Englisch im deutschen Text – Lektion 1: No Nonsense
Die englische Sprache ist aus unserem (Berufs-)Leben nicht mehr wegzudenken. Dennoch sind Anglizismen zuweilen unsinnig und unnötig. Höchste Zeit also, eine Lanze für die deutsche Sprache zu brechen. Und wer doch auf Englisch setzen will, möchte bitte die korrekte Handhabung von englischen Ausdrücken im deutschen Text beherzigen.
Englisch macht sich breit. Das ist gut so – und Ausdruck der Kraft und Macht einer durchsetzungsstarken, reichen, wendigen, coolen, smarten, schönen und schnellen Sprache. Eine Sprache, die Menschen über alle Grenzen hinweg verbindet. Den Feldzug des ursprünglich nordgermanischen Idioms beschreibt Melvin Bragg in seiner Sprachbiografie «The Adventure of English» (2003) als bisweilen barbarisch, sich ermächtigend, nicht frei von Kollateralschäden. Inspiriert von den ersten germanischen Stämmen, die im fünften Jahrhundert die britische Insel invadierten und dem Englischen das Territorium ebneten, schreibt er: «English arriving on the scene like a fury from hell, brought to the soft shores of an abandoned imperial outpost by fearless pagan fighting men, riding along the whale’s way on their wave-steeds.»
Patrizia VilligerGrundlos dürfen wir die deutsche Sprache nicht aufgeben. Die grosse deutsche Philosophie schon gar nicht.
Das heisst nicht, dass wir gleich kapitulieren und das klare, präzise, kombinationstalentierte, elegante Deutsch shorten müssen. Mit ein paar Grundregeln in Rechtschreibung bewältigen wir die Integration mit Haltung – und wenn wir dann doch kapitulieren wollen, ist eine «sophisticated transition of power» vorbereitet.
Lektion 1: No nonsense
«Unsere Philosophy» las ich kürzlich als Einstieg in eine Website. Abgesehen davon, dass das Wort Philosophy, englisch oder deutsch, angesichts des nachfolgenden Textes etwas hochgegriffen war – warum englisch? Ökonomischer, verdichteter (das wahre Sprachgütesiegel!), könnte man argumentieren, ein Buchstabe weniger auf dem Balance-Sheet. Das etwas manierierte y mit Unterlänge würde ich allerdings unter eineinhalb Buchstaben abbuchen. Und auch das macht das «ie» mit seiner schlanken Geschmeidigkeit wett. Aber so abwegig wie dieses Rechenspiel, so offensichtlich ist es, dass der Anglizismus im erwähnten Beispiel unsinnig und unnötig ist. Obwohl: Sinnig und nötig kann Nonsense durchaus sein, nur ist das anspruchsvoll – er muss dann stringent gedacht und geradlinig (engl.: «no-nonsense») daherkommen. Gegen englische Wörter im deutschen Text ist natürlich nichts einzuwenden, aber es muss schon Gründe geben – auch wenn’s nur die Cool Vibes sind, die das Englische liefert. Grundlos dürfen wir die deutsche Sprache nicht aufgeben. Die (grosse deutsche) Philosophie schon gar nicht.
PS: «Nonsense» schreibe ich hier in der Originalschreibweise. Das Wort ist aber bereits eingedeutscht und hat einen Duden-Eintrag, deutsch transkribiert ohne -e: der Nonsens. Weil ich aber auch das Adjektiv «no-nonsense» brauche, habe ich der Konsistenz zuliebe Englisch gewählt.
