Ökonomische Unvernunft

Einer der Vorteile der Wiederwahl Donald Trumps ist, dass es dank seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 eine Blaupause gibt für sein Denken und Handeln heute. Das heisst, dass man als Marktbeobachter auch schon mal alte Analysen und Berichte hervorholen kann, die lediglich auf 2025 «gepimpt» werden müssen. So findet Trump damals wie heute, dass die USA im globalen Handel benachteiligt würden. Beleg dafür seien die Handelsbilanzdefizite, welche die USA mit vielen Ländern aufweisen. Beheben will er dies mit Zöllen auf importierte Güter. Ist das eine begründbare und zielführende Herangehensweise?

Die Tatsache, dass sich das Handelsbilanzdefizit auch in Trumps erster Amtszeit weiter ausgeweitet hatte, zeigt, dass Zölle sein «Problem» kaum lösen. Zwei kurze volkswirtschaftliche Abhandlungen verdeutlichen, dass sie sich auch ökonomisch kaum begründen lassen.

Es geht Trump auch darum, mit den Zollandrohungen politischen Druck aufzubauen, um Zugeständnisse in anderen Bereichen zu erreichen.

Thomas Heller, Chief Investment Officer, Frankfurter Bankgesellschaft Gruppe

In einer offenen Volkswirtschaft gilt, dass die Differenz zwischen den einheimischen Ersparnissen (S) und den Investitionen (I) dem Aussenbeitrag, d. h. den Exporten minus den Importen (X – M) entspricht:

S – I = X – M. Ein negativer Aussenbeitrag (X < M) wie in den USA entsteht nur, wenn die Investitionen die Ersparnisse übersteigen (I > S). Das heisst, die Amerikaner sparen zu wenig und geben zu viel aus. Sofern sie nicht beginnen, mehr zu sparen und/oder weniger zu investieren, erfolgt der Ausgleich über den Aussenbeitrag. Mit anderen Worten: Sie sind auf Importe angewiesen. Das Handelsbilanzdefizit ist das Resultat des Spar- und Investitionsverhaltens der amerikanischen Haushalte und Unternehmen und somit primär hausgemacht.

Die Gleichung für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lautet: Privater Konsum (C) + Staatsausgaben (G) + Investitionen (I) + Aussenbeitrag (X – M). BIP = C + G + I + X – M. Es ist wohl das Minus vor den Importen, das Trump irritiert. Da diese von der inländischen Produktion abgezogen werden, sind sie aus seiner Sicht schlecht. Das greift viel zu kurz. Denn die Importe fliessen in den Konsum und in die Investitionen, was das BIP steigert. Beim Versuch, die «schlechten» Importe einzudämmen und «gutes» Investitionskapital anzulocken, beisst sich die Katze in den Schwanz. Dieser ökonomische Exkurs ist allerdings nur ein Aspekt der laufenden Debatte. Es geht Trump auch darum, mit den Zollandrohungen politischen Druck aufzubauen, um Zugeständnisse in anderen Bereichen zu erreichen. Das Muster: Ankündigung von Zöllen, angedrohte Gegenzölle, Verhandlungen (z.B. über Grenzsicherung), Aufschub, neuerliche Ankündigungen, Vollzug eines ersten Schrittes mit der Drohung weiterer Schritte. Das kennt man aus seiner ersten Amtszeit, dieses Mal beispielhaft durchexerziert mit Mexiko und Kanada. Natürlich reagieren die betroffenen Länder mit Gegenmassnahmen. Auch China und die EU werden dagegenhalten. Es wird dabei höchstens politische Sieger geben. Wirtschaftlich gibt es vor allem Verlierer.

Auch die Finanzmärkte, die zuletzt bereits etwas nervöser reagiert haben, werden das auf Dauer nicht goutieren. Ein eskalierender Handelskonflikt hat das Potenzial, in der Wirtschaft und an den Märkten erheblichen Schaden anzurichten. Donald Trump ist ein Mann der Wirtschaft und der Märkte. Es bleibt zu hoffen, dass die ökonomische Vernunft doch noch obsiegt.

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