Evergreen-Fonds: Der neue Standard für den Zugang zu Privatmärkten

Privatmärkte – mitunter Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen und private Kreditvergaben – galten traditionell als Domäne institutioneller Anleger. Hohe Mindestbeträge, komplexe Vertragswerke und lange Kapitalbindungen machten diese Anlageklasse für private Investoren schwer zugänglich. Oft als «alternative» Anlagen betrachtet, sind Privatmärkte in Wirklichkeit jedoch keine Nischeninvestitionen – sie sind der Kern der Weltwirtschaft: Je nach Region befinden sich mehr als 80 bis 95% der Unternehmen in Privatbesitz und ausserhalb der Reichweite öffentlicher Indizes.

Seit einigen Jahren erleben Privatmarktanlagen nun als Portfoliobestandteil eine Renaissance und finden vermehrt auch Anwendung bei Privatinvestoren. Grund dafür sind – neben erhöhten Renditeerwartungen und Diversifikationsaspekten – auch neue Anbieter und Vehikel, die den Zugang für Privatinvestoren erleichtern: Digitale Plattformen und Evergreen-Fonds.

Was sind Evergreen-Fonds?
Evergreen-Fonds («Evergreens») sind unbefristete, offene Anlagevehikel, die laufende Zeichnungen und periodische Rücknahmen ermöglichen. Im Gegensatz zu geschlossenen Fonds, die Kapital über Jahre abrufen, in Anlagen investieren und erst nach der Veräusserung der Anlagen an Investoren zurückführen, sind Evergreens ab dem ersten Tag voll investiert. Rückflüsse (bspw. durch Veräusserungen von Anlagen) werden automatisch reinvestiert – ähnlich wie bei thesaurierenden ETFs.

Evergreen-Fonds eliminieren viele Hürden klassischer Privatmarktanlagen; keine Kapitalabrufe, keine komplexen Zeichnungsprozesse, keine umfangreichen Nebenvereinbarungen.

Nicolas Werner, Partner, iAccess Partners AG

Im Vergleich mit öffentlichen ETFs unterscheiden sich Evergreen-Fonds jedoch unter anderem darin, dass die Liquidität aufgrund der illiquiden Art der Privatmärkte eingeschränkt ist: Evergreen-Fonds bieten regelmässige Liquiditätsfenster (typischerweise quartalsweise), um Veräusserungen vorzunehmen. Dabei gibt es einen aggregierten Maximalbetrag (typischerweise 3 bis 5% des Fondsvolumens), der kumulativ veräussert werden kann. Privatmärkte bleiben somit grundsätzlich eine illiquide Anlageklasse – die Struktur der Evergreens schafft jedoch signifikante Vorteile für Privatinvestoren, welche klassische, geschlossene Fonds nicht bieten.

Ein neuer Zugang für private Anleger
Durch einfachere Prozesse, breite Diversifikation und effiziente Kapitalallokation bieten Evergreens Privatinvestoren die Chance, die historische Unterallokation im Bereich der Privatmärkte zu reduzieren. Während führende institutionelle Investoren Allokationen von 20 bis 30% in Privatmarktanlagen vornehmen, lag das Exposure bei Privatinvestoren bisher bei knapp 0 bis 3%. Mit dem anhaltenden Trend, dass Unternehmen länger privat bleiben und Wachstumskapital zunehmend ausserhalb der öffentlichen Märkte aufnehmen, bleibt Privatanlegern ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung über traditionelle, überwiegend öffentliche Anlagen verschlossen. Parallel dazu hat die private Kreditvergabe stark an Bedeutung gewonnen, da Banken sich aufgrund regulatorischer Anforderungen aus Teilen des Finanzierungsmarktes zurückziehen. Evergreen-Fonds bieten in diesem Umfeld eine einfache, diversifizierte und langfristig ausgerichtete Möglichkeit, diese Entwicklungen im Portfolio abzubilden.

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