60 Prozent Rente – Wunschdenken statt Vorsorgewissen

Die Erwartungen an die Altersvorsorge sind hoch: Eine Mehrheit der Versicherten hält eine Rente von mehr als 60 Prozent des letzten Lohnes für notwendig, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern. Das zeigt die Studie «VorsorgeDIALOG 2026» der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit PensExpert.

Die Schweizer Bevölkerung erwartet von ihrer Altersvorsorge vor allem zwei Dinge: Sicherheit und Flexibilität. Und die Mehrheit der Versicherten erachtet eine Ersatzquote des letzten Lohnes von mehr als 60 Prozent als erforderlich, um den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig zweifeln 59 Prozent der Befragten daran, dass die Leistungen von AHV und 2. Säule ausreichen werden, um ihren bisherigen Lebensstandard im Alter zu sichern. Entsprechend hoch bleibt die Bedeutung der privaten Vorsorge. Wobei zwei Drittel zusätzliches Vorsorgekapital lieber in die Säule 3a investieren würden als in die 2. Säule. Damit die Versicherten ihre Wahlmöglichkeiten auch sinnvoll nutzen können, braucht es entsprechendes Finanz- und Vorsorgewissen. Zwar hat sich der Wissensstand gegenüber dem Studienergebnis des Vorjahres verbessert, doch insbesondere bei der Altersvorsorge bestehen weiterhin grosse Wissensdefizite. Beim allgemeinen Finanzwissen beantworten 22 Prozent der Befragten sämtliche Fragen korrekt, lediglich 6 Prozent konnten keine einzige Frage richtig beantworten. Beim Vorsorgewissen sind die Werte durchs Band deutlich tiefer.

Zwar hat sich der Wissensstand gegenüber dem Studienergebnis des Vorjahres verbessert, doch insbesondere bei der Altersvorsorge bestehen weiterhin grosse Wissensdefizite.

Mark Huber, Mitglied der Geschäftsleitung, PensExpert

Problematisch ist dabei vor allem, dass sich viele Versicherte ihrer Wissenslücken nicht bewusst sind. Bei Vorsorgefragen werden häufiger falsche Antworten gegeben als die Antwort «ich weiss nicht». Das erhöht das Risiko, dass persönliche Vorsorgeentscheide auf einer unzureichenden Wissensgrundlage getroffen werden. Es besteht also Handlungsbedarf. Ein wesentlicher Teil der Befragten versteht den eigenen Vorsorgeausweis nicht oder nur ungenügend. Die Studie zeigt auch, dass Personen, die den Vorsorgeausweis nur ungenügend verstehen, eine persönliche Beratung wünschen und kein digitales Angebot. Für Mark Huber, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von PensExpert, ist klar: «Die Vorsorgeeinrichtungen sind gefordert. Destinatäre sollen als Kunden ernst genommen werden. Dazu zählt, dass sie transparent und umfassend über ihre Vorsorgesituation aufgeklärt werden. Aber es besteht auch eine Bringschuld. Es liegt im Interesse der Versicherten, sich mit dem 1x1 des Vorsorgewissens vertraut zu machen. Nur so kann ein Dialog auf Augenhöhe stattfinden, der zur optimalen Ausgestaltung der individuellen Vorsorge führt.»

Die Studienergebnisse zeigen auch in diesem Jahr ein Spannungsfeld: Die Ansprüche an die Altersvorsorge steigen und der Wunsch nach individuellen Lösungen ist gross. Um zwischen Kapitalbezug, Rente, einer Kombination beider Varianten und neuen Rentenmodellen fundiert wählen zu können, ist vor allem ausreichendes Finanz- und Vorsorgewissen entscheidend. Die vollständige Studie «VorsorgeDIALOG 2026» findet sich hier.

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