Wie die alte Dame der bargeldlosen Zahlungsmittel von den Banken ausgepresst wird

Was in anderen Ländern dieser Erde undenkbar ist, ist in der Schweiz Realität. Inhaber von Kreditkarten zahlen den Kartenherausgebern eine stolze Jahresgebühr. Abhängig vom gewünschten Kartenstatus (Silber, Gold oder Platin) können das mehrere hundert Franken im Jahr ausmachen. Gut, gibt es da noch die Debitkarte, möchte man meinen.

Kredit-Kartenherausgeber, auch Issuer genannt, kassieren bekanntlich gleich in mehrfacher Hinsicht ab. Zuerst beim Karteninhaber, wobei die jährliche Kartengebühr noch der kleinere Teil ist. Kostenmässig deutlich mehr ins Gewicht fallen die monatlichen Zinszahlungen auf die in Anspruch genommene Kreditsumme. Von den unattraktiven Devisenkursen auf den Bezug von Fremdwährungen am Geldautomaten – einer weiteren, überaus ergiebigen Einnahmequelle – einmal ganz zu schweigen. Auch der Handel, im Fachjargon als Akzeptanzstelle bezeichnet, wird über die sogenannten Transaktionsgebühren zur Kasse gebeten. Diese sind branchen- und umsatzabhängig. Zuständig hierfür sind die sogenannten Kreditkarten-Aquirer, die den Handel über die notwendigen Karten-Terminals an das Kredit- oder Debit-System anschliessen.

Die Debitkarte soll es richten
Für jeden mit der Kreditkarte getätigten Kauf muss ein Geschäftsinhaber eine Gebühr entrichten. Das sind im einzelnen Kleinbeträge; sie summieren sich aber am Ende des Tages auf ein beträchtliches Volumen. Unter dem Strich ein tolles Geschäft für die Kreditkartenherausgeber – gerade auch in Pandemie-Zeiten, die den Onlinehandel zusätzlich beflügelt haben. Nun ist es so, dass der Kreditkartenmarkt in der Schweiz gesättigt ist. Das Ertragswachstum mit dem Einkauf auf Pump ist endlich. Eine neue Idee musste her. Und siehe da. Die Kartenherausgeber haben sich auf die alte Dame der bargeldlosen Zahlungsmittel besonnen.

In der Realität dürften die höheren Gebühren mittelfristig wohl über versteckte Preisanpassungen auf die Konsumenten abgewälzt werden.

The Onliner

Die Rede ist von der Debitkarte, auch bekannt als Maestro- oder kurz EC-Karte. Das Gute daran? So ziemlich jeder Bankkunde hat eine. Überzeugungsarbeit muss von den Kartenherausgebern, den Banken, keine mehr geleistet werden. Ein weiterer Pluspunkt ist der Umstand, dass auch für Zahlungen mit der Debitkarte Transaktionsgebühren erhoben werden. Sie sind im Vergleich mit der Kreditkarte allerdings deutlich tiefer – zumindest waren sie das bis vor kurzem. Und genau da setzt die Branche jetzt den Hebel an.

Die Zeche zahlen am Schluss die Karteninhaber
Die neue Debitkarte für Herr und Frau Schweizer wurde aufgepeppt. Nebst dem schon länger verfügbaren Feature des kontaktlosen Zahlens – zweifelsohne eine praktische Funktionalität – ist sie jetzt auch für den Online-Handel tauglich gemacht worden und im elektronischen Wallet auf dem Handy einsetzbar. Sie ersetzt somit quasi die Kreditkarte. Eigentlich eine gute Sache, wären da nicht deutlich höheren Transaktionsgebühren für den Handel, die gegenüber den Debitkarteninhabern irgendwie nie wirklich ins Feld geführt worden sind. Ein Schelm wer Böses denkt, denn selbstverständlich wurden die Akzeptanzstellen im Vorfeld von den Aquiring-Unternehmen informiert. Besonders hart trifft es dabei die kleinen Dienstleister, den Bäcker, den Coiffeur oder etwa den Quartierbeizer, die sich plötzlich mit deutlich höheren Gebühren für Debitkartenzahlungen konfrontiert sehen und die ihren Kunden und Gästen nun erklären müssen, weshalb die Debitkarte nicht mehr erwünscht ist. Während grosse Unternehmen in der komfortableren Lage sind, aufgrund ihres Umsatzvolumens günstigere Konditionen bei den Aquiring-Unternehmen auszuhandeln, können kleine Händler und Dienstleister keine echte Verhandlungsmacht in die Waagschale werfen. Sie müssen die neue, teilweise deutlich höhere Gebührenstruktur für die Akzeptanz von Debitkarten zähneknirschend akzeptieren – oder im Zweifelsfall ihre Klientel vergraulen.

Nicht das Problem der Karteninhaber? Weit gefehlt, denn in der Realität dürften die höheren Gebühren mittelfristig wohl über versteckte Preisanpassungen auf die Konsumenten abgewälzt werden. Insofern sind es letztlich wieder die Bankkunden bzw. die Karteninhaber, welche die höheren Erträge der Banken finanzieren. Eigentlich nichts Neues.

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