Reich bleiben in unsicheren Zeiten: Diversifizieren, abwarten, KI kaufen
Gemäss einer aktuellen Umfrage oder UBS plant ein Grossteil der Family Offices vor dem Hintergrund eines komplexeren globalen Anlageumfeld, strategische Portfolioanpassungen. Im Fokus stehen eine stärkere Diversifizierung über verschiedene Währungen hinweg und höhere Investitionen in künstliche Intelligenz. Nichts Neues möchte man meinen, dennoch lohnt sich ein Blick auf die regionalen Unterschiede.
Auf Basis der Einschätzungen von 307 Family Offices aus über 30 Märkten mit einem durchschnittlichen Nettovermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar zeigt der «Global Family Office Report 2026»: Family Offices setzen zunehmend auf Resilienz, Diversifizierung und langfristige thematische Anlagechancen, um sich auf anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheit vorzubereiten.
Unvorhersehbares globales Umfeld
Geopolitische Konflikte gelten kurz- und langfristig als grösste Risiken. Gleichzeitig nehmen die Sorgen über globale Verschuldung und mögliche Rezessionen zu. Als Reaktion darauf sind Family Offices mittelfristig vorsichtiger: Sie priorisieren Diversifizierung über Anlageklassen, Währungen und Regionen hinweg, statt abrupte Umschichtungen vorzunehmen. «Der Bericht zeigt, dass Family Offices ihre Portfolios weiterhin auf besonnene Weise anpassen. Sie diversifizieren über Anlageklassen, Währungen und Regionen hinweg und halten zugleich an langfristigen Themen wie künstlicher Intelligenz fest, wenn auch mit grösserer Selektivität», sagt Benjamin Cavalli, Head of Strategic Clients & Global Connectivity im Global Wealth Management der UBS. «Viele erwägen, ihr Engagement im US-Dollar zu reduzieren oder regional stärker zu diversifizieren. Dennoch machen nordamerikanische Anlagen weiterhin den grössten Anteil der Allokationen aus.»
Benjamin Cavalli, Head of Strategic Clients & Global Connectivity, UBSFamily Offices diversifizieren über Anlageklassen, Währungen und Regionen hinweg und halten zugleich an langfristigen Themen wie künstlicher Intelligenz fest, wenn auch mit grösserer Selektivität.
Zum ersten Mal wollen 60% der Family Offices in den kommenden 12 Monaten ihre strategische Asset-Allokation anpassen. Das ist der höchste Wert, den UBS im Rahmen des Global Family Office Reports bisher erfasst hat. Entwickelte Märkte bilden weiterhin das Rückgrat der Portfolios, doch Investitionen verschieben sich schrittweise in Richtung Aktien aus Schwellenländern und alternative Anlagen wie Infrastruktur. Zugleich wird das Engagement in Immobilien reduziert. Insgesamt setzen Family Offices bei der Diversifizierung eher auf gezielte Anpassungen. Das entspricht einer disziplinierten und langfristig orientierten Anlagephilosophie. Der Bericht zeigt eine deutliche Verschiebung bei der Positionierung von Währungen. 65% der Family Offices erwarten, dass das Vertrauen in den Status des US-Dollars als Reservewährung sinkt, und bewerten ihr Engagement in US-Dollar lautenden Anlagen neu. Mehr Family Offices führen deshalb Strukturen ein, die sich auf mehr als eine Währung stützen. Hierbei gelten der Euro und der Schweizer Franken als bevorzugte Alternativen. Geografisch entfällt der grösste Teil der Anlagen weiterhin auf Nordamerika. Gleichzeitig versuchen Family Offices aktiv, Konzentrationsrisiken zu verringern und planen ihr Engagement in Asien-Pazifik, Grossraum China und Westeuropa auszubauen. Dieser Schritt zeigt einen strukturellen Wandel hin zu stärkerer regionaler Diversifizierung.
