Frauen besitzen rund ein Drittel des weltweiten Vermögens – Tendenz stark steigend

Frauen verfügen über immer mehr Vermögen. Das verändert die Finanzwelt. Vermögensverwalter sind deshalb gut beraten, dabei eine Schlüsselrolle zu spielen.

Die Investmentlandschaft verändert sich. Frauen investieren und das verändert die Spielregeln. Und so selbstverständlich vieles heute scheint: historisch ist Gleichberechtigung eine vergleichsweise neue, gesellschaftliche Entwicklung, wie wir in einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung untersucht haben. Betrachten wir beispielsweise die Veränderungen, die sich allein im Leben einer deutschen Frau vollzogen haben, die sich jetzt dem Rentenalter nähert. Ungefähr zum Zeitpunkt ihrer Geburt – bis zum Inkrafttreten des Gleichstellungsgesetzes im Jahr 1958 – brauchten verheiratete Frauen im Allgemeinen die Erlaubnis ihres Mannes, bevor sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder auch nur ein einfaches Bankkonto eröffneten konnten.

Frauen investieren nicht einfach 'risikoscheu', sondern konzentrieren sich eher auf langfristige Ziele und finanzielle Sicherheit, was oft zu disziplinierteren Entscheidungen führt.

DWS

Viele Frauen weltweit sind immer noch mit Barrieren konfrontiert, aber selbst dort, wo diese abgebaut wurden, bleiben die Folgen traditioneller gesellschaftlicher Normen bestehen. Wie der nachfolgende Chart zeigt, bestehen selbst in Deutschland noch immer deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahl von Anlageinstrumenten. Umfragen zufolge investieren nur etwa 30 Prozent der deutschen Frauen ihre Ersparnisse in Anlageprodukte im weitesten Sinne; für Erwachsene beiderlei Geschlechts sind traditionelle Banksparkonten nach wie vor das bevorzugte Anlageinstrument (67 Prozent der Frauen gegenüber 66 Prozent der deutschen Männer).

Geschlechtsspezifische Unterschiede im Sparverhalten deutscher Erwachsener

Frauen besitzen rund ein Drittel des weltweiten Vermögens. Diese Zahl dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. In Deutschland wie auch anderswo ist dieser Anstieg auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter eine stärkere Erwerbsbeteiligung, ein höheres Einkommenspotenzial und ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung finanzieller Sicherheit. Aber es geht nicht nur um die Zahlen. Frauen investieren anders als Männer. Untersuchungen legen nahe, dass Frauen oft risikoscheuer sind als Männer, ein Faktor, der auf gesellschaftliche Erwartungen und historische Rollen zurückzuführen ist. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Frauen nicht einfach «risikoscheu» sind, sondern sich eher auf langfristige Ziele und finanzielle Sicherheit konzentrieren, was oft zu disziplinierteren Entscheidungen führt. Dieser Ansatz führt tendenziell zu einer Präferenz für Investitionen, die Stabilität und vorhersehbare Renditen bieten und mit ihren Prioritäten übereinstimmen, nämlich ihre Zukunft zu sichern und ihre Familien zu unterstützen. Dies könnte sich in der Vorliebe der Frauen für börsengehandelte Fonds (ETFs) widerspiegeln, die eine Diversifizierung über einen Korb von Vermögenswerten hinweg bieten können, gegenüber einzelnen Aktien, die ein höheres individuelles Risiko bergen.

Was ist zu tun, insbesondere in Ländern wie Deutschland, in denen Banksparkonten stark bevorzugt werden? Gemäss den Investment-Experten von DWS stellt die wachsende Beteiligung von Frauen am Investmentmarkt eine bedeutende Chance für Kunden und Vermögensverwalter dar. Indem sie die einzigartigen Anlagepräferenzen und -prioritäten von Frauen verstehen, können Vermögensverwalter Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die ihren Bedürfnissen entsprechen und zu ihrem finanziellen Erfolg beitragen. Dies kommt nicht nur den einzelnen Frauen zugute, sondern trägt auch zu einem gerechteren Finanzsystem bei. Beispielsweise legen Untersuchungen nahe, dass Frauen eher von einer Ausbildung zum Thema Investieren und Vermögensverwaltung profitieren, die bei einem weiblichen Publikum Anklang findet. Darüber hinaus sprechen mehr als zwei Drittel der Frauen lieber mit einer Finanzberaterin, was die Notwendigkeit einer stärkeren Vertretung von Frauen in der Finanzberatung unterstreicht. In vielen Ländern, darunter den USA, Deutschland und Grossbritannien, sind nicht mehr als 20 Prozent der Finanzberater Frauen.

Die zunehmende Beteiligung von Frauen an der Finanzwelt ist eine positive Entwicklung, aber es ist wichtig zu erkennen, dass es noch erhebliche Hindernisse zu überwinden gibt. Indem sie diese Hindernisse beseitigen und Anlageprodukte und -dienstleistungen an die besonderen Bedürfnisse von Frauen anpassen, können Vermögensverwalter dazu beitragen, ein integrativeres und gerechteres Finanzsystem zu schaffen, das allen zugutekommt – auch der nächsten Generation.

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