Alzheimer: Es zeigt sich jenseits der grossen Pharmakonzerne Licht am Horizont

Mit Investitionen in den Gesundheitssektor können Investoren ihr Portfolio auf die Herausforderungen der Zukunft ausrichten. Die Forschung auf dem Gebiet der Alzheimer-Krankheit entwickelt sich rasant – und Anleger können partizipieren, denn die Zulassung der ersten krankheitsmodifizierenden Substanzen zur Behandlung von Alzheimer könnte der Beginn einer neuen Ära sein und bietet interessante Anlageoptionen jenseits der grossen Pharmakonzerne.

Die Alzheimer-Krankheit (AD) ist eine der grössten Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft. Trotz enormer Bemühungen in den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer als äusserst schwierig erwiesen. So hat die Zulassung der ersten krankheitsmodifizierenden Wirkstoffe Aduhelm (von Biogen) und Leqembi (von Eisai) zur Behandlung der Krankheit in der Fachwelt für grosse Aufregung gesorgt. Die klinischen Daten dieser beiden Wirkstoffe sowie die jüngsten Ergebnisse eines dritten Präparats, des Wirkstoffs Donanemab von Lilly, könnten der Beginn einer neuen Ära sein, in der es endlich Möglichkeiten geben könnte, den Verlauf der Krankheit zu beeinflussen.

Ein Katalysator zur Förderung neuer Forschung – mit interessanten Investitionsmöglichkeiten
Da die meisten klinischen Studien zur Alzheimer-Krankheit keinen Wirksamkeitsnachweis erbrachten, konnten neue Medikamente nicht auf den Markt gebracht werden. Die Zulassung des Medikaments Aduhelm (Aducanumab) von Biogen durch die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) 2021 war ein wichtiges Signal. Doch der Optimismus in Hinblick auf die neue Therapie war nur von kurzer Dauer und schwand 2022, als die US-Behörde Centers for Medicare & Medicaid Services beschloss, die Kostenerstattung für das Präparat auf Patienten zu beschränken, die an den klinischen Studien teilnehmen, die zur Bestätigung des Wirksamkeits- und Sicherheitsprofils erforderlich sind.

Die zunehmende Komplexität der Alzheimer-Krankheit spiegelt sich allmählich in der Forschungs- und Entwicklungspipeline wider, und mit der Weiterentwicklung von Biomarkern werden sich völlig neue Möglichkeiten für die Behandlung von Patienten und die Entwicklung von Medikamenten ergeben.

Pascal Mischler, CEO, Kieger

Einige Monate später gab es erneut Grund zum Optimismus. Die FDA genehmigte das zweite krankheitsmodifizierende Medikament, Leqembi, und es scheint ein Konsens darüber zu bestehen, dass die Zulassung von Leqembi einer der grössten Meilensteine für die Behandlung von Alzheimer seit Jahrzehnten ist. Dieser Durchbruch fungiert als Katalysator für neue Forschungsaktivitäten, gibt die Richtung vor und bildet die Grundlage für Kombinationsstudien. In der CLARITY-AD-Studie hat Lecanemab (Leqembi) die primären und alle wichtigen sekundären Endpunkte erreicht und damit seine Wirksamkeit bewiesen. Die Studie, an der 1’795 Patienten im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit teilnahmen, zeigte statistisch hoch signifikante Ergebnisse: Das Fortschreiten der Krankheit wurde um 27% (CDR-SB) reduziert. Die Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit bedeutet mehr Zeit in weniger schweren Stadien der Krankheit. Doch auch hier bestehen durch Nebenwirkungen gewisse Unsicherheiten. Aber auch hier besteht noch eine gewisse Unsicherheit, denn Lequembi hat auch Nebenwirkungen. Die gravierendste Nebenwirkung von Leqembi ist die so genannte ARIA (Ödeme und/oder Blutungen im Gehirn). Der richtige Ansatz im Umgang mit ARIA wird darüber entscheiden, wie gut das Medikament auf dem Markt angenommen wird. Kürzlich gab Eli Lilly positive Ergebnisse der klinischen Studie Trailblazer-ALZ 2 bekannt, die zeigen, dass Donanemab, ein Prüfpräparat zur Bekämpfung von Amyloid-Plaques, den kognitiven und funktionellen Rückgang bei Menschen mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit um 35% verlangsamt hat. Die negative Nebenwirkung ARIA ist auch bei dieser Therapie ein Problem.

Erschliessung neuer Behandlungsmöglichkeiten und Medikamentenentwicklung
Die zunehmende Komplexität der Alzheimer-Krankheit spiegelt sich allmählich in der Forschungs- und Entwicklungspipeline wider, und mit der Weiterentwicklung von Biomarkern (vor allem im Blut) werden sich völlig neue Möglichkeiten für die Behandlung von Patienten und die Entwicklung von Medikamenten ergeben. Während in der Phase 3 immer noch die Amyloid-Plaques im Mittelpunkt stehen, konzentrieren sich die Pipelines der Phase 2 (82 Medikamente) auf eine Vielzahl von Mechanismen wie Tau-Tangle-Targeting, Entzündung, Neurotransmission, Stoffwechsel, Vaskularisierung, um nur einige zu nennen. Um nur einen Bereich besonders hervorzuheben: GLP-1-Wirkstoffe (die heute überall in der Presse als Mittel gegen Übergewicht und Diabetes genannt werden) haben das Potenzial für erhebliche entzündungshemmende Wirkungen bei der Alzheimer-Krankheit. Alzheimer ist sehr komplex. Dennoch hat es den Anschein, als würden wir bald grosse Fortschritte sehen. Der aktuelle Stand bzw. die jüngsten Entwicklungen erinnern uns an die Anfänge der Immunonkologie in den Jahren 2012 bis 2013. Nach jahrzehntelangem Scheitern haben die ersten erfolgreichen PD-1-Studien die Entstehung einer ganz neuen Disziplin bei den zugelassenen Krebsmedikamenten ausgelöst. Das ist sowohl für die Patienten und ihre Familien als auch für die Investoren interessant.

Für aktive Anleger mit Fokus auf dem Gesundheitssektor bietet der Bereich Alzheimer-Krankheit mittlerweile interessante Anlagemöglichkeiten jenseits der grossen Pharmakonzerne. Ein tiefes Verständnis der Materie und der Wettbewerbslandschaft ist in der Tat eine Voraussetzung, um solche Chancen zu nutzen und von ihnen zu profitieren.