Finanzkompetenz: Umfrage offenbart Vertrauensdefizit und starke Prägung durch das Elternhaus
Eine von Raiffeisen Schweiz durchgeführte, repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung zeigt: Finanzwissen, Vermögen und familiäre Prägungen sind entscheidend dafür, ob Menschen Geld anlegen. Gleichzeitig bestehen weit verbreitete Vorurteile gegenüber dem Anlegen. Viele sehen die Börse als Glücksspiel und vor allem Nichtanleger sind der Meinung, dass Geldanlagen nur etwas für Reiche sind.
Rund zwei Drittel der 1'506 befragten Personen gaben an, dass sie ihr Geld anlegen. Dabei zeigt sich auch, dass diejenigen Befragten, die ihr Geld anlegen, ihr Finanzwissen signifikant höher bewerten als Personen, die keine Anlagen besitzen. 77 Prozent haben sich das Finanzwissen selbst beigebracht – insbesondere ältere Personen, die sich mit höherem Alter und zunehmendem Vermögen vermehrt mit Finanzplanungs- und Vorsorgethemen beschäftigen. Eine Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass in der Schule mehr Finanzwissen gelehrt werden sollte. Nur 25 Prozent gaben an, dass ihnen in der Schule Finanzwissen vermittelt wurde und nur 22 Prozent der befragten Personen mit Kindern sind der Meinung, dass ihr Nachwuchs in der Schule Wissen zu Finanzthemen aufbaut.
Tashi Gumbatshang, Leiter Kompetenzcenter Vermögens- und Vorsorgeberatung, RaiffeisenWer über die Eltern frühzeitig mit Geldanlagen wie Fondssparplänen in Berührung kommt, investiert später auch eher selbst.
Kleine Beträge und grosse Vorurteile
Der Einstieg ins Anlegen wird gemäss der Umfrage durch Mythen und Wissenslücken gebremst. Bei der Einstellung zur Wirkung von kleinen Beträgen beim Anlegen zeigen sich beispielsweise grosse Unterschiede. 79 Prozent der Anleger sind überzeugt, dass sich Anlegen schon mit kleinen Beträgen lohnt. Unter den Nichtanlegerinnen und Nichtanlegern stimmen nur 39 Prozent dieser Aussage zu. Ein Fünftel aller Befragten ist der Meinung, dass Anlegen nur etwas für Reiche ist, rund die Hälfte hält die Börse für ein «Casino» oder rechnet mit Verlusten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Sogar Anleger haben begrenztes Vertrauen in die Börse. Nur 37 Prozent geben an, den Finanzmärkten zu vertrauen. Tashi Gumbatshang, Leiter Kompetenzcenter Vermögens- und Vorsorgeberatung von Raiffeisen Schweiz, erklärt: «Anlegen ist keine Hexerei. Es gibt Lösungen, die weder grosses Wissen noch ein hohes Einstiegsvermögen oder viel Aufwand bedingen. Wer die mentalen Barrieren überwindet und einen klaren Plan verfolgt, kann langfristig profitieren.»
Anlagepräferenzen prägen die nächste Generation
Wer selbst anlegt, schliesst auch häufiger Finanzprodukte für seine Kinder ab. Am verbreitetsten ist das Jugendsparkonto, das 63 Prozent der Anlegerinnen und Anleger für ihre Kinder eröffnet haben. Bei Nichtanlegerinnen und Nichtanleger sind es 54 Prozent. Weitaus tiefer ist dieser Anteil bei Anlageprodukten für Kinder: Immerhin zwölf Prozent der Anlegerinnen und Anleger haben für den eigenen Nachwuchs einen Fondssparplan abgeschlossen, unter den Nichtanlegerinnen und Nichtanlegern findet sich dagegen niemand, der das getan hat. «Kinder lernen durch Nachahmung. Wer über die Eltern frühzeitig mit Geldanlagen wie Fondssparplänen in Berührung kommt, investiert später auch eher selbst. Der jährliche Depotauszug ist beispielsweise eine gute Gelegenheit, um mit dem Nachwuchs über Investitionen zu sprechen und ihre Funktionsweise zu erklären», so Gumbatshang.
Eltern als Wegbereiter für Finanzkompetenz
Die Umfrage zeigt, dass Finanzkompetenz generell früh entsteht – und vor allem durch das Elternhaus geprägt wird. 70 Prozent der Befragten nennen die eigenen Eltern als wichtigste Vorbilder im Umgang mit Geld. Als meistgenutztes Mittel zur Wissensvermittlung schlägt das Taschengeld oben aus. Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, dass sie den Umgang mit Geld in ihrer Kindheit durch Taschengeld erlernt haben und 87 Prozent der Eltern nutzen diese Form, um ihren Kindern den Umgang mit Geld beizubringen. 66 Prozent der Eltern sprechen mit dem Nachwuchs über Geldanlagen. Insgesamt haben die Befragten hohe Erwartungen an neue Informationsmöglichkeiten und -kanäle zur Wissensvermittlung. 76 Prozent der Befragten mit Kindern sind überzeugt, dass ihre Kinder heute bessere Chancen haben, Finanzwissen zu erwerben, als sie selbst.