Anleger fordern Nachhaltigkeit von Pensionskassen – selbst sind sie weniger konsequent
Zwar möchte fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer Pensionskassen gesetzlich zu nachhaltigem Anlegen verpflichten. Beim Anlageentscheid für das eigene 3a-Vorsorgeguthaben berücksichtigt jedoch nur ein Viertel der Bevölkerung Nachhaltigkeit konsequent, ein Drittel macht dies von der Rendite abhängig. Das zeigt eine neue Vorsorgestudie.
Pensionskassen sollten von Gesetzes wegen dazu verpflichtet werden, nachhaltig anzulegen. Diese Meinung vertritt fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung, wie eine repräsentative Umfrage im Rahmen der neuen Vorsorgestudie der AXA zeigt. Insbesondere Personen aus der Westschweiz (62%) und Junge (55%) sprechen sich dafür aus. Unter den Gegnern gibt es überdurchschnittlich viele Männer – 39 Prozent lehnen die gesetzlich verordnete Nachhaltigkeit ab – bei den Frauen sind es mit 20 Prozent nur halb so viele.
Daniel Gussmann, Chief Investment Officer, AXANur ein Viertel investiert das eigene 3a-Vorsorgekapital ausschliesslich oder vorwiegend in nachhaltige Lösungen.
Ebenfalls rund die Hälfte der Befragten ist eher bis sehr daran interessiert, dass das eigene Vorsorgevermögen aus allen drei Säulen nachhaltig investiert wird. Und das, obwohl nur 34 Prozent der Befragten glaubt, dass sich nachhaltige Investitionen positiv auf die Rendite auswirken – klar weniger als noch vor zwei Jahren (42 Prozent).
Ein Drittel macht 3a-Anlageentscheid von Rendite abhängig
Beim eigenen Anlageverhalten wanken die Überzeugungen: Nur ein Viertel investiert das eigene 3a-Vorsorgekapital ausschliesslich oder vorwiegend in nachhaltige Lösungen (Frauen 30 %; Männer 22%), ein weiterer Drittel versucht dies, weicht jedoch davon ab, wenn die Rendite nicht stimmt. «Die unterschiedliche Einstellung der Bevölkerung zur Nachhaltigkeit in der zweiten und in der dritten Säule hat uns erstaunt, betrifft beides ja letztlich das persönliche Vorsorgevermögen», sagt Daniel Gussmann, Chief Investment Officer der AXA. Eine mögliche Erklärung ortet er in der gefühlten Distanz zum Kapital, das in der Pensionskasse steckt: «Während ich die Performance meiner 3a-Anlagen stets direkt nachverfolgen kann, bleibt das Vorsorgekapital der Pensionskasse lange eine abstrakte Grösse.»
Nachhaltige Anlagelösungen schwer vergleichbar
Wie in den Vorjahren wollte die AXA auch wissen, in welche Bereiche Pensionskassen auf keinen Fall investieren sollten. Am häufigsten genannt wurden Kinderarbeit, Produzenten von geächteten Waffen und Unternehmen oder Länder mit Menschenrechtsverletzungen. Besonders wichtig hingegen sind den Befragten erneuerbare Energie, Biodiversität und Naturschutz sowie der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen – nachhaltige Investments der Pensionskassen sollten ihrer Sicht am ehesten in diese Bereiche getätigt werden. Bei der Frage, ob als nachhaltig gekennzeichnete Anlagen auch tatsächlich nachhaltig sind, wagt über ein Viertel aller Befragten keine Aussage. Daniel Gussmann versteht diese Zurückhaltung: «Nachhaltige Anlagelösungen sind ein hoch komplexes Thema. Das erschwert auch die Vergleichbarkeit unter den Anbietern und den einzelnen Produkten», ordnet der Experte ein.