Der angestrebte Turnaround der SIG Group ist kein Selbstläufer
30% Verlust, Klage, CEO-Wechsel: Beim Verpackungsspezialisten keimt mit neuer Führung und Investor wieder Hoffnung.
Die SIG Group ist neben Tetra Pak einer von zwei globalen Systemanbietern für aseptische Kartonverpackungen. Geschätzte 90% des Marktes entfallen auf die beiden Unternehmen – fast ein perfektes Duopol. SIG beliefert globale Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Danone und Coca-Cola mit Abfüllanlagen und Verpackungsmaterial für haltbare Milch, Säfte und flüssige Nahrungsmittel. Das Geschäftsmodell erinnert an das Rasierer-Klingen-Prinzip: Maschinen werden platziert, die wiederkehrenden Verpackungsmaterialien machen rund 87% des Umsatzes aus. Die durchschnittliche Kundenbeziehung der zehn grössten Kunden beträgt über 30 Jahre, die Kundenbindungsrate liegt bei rund 95%.
Turbulentes Jahr 2025
Trotz dieser Qualitäten erlebte SIG ein turbulentes 2025. Zu Jahresbeginn reichte der ehemalige Eigentümer von Scholle IPN, die SIG 2022 übernommen hatte, eine Klage ein, die weiterhin hängig ist. Im ersten Halbjahr belasteten schwache Endmärkte, vorsichtiges Konsumentenverhalten und ein insgesamt schwieriges Branchenumfeld die Ergebnisse. Im August gab es einen CEO-Wechsel und gleichzeitig lancierte die Firma ein Transformationsprogramm zur Fokussierung auf wachstumsstärkere aseptische Geschäftsbereiche und zur Veräusserung kleinerer, nicht-aseptischer Bereiche. Die damit verbundenen einmaligen Restrukturierungskosten drückten zusätzlich auf die Profitabilität. Schliesslich wurde die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 ausgesetzt, um die Entschuldung zu priorisieren.
Strategische Neuaufstellung
Nun ändern sich jedoch die Vorzeichen. An der Generalversammlung 2025 wurden Teile des Verwaltungsrates neu besetzt. Ende Dezember 2025 hat zudem der schwedische aktivistische Investor Cevian Capital eine Beteiligung von über 3% an SIG aufgebaut und hält mittlerweile über 5%. Cevian ist bekannt dafür, bei unterbewerteten Industrieunternehmen auf operative Verbesserungen zu drängen. Im März 2026 hat der neue CEO Mikko Keto sein Amt angetreten. Keto kommt von FLSmidth, einem dänischen Maschinenbaukonzern, wo er als CEO tätig war und sich mit operativen Effizienzprogrammen, Portfoliobereinigungen und einer konsequenten Fokussierung bestens auskennt.
Luca Riboni, Aktien-Analyst, Rothschild & Co BankDie SIG Group ist neben Tetra Pak einer von zwei globalen Systemanbietern für aseptische Kartonverpackungen. Geschätzte 90% des Marktes entfallen auf die beiden Unternehmen – fast ein perfektes Duopol.
Die strategische Stossrichtung ist klar: SIG will sein aseptisches Kerngeschäft stärken, das rund 90% des Zielportfolios ausmachen soll. Die adjustierte operative Marge soll mittelfristig auf über 16.5% steigen, während ein Umsatzwachstum von 3 bis 5% vorausgesagt wird, gestützt auf säkulare Trends wie steigende Urbanisierung, wachsende Nachfrage nach haltbaren Milchprodukten und zunehmenden Bedarf an nachhaltigen Verpackungslösungen.
Bewertung hat Potential, ist aber kein Selbstläufer
Wir sind vom Geschäftsmodell langfristig überzeugt. Die duopolistische Marktstruktur, die hohen Wechselkosten und die wiederkehrenden Umsätze bilden eine solide Grundlage. Kurzfristig bleibt SIG allerdings ein Restrukturierungsfall, der Geduld erfordert. Die Bewertung spiegelt derzeit vor allem operative Schwächen und geringe Visibilität. Gelingt die Stabilisierung der Margen und die Umsetzung der Strategie, besteht enormes langfristiges Potenzial. Es wird allerdings einige Zeit dauern, bis sich die operativen Verbesserungen im Ergebnis widerspiegeln. Für langfristige Investoren mit Blick auf die nächsten zwei bis drei Jahre bietet die aktuelle Bewertung jedoch eine interessante Einstiegsmöglichkeit.