Aktien und der Zufallsfaktor: Dartpfeile vs. Portfoliomanager

Börsenspiele haben einen hohen Unterhaltungswert und finden bereits in der Schulzeit Anwendung. Es geht darum, die besten Aktien auszuwählen und somit in einem vordefinierten Zeitraum den höchsten Ertrag zu generieren. Wer gewinnen will, muss ordentlich zocken, von daher ist es äusserst fragwürdig, ob junge Investoren wirklich unter dieser Prämisse an den Aktienmarkt herangeführt werden sollten.

Einige Kolumnisten des Wall Street Journals haben sich jedenfalls den Spass gegönnt, ein Börsenspiel einzugehen. Sie haben ein Portfolio aus zwölf Aktien zusammengestellt, indem sie buchstäblich mit Dartpfeilen auf die an der Wand befestigen Notierungen der New Yorker Börse geworfen haben. Damit sind sie gegen ein Portfolio von Fondsmanagern angetreten, die ihre «besten Ideen» auf einer Anlagekonferenz vorgestellt hatten.

Allgemein gilt es bei Aktieninvestitionen zu beachten, dass Absicherungen nur in sehr begrenztem Masse sinnvoll sind.

Thomas Grüner, Vice Chairman, Grüner Fisher Investments

Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Das «Dart-Portfolio» hat gewonnen! In einem unterhaltsamen Artikel freuen sich die Kolumnisten, dass die Profis gegen das Zufallsprinzip verloren haben und sehen den Kauf von gleichgewichteten Indexfonds als richtigen Weg an, da sie ein grösseres Engagement in kleinen Ausreissern bieten als ein kapitalgewichteter Fonds.

Zufall ist nicht wiederholbar
Im Median hat die Aktienauswahl der Kolumnisten eine Rendite von 24,7 Prozent erreicht. Eine gute Wurfleistung, keine Frage – allerdings dem Zufall unterworfen und damit nicht wiederholbar. Zudem gilt es zu beachten, dass nicht einfach nur zwölf normale Aktien ausgewählt worden sind. Die Spielregeln verlangten, dass zwei Short-Positionen – ebenfalls durch das Zufallsprinzip ausgewählt – eingegangen werden musste. Ein weiterer unkalkulierbarer Volatilitätsfaktor. Daraus lässt sich die eigentliche Lehre dieses Experiments ableiten: Wie ratsam ist es, ein Aktienportfolio gegen Volatilität abzusichern? Wir halten das nicht für sinnvoll, und zwar aus dem einfachen Grund, dass in einem Bullenmarkt die meisten Aktien steigen. Es ist also wahrscheinlich, dass Absicherungen gegen Sie arbeiten werden.

Wohldosierte Absicherungen
Absicherungen könnten in Bärenmärkten nützlich sein, in Abschwüngen auf breiter Front, die tief und lang anhaltend sind und für die es erkennbare fundamentale Ursachen gibt. Wenn Sie einen solchen Abschwung früh genug erkennen, so dass Sie Ihr Aktienengagement reduzieren, ohne gleichzeitig hohes Risiko einzugehen, einen kurzfristigen Aufschwung zu verpassen – dann können Absicherungen hilfreich sein. Allgemein gilt es bei Aktieninvestitionen aber zu beachten, dass Absicherungen nur in sehr begrenztem Masse sinnvoll sind. Genauer gesagt nur dann, wenn Sie der Meinung sind, dass der Markt in absehbarer Zukunft mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit fallen als steigen wird. Wenn Ihr Ziel eher darin besteht, die erwartete kurzfristige Volatilität Ihres Portfolios zu verringern, weil Sie potenzielle Schwankungen nervös machen, sollten Sie bei Ihrer langfristigen Vermögensallokation besser auf eine Mischung aus Aktien und festverzinslichen Wertpapieren setzen als auf vorübergehende Absicherungen.

Fazit
Wer ein Börsenspiel gewinnt, hat richtig spekuliert. Auch mit Dartpfeilen lassen sich über das Zufallsprinzip hervorragende Portfoliorenditen erzielen. Wer Absicherungen übermässig einsetzt, verliert die Tuchfühlung zu den langfristig überlegenen Renditechancen der Aktienmärkte. Der Weg zum langfristigen Aktienerfolg führt nur über ein strategisches Konzept, das wiederholbare Renditen ermöglicht. Dartpfeile mit diesem Anforderungsprofil müssten erst noch erfunden werden.

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