Ein altbekanntes Gespenst erschreckt die Finanzmärkte

Am letzten Donnerstag um 16.00 Uhr Schweizer Zeit spielten die Finanzmärkte wieder einmal verrückt. Zuvor hatten die Aktien von Microsoft im Vergleich zum Vortag 12% tiefer eröffnet, weil gemäss Erklärungen die Cloud-Aufträge die Erwartungen nicht ganz erfüllten.

Nun ist Microsoft nicht gerade ein Small-Cap und es braucht schon ein grösseres Handelsvolumen, um den Kurs so stark einbrechen zu lassen. Ein paar Minuten später stürzte der Goldpreis innert Kürze um 7% ab, derjenige des Silbers gleichzeitig um 12% und der Kupferpreis um 9%. Der US-Dollar, der eigentlich vom tieferen Goldpreis profitieren sollte, bewegte sich dagegen kaum. Das gleiche gilt für die meisten anderen Märkte wie die Schweizer Aktien. Bei den US-Treasuries und dem Franken, die von einer Unruhe an den Märkten normalweise profitieren, waren auch keine besonderen Kursbewegungen zu erkennen. Um 16.30 Uhr war der Spuk vorbei. Positiv ist, dass die starken Kursstürze sich nicht auf andere Märkte ausgeweitet haben. Trotzdem bleibt bei solchen Vorfällen immer ein ungutes Gefühl zurück.

Offensichtlich wurden von Handelssystemen Verkaufssignale ausgelöst, die grosse Volumen in Gang gesetzt haben.

Thomas Stucki, Chief Investment Officer, St.Galler Kantonalbank

Klar kann man anmerken, dass die Preise von Gold, Silber und Kupfer zuvor unnatürlich stark gestiegen sind und dass eine Korrektur überfällig war. Aber so schnell wie die Preise gefallen sind, können die meisten Investoren gar nicht reagieren. Offensichtlich wurden von Handelssystemen Verkaufssignale ausgelöst, die grosse Volumen in Gang gesetzt haben. Da die Gegenpositionen kurzfristig zu klein sind, kommen die grossen Kursbewegungen zu Stande. Im Idealfall für den ursprünglichen Urheber löst es weitere Signale anderer Modelle in die gleiche Richtung aus, welche die Preisbewegung verstärken. Kommt hinzu, dass die meisten dieser Handelsmodelle ähnlich aufgebaut sind. Ökonomische Argumente spielen bei diesen Systemen keine Rolle. Wichtig sind nur Konstellationen verschiedener Preise, die die Märkte im Moment anfällig machen. Daher ist der Kreis der Märkte, die von einem solchen Flash-Crash betroffen sind, oft willkürlich und schwer zu erklären.

Am Ende überwiegen die fundamentalen Faktoren
Mittlerweile werden riesige Geldvolumen über solche quantitativen Modelle und Algorithmen verwaltet. Die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz und die immer grösser werdenden Rechenkapazitäten werden die Fantasien der Algo-Trader weiter anheizen. Die Wahrscheinlichkeit, dass solch grosse Kursbewegungen an verschiedenen Finanzmärkten innert kurzer Zeit ausgelöst werden, wird dadurch sicher nicht abnehmen. Ob sie das ganze System zum Absturz bringen können, ist zum Glück eine andere Frage. Bisher haben am Ende immer die wirtschaftlichen Argumente dominiert und die Preise bestimmt. Die Preise für Gold und Silber sind am Freitag erneut gefallen. Dazu haben Gewinnmitnahmen das ihrige beigetragen. Gewinnmitnahmen gehören jedoch genauso zu den Finanzmärkten wie die Käufer, die die tieferen Preise wieder attraktiv finden. Zudem war die Preisbildung am Freitag jederzeit geregelt abgelaufen. Zum Preisrückgang bei den Edelmetallen haben auch fundamentale Argumente beigetragen. Durch die Wahl von Kevin Warsh als zukünftigem Fed-Präsident haben sich die Aussichten auf starke Zinssenkungen in den USA für viele Marktteilnehmer reduziert, was die Attraktivität des zinsfreien Goldes belastet. So soll es sein an den Finanzmärkten.

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