GKB: Wilder Westen im Bündnerland

Martin Ebner, einer der erfolgreichsten Schweizer Financiers, verkauft seine BZ Bank. Als Käuferin einer Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent tritt ausgerechnete die Bündner Kantonalbank (GKB) auf. Der erratische Expansionskurs der GKB unter der Führung von Bankratspräsident Peter Fanconi wirft in Branchenkreisen allerdings Fragen auf.

Martin Ebner ist bekanntermassen ein schlauer Fuchs. Wer mit ihm Geschäfte tätigt, darf keine Geschenke erwarten. Jetzt verkauft der erfolgreiche Financier eine Mehrheit von 70 Prozent seiner BZ Bank an die Bündner Kantonalbank (GBK). Auf deren Seite sitzt Peter Fanconi, seines Zeichens Bankratspräsident der GBK. Auch er ist kein unbeschriebenes Blatt. Fanconi hat sich einen Namen als umtriebiger Unternehmer und Investor mit Fokus auf sogenannte Club Deals gemacht. Zudem sitzt er im Verwaltungsrat von EFG International, eine globalen Privatbankengruppe mit Sitz in Zürich, die kürzlich im Zusammenhang mit der Beteiligung von Boris Collardi und seiner geplanten Einsitznahme im Verwaltungsrats-Gremium der (EFG-)Bank von sich reden machte. Fragen werfen auch Fanconis drittes Verwaltungsrats-Mandat als Chairman von BlueOrchard auf, eine auf Impact Investments spezialisierten Zürcher Finanzboutique, deren Mehrheit im Jahr 2019 an Schroders, einer weltweit operierende Vermögensverwaltungsgesellschaft, verkauft wurde. Zweifelsohne eine lukrative Transaktion, die ebenfalls auf den begnadeten Dealmaker zurückgehen dürfte. Kritiker unterstellen Peter Fanconi aufgrund seiner verschiedenen Mandate indessen einen Interessenkonflikt. So wird beispielsweise kolportiert, dass sich in den Kundenportfolios der GKB-Kunden Finanzprodukte von BlueOrchard finden. Die GKB wiederum entgegnet, dass sämtliche Investitionsentscheide im unabhängigen Investment Center der Bank gefällt würden. Ein aktive Einflussname des Bankratspräsidenten wird klar negiert. Den Kunden der Graubündner Kantonalbank bleibt zu wünschen, dass dem tatsächlich so ist.

Erratischer Expansionskurs der GKB
Peter Fanconi ist ein ausgesprochen erfolgreicher Netzwerker mit besten Verbindungen innerhalb der Financial Community. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Offensichtlich ist aber auch, dass er Grenzen auslotet und keine Möglichkeit auslässt, Geschäftspotenzial zu realisieren. Auch das ist in einem vernünftigen Rahmen legitim. Möglicherweise fehlt es ihm aber zuweilen an der notwendigen Sensibilität und der Fähigkeit, eigene finanzielle und persönliche Ambitionen im Interesse eines grösseren Ganzen zurückzustellen. Als Präsident der Graubündner Kantonalbank muss er sich beispielsweise der Frage stellen, wie eine Mehrheitsbeteiligung an der BZ Bank von Martin Ebener mit den Interessen der GKB vereinbar ist, zumal es nicht erste Aufgabe einer Graubündner Kantonalbank ist, ausserhalb ihres natürlichen Habitats im Grossraum Zürich Kunden zu akquirieren. Wie steht es um die Kompatibilität der beiden Kundengruppen, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten? Macht die Transaktion wirklich Sinn oder geht es einfach darum, die Vermögensbasis der GKB über eine Akquisition aufzublähen, weil das organische Wachstum ausbleibt? Auch die Frage des Kaufpreises dürfte interessieren, schliesslich agiert die staatsgarantierte GKB letztlich mit Steuergeldern. Gleichzeitig dürfte klar sein, dass ein Financier vom Format eines Martin Ebener ein harter Verhandler ist, was sich sicherlich auch in einem stolzen Verkaufspreis manifestiert haben dürfte. Zudem verleiht der Umstand, dass der Vizepräsident der GKB, Christoph Caviezel, gleichzeitig im Verwaltungsrat der der BZ Bank sitzt, der Transaktion zumindest eine fragwürdige Dimension und trägt wenig dazu bei, diese zu plausibilisieren. Vielmehr dürften sich Kritiker darin bestärkt sehen, dass sich der erratische Expansionskurs der GKB nur bedingt an einer unternehmerischen Logik orientiert.

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