Starke Gewinne im ersten Quartal – aber wer treibt sie wirklich?

Die US-Berichtssaison liefert ein überzeugendes Gesamtbild mit stabilen Ergebnissen über viele Sektoren hinweg. Bei näherem Hinsehen wird jedoch sichtbar, dass die Dynamik im Markt nicht gleichmässig verteilt ist.

Seit Jahresbeginn hat sich der US‑Aktienmarkt, trotz zwischenzeitlicher Rückschläge, nach oben bewegt. Der S&P 500 liegt in Franken gemessen 9,4 Prozent im Plus und notiert nahe Höchstständen. Gleichzeitig bleibt das Umfeld geprägt von Unsicherheit. Spannungen rund um Iran und die Strasse von Hormus liessen die Ölpreise zeitweise steigen und lösten neuerliche Inflationssorgen aus. Diese Phase erhöhter Volatilität wirkte auch auf die Börsen, da steigende Energiepreise die Erwartungen an Kosten, Zinsen und Gewinne beeinflussten. Neben den geopolitischen Themen, konnten die Unternehmen jedoch zeigen, dass sie im ersten Quartal insgesamt starke Ergebnisse erzielten.

Breite Gewinne und steigende Margen
Die Berichtssaison für das erste Quartal 2026 zeigt ein insgesamt stabiles Bild. Rund 84 Prozent der Titel im S&P 500 übertrafen die Gewinnschätzungen, etwa vier von fünf liegen auch beim Umsatz über den Erwartungen. Das Gewinnwachstum liegt bei 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die Umsätze im niedrigen zweistelligen Bereich zulegen konnten.

Für den weiteren Jahresverlauf erwarten Analysten weiterhin steigende Gewinne, wenn auch in langsameren Tempo. Für 2026 insgesamt wird ein Wachstum von rund 20 Prozent erwartet.

Roman Gfeller, Anlage-Experte, VZ VermögensZentrum

Auch die Profitabilität hat sich verbessert. Die Margen lagen bei knapp 15 Prozent und damit auf einem hohen Niveau. Dahinter stehen mehrere Faktoren: anhaltende Nachfrage, vor allem in technologiegetriebenen Bereichen, sowie Effizienzgewinne in vielen Unternehmen. Gleichzeitig fallen die Ergebnisse häufig besser aus als erwartet, was die Entwicklung im Verlauf der Berichtssaison zusätzlich stützte. Dennoch bleibt die Zusammensetzung des Wachstums uneinheitlich. Ein Teil der Gewinne wurde durch einmalige Effekte gestützt, etwa durch Bewertungseinflüsse oder steuerliche Sondereffekte, was einzelne Ergebnisse verzerren kann. Insgesamt entsteht jedoch ein Bild eines Marktes, der operativ stabil aufgestellt ist und auch externen Belastungsfaktoren wie dem Iran-Konflikt standhält.

Magnificent 7 als Taktgeber
Ein grosser Teil des Wachstums konzentriert sich weiterhin auf wenige Unternehmen. Die «Magnificent 7» haben geschlossen über den Erwartungen berichtet und wachsen schneller als der restliche Markt. Ihr Gewinnwachstum liegt bei über 60 Prozent, während die übrigen Unternehmen im Schnitt auf rund 17 Prozent kommen. Besonders Nvidia, Alphabet, Amazon und Meta trugen massgeblich zur Entwicklung bei. Ihre Stärke basiert auf strukturellen Trends wie KI, Cloud‑Geschäft und digitalen Plattformen. Gleichzeitig zeigt sich auch hier: Ein Teil der Dynamik wurde durch Einmaleffekte verstärkt. Trotzdem bleibt die Rolle dieser Unternehmen entscheidend. Sie treiben einen grossen Teil des Wachstums im Markt – auch wenn sich die Entwicklung zuletzt etwas stärker auf andere Sektoren ausgeweitet hat. So tragen inzwischen auch stärker zyklische Bereiche wie Industriewerte, Rohstoffunternehmen sowie Teile des Finanzsektors wieder sichtbarer zum Gewinnwachstum bei. Dadurch verteilt sich das Wachstum breiter über verschiedene Branchen und ist weniger stark ausschliesslich durch Technologie getrieben.

Ausblick und Bedeutung für Anleger
Für den weiteren Jahresverlauf erwarten Analysten weiterhin steigende Gewinne, wenn auch in langsameren Tempo. Für 2026 insgesamt wird ein Wachstum von rund 20 Prozent erwartet. Gleichzeitig bleibt die Einschätzung der Unternehmen für die kommenden Quartale überwiegend stabil. Die Bewertungen am Markt sind allerdings gestiegen. Aktien werden gemessen an den erwarteten Gewinnen höher gehandelt als im langfristigen Durchschnitt. Das bedeutet, dass viele positive Erwartungen bereits in den Kursen enthalten sind. Das zeigt sich auch im Verhalten der Märkte: Gute Nachrichten führen oft nur zu begrenzten Kursanstiegen, während Enttäuschungen stärker ins Gewicht fallen. Für Anleger wird es daher wichtiger, genauer hinzusehen. Entscheidend ist nicht nur, ob Unternehmen wachsen, sondern wie stabil ihre Gewinne sind und ob sie ihre Erwartungen kontinuierlich erfüllen können.

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