Zwischen Raketen und Renditen liegt manchmal nur eine Pistazie

Seit der Iran im März 2026 ein vollständiges Exportverbot für landwirtschaftliche Erzeugnisse verhängt hat, werden Pistazien auf den Weltmärkten spürbar teurer. Als drittgrösster Pistazienproduzent der Welt mit einem Anteil von knapp 20 Prozent an der globalen Produktion hinterlässt das Land eine empfindliche Lücke. Europa, das wichtigste Abnehmergebiet iranischer Pistazien, sucht nun nach alternativen Bezugsquellen.

Rund 90 Prozent der iranischen Pistazienproduktion gehen in den Export, der Löwenanteil davon nach Europa. Das Wegbrechen dieses Angebots trifft Importeure und Verarbeiter zu einem Zeitpunkt, da weltweite Lagerbestände begrenzt sind. Analysten rechnen mit einem deutlichen Preisanstieg, solange der Konflikt andauert und iranische Lieferungen ausbleiben.

Über Pistazien hinaus geraten weitere Agrarmärkte unter Druck.

Martin Davies, Global Head of Nuveen Natural Capital

Der Angebotsschock bei Pistazien fügt sich in ein breiteres Bild von Verwerfungen auf den Agrarmärkten ein: Seit Beginn des Kriegs zwischen den USA und dem Iran ist der globale Düngemittelpreis um rund 50 Prozent gestiegen, der Ölpreis kletterte von 73 auf über 115 US-Dollar pro Barrel. Für Nahrungsmittelproduzenten und Händler weltweit bedeutet das steigende Kosten auf breiter Front.

Abb. 1: Weltweite Pistazienproduktion (Tonnen nach Anbauregion, 2016–2025)


Als weltgrösster Pistazienproduzent sind die USA in einer günstigen Ausgangslage. Kalifornische Erzeuger dürften den wachsenden Bedarf europäischer Abnehmer, die ihre Lieferketten rasch umstellen müssen, in erheblichem Mass decken können. Höhere Weltmarktpreise verbessern gleichzeitig die Margen amerikanischer Produzenten.Historische Daten zeigen, dass der US-Agrarlandindex in Phasen hoher Ölpreise eine überdurchschnittliche Rendite von 15,4 Prozent erzielte, gegenüber einem langfristigen Jahresdurchschnitt von 10,0 Prozent.

Nahrungsmittelmärkte im Stresstest
Über Pistazien hinaus geraten weitere Agrarmärkte unter Druck. Der Nahe Osten liefert rund ein Drittel der weltweit gehandelten Düngemittel. Mit der weitgehenden Sperrung der Strasse von Hormus für den Schiffsverkehr sind globale Lieferketten für Stickstoff, Ammoniak und Phosphat zum Erliegen gekommen. Länder wie Australien und Brasilien, die stark von Düngemitteln aus der Region abhängen, sehen sich mit erheblichen Versorgungsrisiken konfrontiert. Bislang haben gut gefüllte weltweite Lagerbestände stärkere Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Soja verhindert. Hält der Konflikt an und kommt ein zusätzlicher Angebotsschock hinzu, könnte sich das Bild jedoch rasch ändern.

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