Säbelrasseln an der ukrainischen Grenze
Die Unsicherheiten um einen möglichen Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine belasten die Anlegerstimmung. Dass die Finanzmärkte seit Jahresbeginn unter Druck sind, hat allerdings weniger mit den geopolitischen Risiken zu tun. Dafür ist die hartnäckig hohe Inflation und die sich abzeichnende geldpolitische Trendwende verantwortlich.
Kommt es zum Einmarsch oder nicht? Diese Frage beschäftigt die Anleger. Zumindest hat die vom amerikanischen Geheimdienst per 16. Februar erwartete Invasion nicht stattgefunden. Auf diplomatischer Ebene laufen weitere Gespräche und Russland spricht von ersten Truppenabzügen. Allerdings ist die Gemengelage sehr unübersichtlich und eine Eskalation weiterhin nicht auszuschliessen. Die Frage stellt sich: Wäre eine solche für die Finanzmärkte überhaupt relevant? Wirtschaftlich ist die Ukraine mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 155 Milliarden US-Dollar (im Vergleich dazu liegt das BIP der Schweiz bei rund 750 Milliarden) ein eher unbedeutender Player. Das Risiko bei einem offenen Konflikt liegt primär in der russischen Gasversorgung. Europa – und allen voran Deutschland – ist in hohem Masse von Erdgas aus Russland abhängig. Aufgrund der hohen Nachfrage und Lieferengpässen ist dessen Preis in den letzten Monaten bereits stark angestiegen. Dies treibt die Inflation und belastet das Portemonnaie der Konsumenten. Diese
Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer, RaiffeisenDie Abhängigkeit von Russland wird weiter steigen. Was auch immer in den kommenden Wochen passieren wird: In der aktuell unsicheren Lage sollten Anleger bei Neuengagements Vorsicht walten lassen.
Situation ist aktuell auch der grosse Trumpf von Wladimir Putin. Bei einem Einmarsch in die Ukraine muss er wohl nicht mit allzu grossen Sanktionen rechnen, denn die Europäer würde sich dabei selbst in Fleisch schneiden. Dass Deutschland Erdgas als Überbrückungsenergie auf dem Weg zu den Klimazielen sieht und kurz vor der Inbetriebnahme der Erdgaspipeline Nord Stream 2 steht, ist wohl Ironie des Schicksals. Die Abhängigkeit von Russland wird dabei weiter steigen. Was auch immer in den kommenden Wochen passieren wird: In der aktuell unsicheren Lage sollten Anleger bei Neuengagements Vorsicht walten lassen.
Ende der Geldschwemme
7.5% betrug die US-Inflation im Januar. Der Druck auf die Konsumentenpreise bleibt hoch. Klar ist, die US-Notenbank wird reagieren müssen. Im März steht eine erste Zinserhöhung an und damit wird die Zinswende eingeläutet. Diese ist für die Finanzmärkte eine Herausforderung – schliesslich hat die enorme Geldflut in den vergangenen Jahren zu einer starken Vermögenspreisinflation geführt. Sowohl die Anleihen- als auch die Aktienmärkte erhalten nun zunehmend Gegenwind. Bis die bewertungsmässigen Anpassungsprozesse abgeschlossen sind, ist mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen. Wir bleiben deshalb in unserer Anlagetaktik weiterhin leicht defensiv positioniert.
Durchzogene Jahreszahlen
Das SMI-Schwergewicht Nestlé hat am Donnerstag die Jahres- zahlen 2021 präsentiert. Der Umsatz stieg um 3.3% auf über 87 Milliarden Schweizer Franken. Darin sind auch diverse Devestitionen berücksichtigt. Organisch konnte der Konzern gar um 7.5% zulegen. Trotz insgesamt solidem Ergebnis kam die Aktie etwas unter Druck. Grund dafür waren Aussagen von CEO Mark Schneider, dass sich der Margendruck aufgrund der stark gestiegenen Rohstoffpreise im laufenden Jahr verschärfen wird. Ähnlich verlief es beim Lifthersteller Schindler. Auch hier lagen die Jahreszahlen im Rahmen der Erwartungen. Der Ausblick konnte allerdings nicht überzeugen. Die Aktie büsste über 5% an Wert ein.
Zurück zur Normalität
Auch die Schweiz kennt ihren «Freedom Day». Seit dem 17. Februar gilt hierzulande wieder so etwas wie Normalität. Praktisch sämtliche Massnahmen wurden aufgehoben. Konjunkturell sind die Auswirkungen überschaubar – die Wirtschaft hat sich den Umständen gut angepasst. Profitieren dürften die Gastronomie und der Tourismussektor. Wenig erstaunlich, dass im Swiss Performance Index (SPI) Valoren wie Dufry, Valora, Flughafen Zürich oder Bergbahnaktien zu den diesjährigen Gewinnern gehören.