Globaler Regulierungsindex zeigt deutliche Verschiebungen – EU holt auf, Schweiz rutscht auf Platz 7 ab

In der aktuellen Ausgabe des «Global Financial Regulation, Transparency, and Compliance Index» (GFRTCI), welcher vom Swiss Finance Institute (SFI) zum dritten Mal in Folge herausgegeben wird, zeigen sich deutliche Verschiebungen im Ländervergleich. In der finalen Indexberechnung liegt die Schweiz auf Platz 7 (Platz 1 in 2020 und Platz 4 in 2021), knapp hinter Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Irland und Frankreich. Grossbritannien musste den grössten Abstieg in der Rangliste hinnehmen, von Platz 6 im Jahr 2021 auf Platz 15 im Jahr 2022.

In den letzten Jahrzehnten ist die Finanzregulierung umfassender, komplexer und globaler geworden. Auf der einen Seite sind die sich ständig weiterentwickelnden Regelwerke des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II, Basel III und nachfolgende Anpassungen), die manchmal von zusätzlichen nationalen «Finishes» begleitet werden (in der Schweiz z.B. der sogenannte «Swiss Finish»). Auf der anderen Seite wurden verschiedene Standards zu Themen wie Transparenz, Korruption, Geldwäscherei und Datenaustausch vorgeschlagen, gefordert oder eingeführt. Diese Regeln und Standards werden in der Regel von supranationalen Organisationen, NGOS oder Think Tanks, die verschiedene Interessengruppen vertreten, erstellt oder vorgeschlagen. Die einzelnen Länder können dann eine Übernahme in ihre nationalen Gesetze erwägen. Vorbehaltlich unterzeichneter internationaler Verträge haben die einzelnen Finanzplätze damit einen gewissen Spielraum, ob, wann und wie sie diese Regeln und Standards implementieren und in welchem Umfang sie diese durchsetzen wollen.

Unter den 31 Finanzplätzen, die im Regulierungsindex erfasst sind, rangiert die Schweiz nach Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Irland und Frankreich nach wie vor im Spitzenfeld.

Christoph Basten, SFI-Professor, Universität Zürich

Dr. Markus P.H. Bürgi, CFOO des Swiss Finance Institute erklärt: «Vor dem geschilderten Hintergrund haben wir über die letzten drei Jahre einen nachvollziehbaren und verständlichen Regulierungsindex etabliert, der verschiedene Länder bzw. Finanzplätze hinsichtlich der Übernahme, der Einhaltung und der Durchsetzung bezüglich globaler Standards für Finanzregulierung, Transparenz und Compliance bewertet und einordnet.» Besagter Regulierungsindex wurde dabei als Meta-Index konstruiert, der auf öffentlichen Daten aus bestehenden Rankings, Indizes sowie Forschungsstudien basiert. «Der Global Financial Regulation, Transparency, and Compliance Index (GFRTCI) zeigt eine aussagekräftige Stärken- und Schwächen-Analyse verschiedener Länder hinsichtlich ihrer Regulierungsstandards und stellt dieses in einen direkten Vergleich mit den aktuell regulatorischen Rahmenbedingungen des Schweizer Finanzplatzes», ergänzt Swiss Finance Institute Adjunct Professor Alfred Mettler. Zusammen mit den Swiss Finance Institute Professoren Steven Ongena und Christoph Basten von der Universität Zürich gehört er zum Kernteam der Index-Architekten.

«Wie sich zeigt, hat die EU bei der Umsetzung der Vorschriften des Basler Komitees (BCBS) deutliche Fortschritte erzielt», konstatiert Professor Steven Ongena. «Unter den 31 Finanzplätzen, die im Regulierungsindex erfasst sind, rangiert die Schweiz nach Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Irland und Frankreich nach wie vor im Spitzenfeld», führt Professor Christoph Basten weiter aus. Bemerkenswert ist auch der Umstand, dass Grossbritannien den grössten Abstieg in der Rangliste hinnehmen musste, nämlich von Platz 6 im Jahr 2021 auf den aktuell 15. Platz, was die Autoren klar auf den Brexit-Entscheid Grossbritanniens im Jahr 2020 zurückführen.

Die detaillierte Public Discussion Note des SFI zum diesjährigen «Global Financial Regulation, Transparency, and Compliance Index» (GFRTCI) findet sich hier.

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