Wachstumsraten in den USA und in der Eurozone driften auseinander
Da die Konsenserwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone bereits sehr gedämpft sind, scheint das Schreckpotential weiterer schlechter Nachrichten begrenzt.
«Das Unerwartete zu erwarten, zeugt von einem durch und durch modernen Intellekt», bemerkt Mrs. Cheveley in Oscar Wildes «Ein idealer Gatte». Zum Jahreswechsel lohnt es sich sicher, daran zu erinnern, wie weit die tatsächliche Wirtschaftsleistung gelegentlich den Konsenserwartungen professioneller Prognostiker widersprechen kann. Der untenstehende Chart zeigt, welche Wachstumsraten in den USA und der Eurozone der Konsens zu verschiedenen Zeitpunkten in den letzten zwei Jahren für 2024 und 2025 prognostiziert hatte.
DWSNach vielen Massstäben, einschliesslich des Wachstums, war Spanien 2024 einer der ökonomischen Spitzenreiter der entwickelten Welt.
Während der Hälfte des Jahres 2023 waren die meisten davon ausgegangen, dass die USA irgendwann in eine Rezession geraten würden. Stattdessen zog die Wirtschaft 2024 den Skeptikern davon, und die Wachstumserwartungen für 2025 erhielten nach den US-Präsidentschaftswahlen im November weiteren Auftrieb.
Für die Eurozone gilt das Gegenteil, obwohl die Durchschnittswerte dort ebenso viel verbergen wie sie offenbaren. Nach vielen Massstäben, einschliesslich des Wachstums, war Spanien 2024 einer der ökonomischen Spitzenreiter der entwickelten Welt. Mehrere kleinere Volkswirtschaften des alten Kontinents sowohl innerhalb (wie Griechenland, Litauen und Irland) als auch ausserhalb der Eurozone (Dänemark und Norwegen) wuchsen 2024 ebenfalls gut, sogar nach US-Standards.
Transatlantische Wachstumsdivergenzen

Zumindest bisher schien das Gefühl der europäischen Wirtschaftsmisere 2024 weitgehend ein deutschsprachiges Phänomen zu sein, wobei Österreich und Deutschland besonders betroffen waren. Die turbulenten politischen Verhältnisse in beiden Ländern sowie in Frankreich, haben die Stimmung gedämpft. Die gute Nachricht, wenn man sie denn so nennen kann, ist indes, dass es zunehmend schwierig wäre, die Prognostiker negativ zu überraschen. Da die Konsenserwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone bereits sehr gedämpft sind, scheint das Schreckpotential weiterer schlechter Nachrichten begrenzt – zumindest diesseits des grossen Teichs.