Schweizer Privatbanken mit Rekordvermögen, aber weniger Profit
Die Schweizer Privatbanken verwalteten 2025 mit rund 3,5 Billionen Franken so viel Vermögen wie nie zuvor. Gleichzeitig belasteten steigende Kosten und sinkende Zinserträge die Profitabilität, insbesondere bei mittelgrossen Instituten. Die Konsolidierung im Markt nimmt zu, während der Einsatz von künstlicher Intelligenz bislang kaum messbare finanzielle Effekte zeigt.
Hauptgrund des Rekordniveaus bei den verwalteten Vermögen waren vor allem starke Netto-Neugeldzuflüsse von rund 96 Milliarden Franken, was einem Plus von rund einem Drittel gegenüber dem Vorjahr entspricht. «Schweizer Privatbanken profitieren in geopolitisch unsicheren Zeiten vom Ruf der Schweiz als sicherer Hafen. So dürften nicht zuletzt die Spannungen im Nahen Osten zu zusätzlichen Neugeldzuflüssen beigetragen haben», sagt Pascal Sprenger, Leiter Financial Services bei der KPMG Schweiz.
Pascal Sprenger, Leiter Financial Services, KPMG SchweizWachstum bei den verwalteten Vermögen allein genügt nicht. Entscheidend ist, ob daraus nachhaltige Erträge und Effizienzgewinne entstehen.
Auch die Performance auf den verwalteten Vermögen wirkten sich mit netto 81 Milliarden Franken positiv auf das Wachstum der verwalteten Vermögen aus, wenn auch weniger stark als im Vorjahr mit 332 Milliarden Franken. Ohne die negativen Auswirkungen des schwachen US-Dollars wäre dieser Einfluss 150 Milliarden Franken. höher gewesen. Durch Übernahmen und Zukäufe verzeichnete die Branche anorganisches Wachstum von 35 Milliarden Franken.
Kostenanstieg schmälert Profitabilität
Die Privatbanken in der Schweiz konnten ihren Umsatz im Vorjahresvergleich um 321 Milliarden Franken auf CHF 21.6 Milliarden Franken erhöhen (+1.5%). Da sich die Kostenbasis mit plus 3% stärker erhöhte als der Umsatz, war der Gewinn bei Privatbanken aller Grössenverhältnissen im Durchschnitt rückläufig. Auffällig ist zudem die Verschiebung innerhalb der Branche. Während die grossen Akteure und ein Teil der kleineren Institute vom Wachstum profitieren konnten, gerieten vor allem mittelgrosse Privatbanken unter Druck. In diesem Grössensegment stieg das Kosten-Ertrags-Verhältnis deutlich an mit gleichzeitig deutlichem Rückgang beim Brutto- und Nettogewinn. Letzterer ist bei den mittelgrossen Banken infolge rückläufiger Erträge und gleichzeitig steigender Kosten um rund 46% eingebrochen. Im Vergleich dazu verzeichneten grosse Privatbanken einen Gewinnrückgang von rund 6% und kleinere Häuser ein Minus von 5%. «Wachstum bei den verwalteten Vermögen allein genügt nicht. Entscheidend ist, ob daraus nachhaltige Erträge und Effizienzgewinne entstehen», sagt Studienleiter Christian Hintermann, von der KPMG Schweiz. Der branchenweite Anstieg des Kosten-Ertrags-Verhältnis von 75.6% auf 78.2% im Median zeigt jedoch, dass die Privatbanken weniger effizient operieren als im Vorjahr.
Konsolidierung gewinnt an Tempo
Parallel dazu beschleunigt sich die Konsolidierung im Markt. Die Zahl der Schweizer Privatbanken sank 2025 von 85 auf 80 Institute und reduzierte sich bis Ende Mai 2026 weiter auf 79. Gemäss Hintermann dürfte die Zahl der Privatbanken in der Schweiz bis 2030 deutlich unter 70 fallen. «Die Konsolidierung wird sich fortsetzen, insbesondere bei den kleineren Instituten. Diese sind nicht zuletzt auch für internationale Anbieter attraktiv, die ihre Präsenz im Schweizer Markt ausbauen oder neu aufbauen möchten.»
Einsatz von KI vorerst ohne Ergebniswirkung
Erstmals beleuchtet die Studie auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schweizer Privatbanken. Die Umfrageergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild: Rund vier Fünftel der befragten Institute setzen KI punktuell zur Produktivitätssteigerung ein. Die systematische Einbindung von KI bei Gesamtprozessen oder klar differenzierende Anwendungsfälle bilden nach wie vor die Ausnahme. Dies zeigt sich auch in den zurückhaltenden Investitionen in KI: Nur rund 18% der befragten Banken investierten 2025 mehr als CHF 500'000 in KI. 2026 werden es gemäss Umfrage 30% der Institute sein.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist der Effekt von KI derzeit noch begrenzt. Die meisten Banken berichten bislang über keine messbaren Kostensenkungen und kaum Umsatzsteigerungen. So gaben 76% der befragten Institute an, mit KI in den kommenden zwölf Monaten keine oder nur geringfügige Kosteneinsparungen von ca. 2% oder weniger zu realisieren. Auch auf der Umsatzseite zeigen sich die Privatbanken mit ihren Erwartungen zurückhaltend; fast die Hälfte der Privatbanken rechnet in den kommenden zwölf Monaten nicht mit KI-getriebenen Umsatzsteigerungen. «Für die Branche ist KI derzeit vor allem ein strategisches Thema. Als Ergebnistreiber spielt sie bislang noch eine untergeordnete Rolle», so Hintermann. Die Umfrage deutet jedoch darauf hin, dass sich dies mittelfristig ändern könnte – vorausgesetzt, KI wird stärker in Prozesse eingebettet, technologisch skaliert und organisatorisch klar verankert.