Globale Asset-Management-Industrie wächst auf 147 Billionen US-Dollar – Schweizer Markt legt um 5% zu
Das weltweit verwaltete Vermögen (Assets under Management, AuM) stieg im Jahr 2025 um 11% auf 147 Billionen US-Dollar. Die Margen der Asset-Management-Unternehmen blieben stabil bei über 30%. Trotz dieser starken Kennzahlen steht die globale Branche vor einem strukturellen Wendepunkt. Denn das Umsatzplus beruht zu 80% auf positiven Marktentwicklungen, während nachhaltige Nettozuflüsse nur einen begrenzten Beitrag leisten. Gleichzeitig kann Künstliche Intelligenz die notwendige Transformation vorantreiben. Das sind Ergebnisse des jährlichen Global Asset Management Report, den die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) in 24. Ausgabe unter dem Titel «An Imperative for Growth» veröffentlicht hat. Die vergangenen Jahre haben von starken Märkten gelebt – das wird so nicht bleiben. «Entscheidend ist künftig nicht mehr das Wachstum des Marktes, sondern die Fähigkeit, Kapital aktiv zu gewinnen», sagt Johannes Burkhardt, Partner bei BCG und Co-Autor der Studie.
Der Schweizer Asset-Management-Markt verzeichnete 2025 ein Wachstum der verwalteten Vermögen von 5% auf 2,5 Billionen US-Dollar. Die Schweiz ist der 6. grösste Asset-Management-Markt in Europa und wuchs etwas weniger stark als der europäische Durchschnitt (7%). Institutionelle Investorinnen und Investoren bleiben mit 75% der AuM die grösste Kundengruppe. Retail Anlagefonds/ETFs, die 85% des Retail-Sektors ausmachen, verzeichneten ein zweistelliges Wachstum.
Kapital kommt aus neuen Quellen – und über neue Wege
BCG identifiziert mehrere hochdynamische strukturelle Veränderungen, die die Branche betreffen. So stammen zwischen 2020 und 2025 durchschnittlich 61% des weltweiten Wachstums der AuM von privaten Anlegern. Dabei entwickelte sich das Marktumfeld regional unterschiedlich: Den stärksten jährlichen Zuwachs verzeichnete der Asien-Pazifik-Raum mit rund 9%, getragen von starken Nettozuflüssen. Auch der Umbau der Altersvorsorgesysteme verändert die globalen Vermögensströme: Mit der Verlagerung von leistungs- hin zu beitragsorientierten Modellen wird Kapital nicht mehr über wenige institutionelle Programme gebündelt, sondern zunehmend von einzelnen Anlegern selbst investiert. Zudem gewinnen neue Zugangswege an Bedeutung – etwa mobile Bezahldienste, digitale Broker-Apps (sogenannte Neobroker) und soziale Medien, über die Privatanleger heute einfacher und direkter in die Kapitalmärkte einsteigen können als zuvor.
Johannes Burkhardt, Partner bei BCG und Co-Autor der StudieKünstliche Intelligenz wird zum entscheidenden Hebel – aber nur für diejenigen, die ihr Geschäftsmodell konsequent darauf ausrichten.
Gleichzeitig entwickelt sich der Wettbewerb innerhalb der Asset-Management-Branche heterogen. Bei passiven Produkten wie Exchange Traded Funds (ETFs) und Indexfonds konzentrieren sich die Zuflüsse in den USA stark auf wenige Anbieter: Die zehn grössten Häuser vereinen seit Jahren mehr als 90% des Nettoneugeschäfts auf sich. Auch in den sogenannten Private Markets, also nicht börsengehandelten Anlagen wie Private Equity oder Infrastruktur, bündeln sich Mittel verstärkt bei grossen, etablierten Playern. Bei aktiven Strategien nimmt die Konzentration hingegen ab: Hier verteilt sich das Kapital auf eine wachsende Zahl von Anbietern.
Profitabilität gerät strukturell unter Druck
Der steigende Wettbewerbsdruck wirkt sich zunehmend auf die Profitabilität der Branche aus. Zwar sind die AuM in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, doch die Erträge entwickeln sich weniger dynamisch: Zwischen 2010 und 2025 legten die Umsätze laut BCG-Studie jährlich um 5,1% zu, gleichzeitig sind die Kosten mit 5,4% pro Jahr noch schneller gestiegen. Wachsende Investitionen in Technologie und Infrastruktur erhöhen zudem die Kostenbasis – mehr Volumen führt damit nicht mehr automatisch zu höherer Profitabilität. Überdies geraten auch die Managementgebühren zunehmend unter Druck: Im institutionellen Geschäft sind sie seit 2010 durchschnittlich um rund 3% pro Jahr gesunken. Hinter diesen Entwicklungen stehen drei strukturelle Verschiebungen, die die Kapitalflüsse langfristig neu ordnen. Erstens der Generationenwechsel: In den kommenden Jahrzehnten werden allein in den USA Vermögenswerte in Höhe von rund 124 Billionen US-Dollar übertragen – an eine neue, digital geprägte Investorengeneration mit veränderten Erwartungen und Zugangswegen. Zweitens verändern sich die globalen Spar- und Anlagemuster grundlegend, wodurch Kapital zunehmend breiter gestreut und individueller investiert wird. Drittens führen geopolitische Unsicherheiten zu einer stärkeren regionalen Diversifikation und zu einem immer kleinteiligeren globalen Kapitalmarkt. «Wir sehen hier keine kurzfristige Phase, sondern eine strukturelle Neuverteilung von Kapital», erklärt Studienautor Burkhardt. «Wer die neuen Kapitalquellen und Zugangswege nicht systematisch adressiert, wird langfristig Marktanteile verlieren.»
Der Wettbewerb wird im Vertrieb entschieden
Der Schlüssel für zukünftigen Erfolg liegt im Vertrieb. Produktqualität allein reicht nicht mehr aus, um Kapitalzuflüsse zu sichern – entscheidend ist der direkte Zugang zum Kunden. Plattformen, digitale Anbieter und andere Intermediäre übernehmen zunehmend die Rolle von Gatekeepern und bestimmen, welche Produkte Sichtbarkeit und Reichweite erhalten. Zudem wachsen Asset- und WealthManagement immer enger zusammen: Asset-Manager rücken näher an den Endkunden heran, während Vermögensverwalter eigene Investmentkompetenzen aufbauen. Die Studie zeigt aber auch: Viele bestehende Vertriebsmodelle sind immer noch stark fragmentiert, wenig datengetrieben und nur begrenzt skalierbar. Künstliche Intelligenz kann die notwendige Branchentransformation vorantreiben. Nach BCG-Erkenntnissen lassen sich durch den gezielten Einsatz von KI-Kostensenkungen von bis zu 35% realisieren und Prozesse im Vertrieb sowie im Research um ein Vielfaches skalieren. So können etwa im Kundenmanagement bis zu 50% zusätzlicher Kapazitäten für wertschöpfende Tätigkeiten freigesetzt werden, in Operations-Bereichen lassen sich Effizienzgewinne von bis zu 40 % erzielen. Damit wird Wachstum zunehmend von Ressourcen entkoppelt und neue Skaleneffekte werden möglich.
Distribution und Technologie zusammen denken
Voraussetzung dafür ist jedoch ein grundlegender Umbau der Operating-Modelle sowie eine integrierte Datenbasis, die den Einsatz von KI entlang der gesamten Wertschöpfung ermöglicht. BCG-Partner Burkhardt ist sich sicher: «c»