv verwalteter Vermögensanteile hat sich in Europa in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Der Bericht beleuchtet, wie problematisch es ist, dass Vermögensverwalter die Klimafolgen, die aus solchen passiven Fonds entstehen, nicht angehen. Laut der Studie sind nur drei Prozent der passiv ausgerichteten Portfolios der grössten Vermögensverwalter von Kohleausschlusskriterien abgedeckt.

Wie schneiden die beiden Schweizer Grossbanken ab?
Das Asset Management der Credit Suisse schliesst gemäss den Studienautoren mit Platz 22 verhältnismässig schlecht ab. Das Coal Policy Tool von Reclaim Finance verrät, dass der Vermögensverwalter-Arm der Schweizer Grossbank fünf Jahre nach COP21 noch immer keine Ausschlusskriterien für Kohle hat. Das Asset Management der UBS schneidet mit Platz 9 besser ab. Zwar hat die UBS im März 2021 ihre erste Kohlerichtline mit Ausschlusskriterien für Kraftwerkskohle veröffentlicht, hinkt hier jedoch noch Vorreitern wie Amundi, AXA IM oder Ostrum AM hinterher.

Und wo stehen die deutschen Vermögensverwalter?
Europas grösster Vermögensverwalter Allianz schneidet mit Platz 18 am schlechtesten von allen deutschen Vermögensverwaltern ab. Das für Dritte verwaltete Vermögen der Allianz, etwa bei der US-Tochter Pimco, ist rund dreimal so gross wie die Eigenanlagen. Ihre Kohlerichtlinie wendet die Allianz-Gruppe jedoch nur auf Eigenanlagen an. Bei der DWS (Platz 17) machen die Nachhaltigkeitsfonds gut 10 Prozent des nach ESG-Kriterien gemanagten Vermögens aus.

Auf vollmundige Klimabekenntnisse und Nachhaltigkeitsinitiativen von Vermögensverwaltern müssen konkrete Taten folgen.

Kathrin Petz, Energie und Finanz-Campaignerin, urgewald

Es fehlt ferner an Ausschlüssen für passive Fonds, die mittlerweile rund ein Drittel des europäischen Aktienmarktes ausmachen. Auch die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka Investment, landet mit Platz 16 nur im Mittelfeld der untersuchten 29 Vermögensverwalter. Zwar hat das Unternehmen im April 2020 Kohle-Beschränkungen für alle Publikumsfonds eingeführt. Dies allerdings auf sehr niedrigem Niveau, sodass hier Nachbesserungen dringend geboten sind. Einzig Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, landet weiter vorne auf Platz 6 der untersuchten Vermögensverwalter. Das Unternehmen hat auf dem deutschen Markt aktuell die strengsten Ausschlusskriterien: so schliesst Union Kohlebergbauunternehmen ab einem Umsatz von fünf Prozent aus, zudem Energieunternehmen, wenn Kohle dort mehr als 25 Prozent am Energiemix ausmacht und sie keine glaubwürdige Klimastrategie vorweisen. Eine Ausnahme machen neben Union auch alle weiteren Fondsverwalter bei RWE, obwohl das Unternehmen Europas grösster Klimakiller ist.

Die Reclaim Finance-Studie ist hier zu finden. Neben urgewald sind auch Re:Common, The Sunrise Project und Amazon Watch Co Zeichner der Studie.

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