An der 26. UN-Klimakonferenz muss eine CO2-Steuer beschlossen werden

Mit Blick auf die 26. UN-Klimakonferenz der Vertragsparteien (COP26) geht es darum, die wichtigsten Ziele der Konferenz zu betrachten und konkrete Forderungen an die Politik zu formulieren, um bei der Bewältigung des Klimawandels Fortschritte zu erzielen.

Zum Abschluss der COP21 in Paris im Jahr 2015 haben sich die Regierungen verpflichtet, die weltweiten Treibhausgasemissionen erheblich zu senken. Seitdem haben viele Länder überarbeitete nationale Klimapläne vorgelegt, die ein neues Ziel von «Netto-Null-Emissionen» bis etwa Mitte des Jahrhunderts festlegen.

Das wichtigste Ziel ist zugleich das schwierigste: Bis Mitte des Jahrhunderts den globalen Netto-Nullpunkt erreichen und 1,5 Grad in Reichweite halten. Um es gleich vorwegzunehmen: 1,5 Grad sind derzeit nicht in Reichweite.

Colin Dryburgh, Investment Manager, Multi-Asset & Solutions, Aegon Asset Management

Der mittlerweile etablierte Begriff «Netto-Null-Emissionen» beschreibt den Punkt, an dem die Emissionen so weit wie möglich reduziert wurden und der verbleibende Rest durch die Entfernung von Emissionen aus der Atmosphäre ausgeglichen wird. Die USA, die EU, das Vereinigte Königreich, Japan und Südkorea haben sich verpflichtet, ihre Emissionen bis 2050 auf Null zu reduzieren. China hat sich verpflichtet, dies bis 2060 zu erreichen. Das sind grosse Ziele, doch man sollte beachten, was die Wissenschaft dazu sagt: Nach Angaben der UNO werden die weltweiten Emissionen nach den derzeitigen Plänen der Regierungen bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 12% im Vergleich zu 2010 zurückgehen. Dies steht in krassem Gegensatz zu der bis 2030 erforderlichen Emissionssenkung um 45%, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen zu können. Im Mai dieses Jahres schätzte Climate Action Tracker, dass in Anbetracht der Zusagen und Ziele der Regierungen eine Erwärmung von 2,4 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts durchaus realistisch ist, dass aber die bestehenden politischen Massnahmen in Wirklichkeit eine Erwärmung von 2,9 Grad ansteuert. Diese Zahlen sind, gelinde gesagt, alarmierend. Was kann getan werden?

Hier sind einige Vorschläge, was die politischen Entscheidungsträger auf der COP26 erreichen sollten:

  • Netto-Null ist kein kurzfristiges Ziel
    Alle Teilnehmer müssen anerkennen, dass Netto-Null grundsätzlich ein sehr langfristiges Ziel ist. Das Problem von langfristigen Zielen ist dabei, dass sie ein Gefühl der Bequemlichkeit vermitteln können, was wiederum die scheinbare Notwendigkeit oder gar Dringlichkeit für sofortiges Handeln verringert.
  • Einigung auf bessere Bedingungen zur Senkung weltweiter Emissionen
    Die politischen Entscheidungsträger müssen sich auf bessere Rahmenbedingungen einigen, um die globalen Emissionen aggressiv zu senken. COP26 wird mehr als 190 Länder umfassen – eine Grösse, die den Diskurs erschweren könnte. Die fast unvermeidliche Folge von Verhandlungen mit so vielen Parteien ist oftmals Stillstand, gefolgt von unambitionierten Vereinbarungen in letzter Minute. Ein Vorschlag, um die Wahrscheinlichkeit besserer Ergebnisse zu erhöhen, ist in kleinen Gruppen zu verhandeln. Auf die fünf grössten Emissionsländer der Welt plus die EU entfallen etwa zwei Drittel der weltweiten Emissionen. Verhandlungen in einer kleineren Gruppe wie dieser sollten die Wahrscheinlichkeit eines Stillstands verringern und somit die Wahrscheinlichkeit eines besseren Ergebnisses erhöhen und es den grösseren Ländern/Emittenten ermöglichen, mit gutem Beispiel voranzugehen.
  • Kurzfristige Umsetzung ehrgeizigerer Pläne
    Die politischen Entscheidungsträger sollten sich auf ehrgeizigere Pläne einigen, die in naher Zukunft umgesetzt werden können. So entfallen beispielsweise fast drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Energienutzung in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie, und die Massnahmen, die in jedem dieser Bereiche ergriffen werden müssen, sind bereits gut bekannt. Die Wissenschaft ist sich darüber im Klaren, dass Tempo in diesem Fall von beachtlicher Bedeutung ist. Je schneller die Emissionen gesenkt werden, desto besser.

Letztendlich müssen die Teilnehmer der COP26-Mechanismen zur Bepreisung von CO2 entwickeln. Dabei gibt es zwei Hauptansätze:

Zum einen gibt es die Möglichkeit einer CO2-Steuer, bei der die Emittenten einen festen Satz pro Tonne CO2-Emissionen zahlen. Dies schafft einen finanziellen Anreiz für Unternehmen, Massnahmen zur Emissionssenkung zu ergreifen. Dieser Ansatz bietet Gewissheit über den Preis der Steuer, aber weniger Gewissheit über das Ausmass der Emissionsreduzierung.

Eine andere Option ist ein Emissionshandelssystem (ETS), das auch als Cap-and-Trade-System bezeichnet wird. Die Regierungen vergeben oder versteigern eine bestimmte Menge an CO2-Genehmigungen oder Zertifikaten. CO2 kann nur von Unternehmen produziert werden, die über genügend Berechtigungen verfügen. Unternehmen mit geringeren Emissionen haben die Möglichkeit, Zertifikate an Unternehmen mit höheren Emissionen zu verkaufen, wobei genau diese bestimmen den Preis der Emissionsrechte bestimmen. Die Regierungen reduzieren die Menge der im Umlauf befindlichen Zertifikate im Laufe der Zeit, was wiederum zu einer Verringerung der CO2-Emissionen führt. Dieser Ansatz ermöglicht es den Verursachern, ihre Emissionen flexibel und zu den geringstmöglichen Kosten zu reduzieren. Er bietet Gewissheit über die Höhe der Emissionsreduzierung, aber nicht über den Preis. Die Weltbank schätzt, dass nur 13% der jährlichen Treibhausgasemissionen durch Kohlenstoffpreissysteme abgedeckt werden, so dass hier noch erheblicher Spielraum für eine Steigerung besteht.

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