Neues Allzeithoch an den Börsen: Warnsignal oder Zeichen von Stärke?
Neue Allzeithochs verunsichern viele Anlegerinnen und Anleger. Die intuitive Reaktion ist oft dieselbe: Jetzt ist die Aktie teuer – jetzt kommt die Korrektur. Wir haben untersucht, ob dieses Bauchgefühl gerechtfertigt ist.
Wer Aktienmärkte verfolgt, sieht es aktuell fast täglich: Neue Allzeithochs. Immer wieder klettern einzelne Titel oder ganze Indizes auf neue Rekordstände. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung Schweizer Aktien zeigt: Allzeithochs sind kein seltenes Ausnahmeereignis, sondern ein wiederkehrendes Merkmal erfolgreicher Unternehmen.
Luca Liebi, Anlage-Experte, VZ VermögensZentrumEin Allzeithoch ist statistisch weder ein Warnsignal noch eine verlässliche Verkaufsmarke. Allzeithochs sind vielmehr Ausdruck einer nachhaltigen Stärke.
Allzeithochs sind die Regel, nicht die Ausnahme
Allein im laufenden Jahr 2026 wurden bis Ende April bereits rund 509 neue Allzeithochs bei SPI-Titeln verzeichnet.
Diese Häufigkeit spiegelt sich auch auf Ebene einzelner Titel. So verzeichnete Sika seit Januar 2000 nicht weniger als 401 Allzeithochs und Partners Group kommt auf 354. Immobiliengesellschaften wie Swiss Prime Site, PSP Swiss Property, Allreal oder Mobimo kommen ebenfalls auf dreistellige neue Höchststände. Diese Häufung von neuen Allzeithochs widersprechen einer weitverbreiteten Annahme: Wer bei einem Allzeithoch kauft, tut dies nicht automatisch «zu teuer». Vielmehr zeigen sie, dass neue Höchststände häufig Teil einer längeren Aufwärtsphase sind.
Die entscheidende Frage: Was passiert nach einem Allzeithoch?
Um diese Frage zu beantworten, haben wir alle Allzeithochs sämtlicher SPI-Titel (per 13.05.2026) seit dem Jahr 2000 ausgewertet und untersucht, wie sich die Aktien nach dem Erreichen eines neuen Rekordhochs entwickelt haben. Dabei wurde nicht nur ein einzelner Zeitpunkt, sondern mehrere Zeithorizonte betrachtet. Für jeden Zeithorizont weisen wir in der Grafik Minimum und Maximum von 200 Aktien und insgesamt 20'422 Allzeithochs aus.
Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Die Renditen nach einem Allzeithoch weisen eine grosse Spannweite auf. Einzelne Aktien verzeichneten in der Folge deutliche Kursrückgänge, andere hingegen sehr hohe Gewinne.
- Diese Spannweite ist klar asymmetrisch verteilt. Die maximal erzielten Gewinne sind deutlich grösser als die beobachteten Verluste.
- Die Wahrscheinlichkeit eines Kursanstiegs nimmt mit der Zeit zu. Sechs Monate nach Erreichen eines Allzeithochs war der Aktienkurs in 62 Prozent der Fälle höher. Im Mittel stieg der Kurs in den darauffolgenden 6 Monaten um 6,8 Prozent.
Fazit
Neue Allzeithochs lösen bei vielen Anlegern instinktiv Skepsis aus. Ein Rekordstand wird häufig als Zeichen dafür gewertet, dass eine Aktie «teuer» oder gar überbewertet ist. Die Auswertung der Schweizer Aktien zeigt jedoch, dass dieses Bauchgefühl in die falsche Richtung weist. Ein Allzeithoch ist statistisch weder ein Warnsignal noch eine verlässliche Verkaufsmarke. Allzeithochs sind vielmehr Ausdruck einer nachhaltigen Stärke.