Schweizer Pensionskassen und Rohstoffe: eine nüchterne Bilanz
Gold und Silber gehörten 2025 mit einer Performance von 44% respektive 116% in Franken gerechnet zu den grössten positiven Renditereibern. Der eine oder andere Anlageverantwortliche einer Pensionskasse wird sich aber ungläubig die Augen reiben, wenn er die Performance der Anlageklasse «Rohstoffe» anschaut.
Die meisten Kassen orientieren sich an einem der gängigen Rohstoffindizes, die im letzten Jahr deutlich schlechter abgeschnitten haben. Beim bekannten CRB Commodity-Index resultierte in Franken ein Verlust von 12.0%, beim ebenfalls beliebte Rogers International Commodity-Index ein solcher von 6.5%. Der Rohstoff-Index von Bloomberg konnte mit einem Plus von 1.2% in Franken zumindest einen kleinen Ertrag erzielen. In diesem Index wird das Gold mit 15% und das Silber mit 4% gewichtet, während bei den beiden anderen Indizes die Edelmetalle keine grosse Rolle spielen.
Thomas Stucki, Chief Investment Officer, St.Galler KantonalbankDer eine oder andere Anlageverantwortliche einer Pensionskasse reibt sich ungläubig die Augen, wenn er die Performance der Anlageklasse 'Rohstoffe' anschaut.
Dominiert werden die klassischen Rohstoffindizes durch das Erdöl, welches zusammen mit anderen Energieprodukten ein Gewicht zwischen 30% und 40% aufweist. Im letzten Jahr ist der Erdölpreis fast 20% gefallen. Die zweite wichtige Kategorie mit einem ähnlichen Gewicht sind die Landwirtschaftsprodukte, welche 2025 mehrheitlich ebenfalls schlecht abgeschnitten haben.
Rohstoffe sind eine schwierige Anlageklasse
Rohstoffe sind eine schwierige Anlageklasse. Das fängt schon bei der Auswahl der Benchmark an, an welcher sich die internen oder externen Vermögensverwalter orientieren müssen und sich auch daran orientieren werden. Wie stark die verschiedenen Rohstoff-Segmente gewichtet sind, hat auf das Anlageergebnis einen entscheidenden Einfluss. Die Umsetzung im Portfolio ist ebenfalls mit Tücken verbunden. Soll ich ein Produkt nehmen, dass den ausgewählten Commodity-Index nachbildet oder versuche ich, die unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Rohstoffe auszunützen? Bei vielen Rohstoffen gibt es im Unterschied zu Gold und Silber keinen Kassamarkt. Sie müssen über den Kauf oder Verkauf von Futures-Kontrakten abgebildet werden. Da eine physische Lieferung beim Auslaufen der Kontrakte für die meisten Investoren weder möglich noch gewünscht ist, müssen die Kontrakte vor dem Verfall in den Futures-Kontrakt mit einer längeren Laufzeit gewechselt werden. Dabei fallen häufig «Rollkosten» an, weil der neue Kontrakt zu einem höheren Preis gekauft werden muss als der auslaufende Kontrakt verkauft werden kann. Diese Rollkosten summieren sich und können die Performance in einem erheblichen Ausmass belasten.
Diversifikation ist ein Grund, Rohstoffe zu halten
Obwohl die Umsetzung komplex ist, gibt es gute Gründe, einen Teil des Portfolios in Rohstoffe zu investieren. Industriemetalle sind zyklisch orientiert und bewegen sich wie die Aktienmärkte. Das gleiche gilt für die Energierohstoffe, wobei die politischen Faktoren hier eine grössere Rolle spielen. Bei den Landwirtschaftsprodukten spielen das Wetter und andere Faktoren, welche die Ernte bestimmen, eine wichtige Rolle. Diese hängen nur geringfügig von der Wirtschaft ab. Die Edelmetalle sind gesucht, wenn die Wirtschaft nicht so gut läuft und die Unsicherheit die Aktien belastet. Damit die Diversifikationsvorteile greifen, genügt eine symbolische Allaktion von 3% in der Anlagestrategie jedoch nicht. Die Allokation sollte diesbezüglich mindestens 10% betragen und dann stellt sich schon die Frage, ob man das entsprechende Risiko eingehen will. Sinnvoll ist auch, sich nicht einfach an einem Commodity-Index zu orientieren, sondern Schwergewichte zu setzen, beispielsweise beim Gold oder bei der Energie. Die einzelnen Bereiche können relativ einfach über ETF-Produkte abgedeckt werden. Nicht zuletzt muss auch das Währungsrisiko beachtet werden und über eine mögliche Absicherung entschieden werden.