Comparis-Gruppe im Krisen-Modus

Der grösste Online-Vergleichsdienst der Schweiz muss seine Wachstumsstrategie korrigieren und plant einen massiven Stellenabbau.

Das Management der Comparis-Gruppe sieht sich aufgrund der vom Verwaltungsrat korrigierten Wachstumsstrategie gezwungen, gruppenweit Personal abzubauen. Der Online-Vergleichsdienst kündigt u.a. eine Massenentlassung an.

Ich finde das Vorgehen der Finma rechtsstaatlich heikel, weil bisher kein Gericht entschieden hat, ob der Online-Vergleichsdienst gemäss Versicherungsaufsichtsgesetz VAG eine Versicherungsvermittlerin ist oder nicht.

Daniel Jositsch, Ständerat und Comparis-Beirat

Nach einem stetigen Profitabilitätsrückgang ist die Comparis-Gruppe 2022 in die Verlustzone gerutscht. Das ist einerseits auf einen signifikanten Kostenanstieg, andererseits auf ein stagnierendes Umsatzniveau zurückzuführen. «Auch 2023 besteht aufgrund der Herausforderungen in diversen Produktbereichen das Risiko eines erneuten Verlustes», lässt das Unternehmen verlauten und macht dafür die eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma verantwortlich, die im Rahmen eines laufenden Enforcement-Verfahrens die Gewinne aus der Adressvermittlung im Versicherungsbereich ab dem Jahr 2015 aufgrund der bisher nicht erfolgten Finma-Unterstellung einziehen könnte. «Das zwingt das Unternehmen aus Gründen der Vorsicht, raschestmöglich Rückstellungen in Millionenhöhe zu bilden, obwohl Juristen die Wahrscheinlichkeit einer solchen Gewinneinziehung als gering beurteilen», so Comparis-Gründer und Verwaltungsratspräsident Richard Eisler.

Vorgehen der Finma rechtsstaatlich heikel
Die Drohung des Gewinneinzugs steht in Zusammenhang mit einer kostenintensiven und seit dreieinhalb Jahren andauernden Auseinandersetzung zwischen Finma und Comparis. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich der Vergleichsdienst als Versicherungsvermittler registrieren muss. Comparis ist der Meinung, dass das Anbieten von Versicherungsvergleichen und die Adressvermittlung keine Versicherungsvermittlung darstellt. Das erst recht nicht, wenn wie geplant eine Versicherungsvermittlerin zwischengeschaltet wird. Die comparis.ch AG will sich daher auch nicht als Vermittlerin registrieren. Ständerat und Comparis-Beirat Daniel Jositsch beurteilt die Drohung der Finma, Teile der Gewinne rückwirkend einzuziehen, kritisch: «Ich finde das Vorgehen der Finma rechtsstaatlich heikel, weil bisher kein Gericht entschieden hat, ob der Online-Vergleichsdienst gemäss Versicherungsaufsichtsgesetz VAG eine Versicherungsvermittlerin ist oder nicht.»

Unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits wird sich die Comparis-Gruppe reorganisieren müssen. «Wir bedauern ausserordentlich, dass wir diesen Schritt gehen müssen. Es ist der Unternehmensleitung nicht gelungen, die ambitionierten Wachstumsziele zu erreichen. Um unsere finanzielle Stabilität und Handlungsfähigkeit nachhaltig zu sichern, sehen wir uns gezwungen, unsere Kostenbasis auf der gesamten Gruppenebene massiv zu reduzieren», sagt Ingo Kopido, Mitglied des Verwaltungsrats der Decisis Holding AG und seit dem 1. Januar zusätzlich CEO. Eine sozialverträgliche Lösung ist für alle betroffenen Arbeitnehmenden vorgesehen.

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