Fed will die Zinsen drücken – und treibt sie nach oben
Die Zinsen in den USA steigen und steigen. Die Bewegung nach oben hat noch einmal an Dynamik zugelegt. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasury Note kratzt an der 5%-Marke. Die Bemühungen des amerikanischen Finanzministers Scott Bessent zur Senkung der Langfristzinsen wirken hilflos und sind zum Scheitern verurteilt.
Wenn jemand die Zinskurve nachhaltig beeinflussen kann, ist das die Fed mit ihren fast unerschöpflichen Mitteln an Geld. Das Sprichwort lautet nicht umsonst «don’t fight the Fed». «Don’t fight Bessent» macht niemandem im Kapitalmarkt Angst.
Thomas Stucki, Chief Investment Officer, St.Galler KantonalbankDie Bemühungen des amerikanischen Finanzministers Scott Bessent zur Senkung der Langfristzinsen wirken hilflos und sind zum Scheitern verurteilt.
Ein Zins von 5% für die 10-jährige US-Staatsanleihe war bis zur Finanzkrise 2008 die Normalität. Auch während Perioden mit einer expansiven Geldpolitik und tiefen Leitzinsen wie während der Dot-Com-Rezession 2003 lag der 10-Jahres-Zins nur knapp unter 5%. Erst durch die Nullzinspolitik der Fed als Reaktion auf die Finanzkrise und durch ihre Kaufprogramme für Treasuries und Mortgage Backed Securities wurden auch die langen Zinsen auf tiefe Niveaus gedrückt. Zudem durchliefen die USA eine Phase mit für ihre Verhältnisse tiefen Inflationsraten. Die Wahrnehmung und Einschätzung vieler Investoren ist durch ein Zinsniveau geprägt, dass in den USA zuletzt ungewöhnlich tief war. Das aktuelle Zinsniveau ist deshalb nicht problematisch. Heikler sind die raschen Veränderungen nach oben.
Tiefzinsphase nicht genutzt
Im Unterschied zur Finanzverwaltung in Bern hat das US-Treasury die tiefen Zinsen jedoch nicht genutzt, um sich über langlaufende Anleihen zu finanzieren und die tiefen Zinszahlungen zu fixieren. Die Finanzierung des US-Haushalts erfolgt schwergewichtig via Treasury Bills über den Geldmarkt oder über kurzlaufende Obligationen. Bis Ende 2027 verfallen 20% der ausstehenden Schulden und müssen refinanziert werden, bis Ende 2028 weitere 15%. Bei einer steigenden Zinskurve profitiert das Finanzamt so von den tieferen Geldmarktzinsen. Auf der anderen Seite sind die Schwankungen im Zinsaufwand sowie die Abhängigkeit von der Zinspolitik der Fed grösser.
Druck auf die Fed steigt
Die Fed ist in einer ungemütlichen Situation. Die Inflation ist hartnäckig hoch. Im Unterschied zur Schweiz beschränkt sich der Preisauftrieb nicht auf die Energieprodukte, sondern zeigt sich auch bei den Dienstleistungen. Ein Absinken der Inflationsrate in den Zielbereich der Fed ist auch bei einem tieferen Erdölpreis unwahrscheinlich. In diesem Umfeld sollte die Fed den Leitzins deutlich anheben und am besten schon am Mittwoch damit beginnen. Höhere Leitzinsen schlagen aber über die kurzfristige Refinanzierung der Schulden direkt auf die Zinskosten des amerikanischen Staates durch, was sowohl Finanzminister Bessent als auch seinem Chef nicht gefallen wird. Die Angriffe Trumps auf die Fed werden noch persönlicher und aggressiver, was die Frage der Unabhängigkeit sowie Zweifel am Willen zur Inflationsbekämpfung aufkommen lässt. Die Folgen davon sind noch höhere Zinsen bei den langlaufenden Obligationen. Dabei wären es gerade höhere Leitzinsen, die dank einer Verflachung der Zinskurve den Druck von den langlaufenden Bonds nehmen würden.