COP27: Wir müssen den Netto-Null-Übergang finanzieren

Es gibt eine essenzielle Voraussetzung für eine effektive Umstellung auf eine Netto-Null-Wirtschaft, die niemanden zurücklässt: die Bereitstellung der dafür notwendigen finanziellen Mittel.

Wir müssen die Dekarbonisierung finanzieren, indem wir Kapital in die Regionen und Wirtschaftssektoren lenken, in denen derzeit noch am CO2-intensivsten gewirtschaftet wird. Gerade hier sind realwirtschaftliche Veränderungen am dringendsten notwendig. Derartige Investitionen werden nicht nur eine messbare Wirkung zeigen, sondern Anlegern auch angemessene Renditen bieten. Wir dürfen nicht zulassen, dass die «Net Zero»-Agenda durch Greenwashing oder eine polarisierende Politik behindert wird. Der grösste Fehler wäre es, CO2-intensive Länder und Unternehmen zu isolieren, indem man ihnen das Kapital entzieht. Ein Abzug von Geldern würde das Problem nur verschlimmern. Divestment mag sich gut anfühlen, ist aber fatal.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die Net Zero-Agenda durch Greenwashing oder eine polarisierende Politik behindert wird.

Hendrik du Toit, CEO von Ninety One

Die Vereinten Nationen warnen, dass schrittweise Veränderungen keine Option mehr sind. Um Netto-Null rechtzeitig zu erreichen, müssen wir das Steuer jetzt herumreissen. Emissionsintensive Staaten und Unternehmen können die Dekarbonisierung nicht alleine bewältigen. Sie brauchen Investitionsgeber, die diesen Weg mit ihnen gehen. Dabei ist wichtig, dass die Investitionsnehmer nur dann Kapital erhalten, wenn sie die erforderlichen Massnahmen für den fristgerechten Netto-Null-Übergang nachweislich eingeleitet haben.

Mindestens zwei verschiedene Arten der Finanzierung sind unerlässlich: Investitionen in die emissionsintensiven Sektoren – Energie, Gebäude, Mobilität und Industrie –, die für rund 85% der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, und Investitionen in die erforderliche Infrastruktur für eine Netto-Null-Emissionen-Wirtschaft sowie in Unternehmen, die Lösungen für die Kontrolle, Reduktion und Abscheidung von Kohlendioxid bereitstellen. Die Transition Finance Working Group der Sustainable Markets Initiative schätzt, dass bis 2050 etwa 4 Billionen Dollar pro Jahr investiert werden müssen, um die weltweiten Emissionen bis 2050 auf netto null zu reduzieren. Rund 25% dieser Investitionen müssen in die Schwellenmärkte fliessen. Obwohl auf die Emerging Markets nur ein Siebtel der bisherigen Pro-Kopf-Emissionen entfällt, werden sie für 90% des Anstiegs der weltweiten CO2-Emissionen bis 2030 verantwortlich sein. Die Schwellenländer haben in der Vergangenheit am wenigsten zu diesem Problem beigetragen, leiden aber am meisten darunter. Bislang sind nur 15% der erforderlichen Mittel bereitgestellt worden. Es ist an der Zeit, Kapital in grossem Stil zu mobilisieren. GFANZ, dessen Mitglieder ein Anlagevermögen von insgesamt rund 130 Billionen US-Dollar verwalten, schätzt, dass private Akteure 70% der Finanzierung bereitstellen könnten. Unter den kritischen Blicken der Märkte und Asset Owner würde das Kapital dorthin gelenkt, wo es am dringendsten benötigt wird und zugleich eine angemessene Rendite erwirtschaften kann.

Die von Ninety One durchgeführte Studie «The rise of transition finance» ergab, dass 60% der Asset Owner den Kampf gegen den Klimawandel als strategisches Ziel betrachten. Zwar geben nur 16% der Befragten an, dass ihr Fonds in Transitionsfinanzierung in Schwellenländern investiert – in dieser Gruppe bezeichnen aber 86% die Ausweitung dieses Engagements als Priorität. Wie die Studie zeigte, sind 56% der Asset Owner davon überzeugt, dass die globalen Klimaziele ohne höhere Investitionen in Transitionsfinanzierung nicht erreichbar sein werden.

Es ist an der Zeit, zu handeln!

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