SpaceX: Geniales Flywheel oder die teuerste Wette des Jahrzehnts?
SpaceX ist nicht nur ein Raketenunternehmen, sondern Teil eines geschlossenen Ökosystems, das Satellitennetzwerk, Starlink und xAI verbindet. Für Anleger zählt damit vor allem, ob aus diesem Kreislauf dauerhaft berechenbare Cashflows entstehen – oder ob die Bewertung bereits zu viel Zukunft vorwegnimmt.
SpaceX hat Raketenstarts über Jahre schon fast zur Routine gemacht. Nun entscheiden öffentliche Anleger, was das wert ist. SpaceX platzierte den Börsengang bei 135 US-Dollar je Aktie, nahm 75 Milliarden US-Dollar ein und wurde mit rund 1,77 Billionen US-Dollar bewertet. Die Aktien werden seit dem 12. Juni 2026 an der Nasdaq unter SPCX gehandelt.
Der Kreislauf hinter dem Feuerwerk
SpaceX ist für Raketen wie Falcon 9, Falcon Heavy und Starship bekannt. Der zentrale Vorteil ist die Wiederverwendbarkeit: Fliegt eine Rakete mehrfach, sinken die Kosten, Starts werden häufiger und Kunden erhalten leichter Zugang zum Orbit. SpaceX will Raumtransport eher wie Luftfracht machen – nicht wie einen Jumbojet, der nach jedem Flug entsorgt wird.
Ruben Dalfovo, Investment Strategist, Saxo BankAnleger stehen vor einer klassischen Aufgabe: einen vernünftigen Preis für künftige Cashflows zahlen, nicht nur für einen spektakulären Raketenstart.
Raketen sind die erste Ebene des Ökosystems: Sie bringen Satelliten ins All, die Starlink stützen. Das Breitbandnetz schafft wiederkehrende Umsätze mit Haushalten, Unternehmen, Schiffen, Flugzeugen und Nutzern in abgelegenen Regionen, wo Glasfaser fehlt, unzuverlässig oder zu teuer ist. Das ist der stärkste Teil der Story. Starlink hat Skalierung, globale Reichweite und eine direkte Verbindung zu SpaceX’ Startvorteil. SpaceX kann eigene Satelliten starten, schneller aufrüsten und ein Netz bauen, das Wettbewerber nur schwer kopieren können. Das Raketengeschäft füttert das Satellitengeschäft – und dieses schafft neue Gründe für Starts. Hinzu kommt künstliche Intelligenz über xAI. Dieser Teil ist ambitionierter, aber weniger dokumentiert.
Der Indexeffekt: zusätzlicher Booster, nicht der Motor
Die Grösse von SpaceX bedeutet, dass eine Indexaufnahme Teil der Story werden könnte, weil sie automatische Nachfrage passiver Fonds schafft. MSCI könnte sehr grosse IPOs rasch aufnehmen, Nasdaq hat seine Nasdaq-100-Regeln für grosse Neulistings angepasst. Der S&P 500 ist strenger: Neu kotierte Unternehmen benötigen in der Regel mindestens zwölf Monate Handelshistorie. Für Anleger ist das relevant, aber begrenzt. Indexnachfrage kann den Kurs stützen, startet aber keine Satelliten, senkt keine Raketenpreise und macht Starlink nicht profitabler. Passive Flüsse können Schub geben; der Motor bleibt das Geschäft.
Für Anleger, die Sauerstofftanks bevorzugen
Nicht jeder Anleger muss SpaceX-Aktien direkt kaufen. Manche nutzen ETFs für Zugang zur breiteren Raumfahrt-, Satelliten-, Aerospace- und Verteidigungslieferkette, etwa den ARK Space & Defence Innovation ETF, den iShares Global Aerospace & Defence UCITS ETF oder den VanEck Space Innovators UCITS ETF. Zu prüfen bleiben Beteiligungen, Gebühren, Liquidität und Regeln für neue IPOs.
Feuerwerk, Treibstoff und Schwerkraft
Die Chance ist klar. SpaceX hat seltene Ingenieurskompetenz, eine führende Startposition, ein skaliertes Satellitennetz und eine starke Marke. Wenn Starlink weiter wächst und Starship im grossen Massstab funktioniert, könnte SpaceX Zugang zum All, Breitband und Teile der KI-Infrastruktur neu prägen. Die Risiken sind ebenso real: 1,77 Billionen US-Dollar Marktwert verlangen sehr hohe künftige Gewinne. Starship, Satelliten-Upgrades und KI-Infrastruktur brauchen hohe Investitionen; Verzögerungen können teuer werden. Zudem bleibt Elon Musk zentral für die Story – eine Stärke, aber auch ein Konzentrationsrisiko. Frühe Warnsignale wären langsameres Starlink-Abonnentenwachstum, Startfehler mit Kapazitätsverzögerungen, steigende Investitionen ohne klarere Gewinne, regulatorischer Gegenwind oder eine Indexaufnahme, die nur kurzfristig den Kurs treibt. IPOs kommen oft mit Feuerwerk. Investieren heisst zu prüfen, ob nach der Show noch genug Treibstoff bleibt.
Zurück zur Erde, mit Blick zu den Sternen
Die besten Anleger müssen nicht als Erste durch die Tür. Sie müssen wissen, was sie besitzen, warum sie es besitzen und was diese These widerlegen würde. SpaceX baut vielleicht Infrastruktur für eine vernetztere Zukunft. Anleger stehen dennoch vor der klassischen Aufgabe: einen vernünftigen Preis für künftige Cashflows zahlen, nicht nur für einen spektakulären Raketenstart.