Führendes Anlagethema
Künstliche Intelligenz (KI) bleibt weltweit das führende Anlagethema. 65% der Family Offices haben bereits entlang der gesamten Wertschöpfungskette investiert, darunter in Rechenzentrumsinfrastruktur, Softwareplattformen und Halbleiterhersteller. Trotz Bedenken zu den aktuellen Aktien-Bewertungen planen Family Offices, ihr Engagement beizubehalten oder auszubauen, wobei sie Chancen mit Resilienz verbinden.
Yves-Alain Sommerhalder, Head of Global Wealth Management Solutions, UBSKünstliche Intelligenz bleibt das prägende Anlagethema dieses Jahrzehnts.
«Künstliche Intelligenz bleibt das prägende Anlagethema dieses Jahrzehnts», sagt Yves-Alain Sommerhalder, Head of Global Wealth Management Solutions in der UBS. «Family Offices gehen das Thema sowohl mit Überzeugung als auch mit Selektivität an und suchen nach Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wobei sie langfristiges Wachstumspotenzial und Risikodisziplin in Einklang bringen.» Dem Bericht zufolge investieren Family Offices in Energie und Rohstoffe (37%), Infrastruktur (37%) und KI-gestützte Gesundheitsversorgung (33%). Sie erkennen damit das breitere Ökosystem an, das notwendig ist, um die Verbreitung von KI zu unterstützt und auszuweiten. Im Gegensatz dazu bleiben Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte eine Nischenanlage, in die nur 24% der Family Offices investieren, meist im niedrigen einstelligen Bereich. Unter den investierten Family Offices sind die Allokationen zwar üblicherweise moderat, etwa bei rund 1%, doch betrachten inzwischen 44% Kryptowährungen als Teil ihrer strategischen Vermögensallokation.
Kritische Lücken bei der Nachfolge
Während Family Offices ihre Investitionsgeschäfte weiter professionalisieren, zeigt der Bericht anhaltende Lücken in Governance, Nachfolgeplanung und der Einbindung der nächsten Generation. Daraus können langfristige Kontinuitätsrisiken entstehen. Operativ haben viele Family Offices inzwischen institutionelle Standards eingeführt: 68% verfügen über formale Prozesse zur Messung der finanziellen Performance, 60% nutzen Anlageausschüsse, und mehr als die Hälfte arbeitet mit strukturierten Budgetierungsprozessen, was ein steigendes Mass an Systematik und Aufsicht zeigt. Dieser Fortschritt fällt jedoch uneinheitlich aus. Weniger als die Hälfte der Family Offices hat formale Governance-Strukturen mit Aufsicht auf Vorstandsebene eingeführt, und nur 35% verfügen über einen definierten Nachfolgeplan für das Family Office selbst. Noch grösser ist die Lücke mit Blick auf die nächste Generation. Nur 27% nutzen einen strukturierten Prozess, um ihre Erben auf zukünftige Rollen vorzubereiten. Gleichzeitig nennen 29% unzureichende Finanz- oder Governance-Kenntnisse als Herausforderung bei der Einbindung der nächsten Generation. Infolgedessen bleibt ein erheblicher Anteil der Familienmitglieder der nächsten Generation, die als alt genug für eine Mitwirkung gelten, von Entscheidungsprozessen im Family Office ausgeschlossen. Das zeigt eine Diskrepanz zwischen Absicht und Umsetzung. Der Mangel an Vorbereitung ist besonders relevant angesichts des Umfangs des generationsübergreifenden Vermögenstransfers, der in den kommenden Jahrzehnten erwartet wird und bei der Billionenerträge zwischen Generationen wechseln dürften. Gleichzeitig gibt es Anzeichen für Fortschritte. Viele Family Offices planen, Finanzbildungsprogramme auszubauen, die nächste Generation in Anlageausschüssen einzubinden und sie in philanthropische und unternehmerische Projekte zu integrieren. Das zeigt eine schrittweise Entwicklung hin zu klareren und offeneren Nachfolgestrategien.
Die regionalen Schwerpunkte im Detail: