Infrastrukturinvestments: Vorsicht vor Hype-Themen

Infrastruktur profitiert weltweit von langfristigen Investitionsprogrammen in Energie, Digitalisierung und Verkehr. Dieser Rückenwind allein reicht jedoch nicht aus. Anleger sollten Infrastruktur nicht als homogenes Anlagethema betrachten, sondern sehr selektiv vorgehen. Wichtig sind die Qualität der Geschäftsmodelle und die Bewertung. Deshalb bieten gerade stabile, regulierte Infrastrukturunternehmen attraktive Chancen.

Die langfristigen Wachstumstreiber sind intakt. Weltweit steigt der Investitionsbedarf in Stromnetze, Wasserinfrastruktur, Verkehrswege und Kommunikationsnetze. Gleichzeitig sorgen Digitalisierung, Elektrifizierung und der Ausbau erneuerbarer Energien für zusätzlichen Kapitalbedarf. Wir haben hier wirklich sehr langfristige Treiber, die bereits breit diversifiziert sind. Es geht nicht nur um ein einzelnes Thema. Wir sehen Chancen bei Energie, Wasser, Transport und Kommunikation. Wir warnen jedoch davor, Infrastruktur ausschliesslich über einzelne Trends wie künstliche Intelligenz oder Rechenzentren zu definieren. Solche Entwicklungen können zwar zusätzliche Nachfrage erzeugen, sind aber nicht automatisch attraktive Investments. Der starke Anstieg und anschliessende Einbruch vieler Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien zeigt aus unserer Sicht sehr deutlich: Ein langfristiger Trend ist nicht automatisch ein gutes Investment.

Bewertung schlägt Narrativ
Für uns beginnt erfolgreiches Infrastrukturinvestieren nicht mit einem Megatrend, sondern mit einer nüchternen Analyse der Risiken. Infrastruktur ist keineswegs risikofrei. Regulatorische Eingriffe, politische Entscheidungen, technologische Veränderungen oder Fehlentwicklungen einzelner Projekte können die Erträge erheblich beeinflussen. Unser Fokus bei der Titelauswahl ist daher klar: Letztendlich geht es um die Bewertung. Infrastruktur ist ein sehr stabiler Asset-Bereich. Aber der Preis, den man dafür bezahlt, ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor.

Wir warnen davor, Infrastruktur ausschliesslich über einzelne Trends wie künstliche Intelligenz oder Rechenzentren zu definieren. Solche Entwicklungen können zwar zusätzliche Nachfrage erzeugen, sind aber nicht automatisch attraktive Investments.

Bertrand Cliquet, Portfolio Manager und Analyst, Lazard Asset Management

Deshalb investieren wir ausschliesslich in gelistete Aktienunternehmen, deren Geschäftsmodelle langfristig planbare Einnahmen erwarten lassen. Nicht jede Infrastruktur ist gleich. Wir konzentrieren uns auf Bereiche, in denen wir eine hohe Visibilität der Erträge haben. Dazu gehören monopolähnliche Strukturen, regulierte oder langfristig vertraglich abgesicherte Erlöse sowie eine weitgehende Inflationsbindung der Cashflows. Beispiele dafür sind etwa regulierte Strom-, Gas- und Wassernetze, Mautstrassen, Flughäfen, monopolartige Schienennetze und Telekommunikationsinfrastruktur. Das mag zwar langweilig sein, aber es ist profitabel.

Qualität vor Quantität
Statt möglichst viele Infrastruktursegmente abzudecken, setzen wir lieber auf einen konzentrierten Auswahlprozess. Investiert wird dort, wo Fundamentaldaten und Bewertung überzeugen. Daraus ergeben sich zeitweise deutliche regionale Unterschiede im Vergleich zu den Branchenindizes. Aktuell sehen wir insbesondere in Europa attraktive Chancen. Viele regulierte Versorger profitieren dort von steigenden Investitionen in Stromnetze und Elektrifizierung, werden aber weiterhin mit deutlichen Bewertungsabschlägen gehandelt. Der Markt bezeichnet diese Unternehmen häufig als langweilig. Wir sehen das anders. Diese Unternehmen wachsen, investieren massiv und bieten gleichzeitig attraktive Bewertungen.

Aktives Management wird wichtiger
Gerade weil Infrastruktur kein einheitliches Anlageuniversum ist, halten einen aktiven Investmentansatz für unverzichtbar. Das Ziel ist nicht, jedem Aufschwung vollständig zu folgen, sondern über Marktzyklen hinweg Kapital zu erhalten und attraktive risikoadjustierte Erträge zu erzielen. Wir möchten Kapital erhalten und gleichzeitig Alpha generieren. Dafür müssen wir sehr selektiv vorgehen und genau unterscheiden, welche Infrastrukturunternehmen dauerhaft stabile Erträge liefern können.

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