Bitcoin als Investition?

Anlageberater haben nicht zum Ziel, ihre Kunden schnell reich zu machen. Vielmehr wollen sie ihnen helfen bereits erarbeitetes Vermögen zu erhalten und zu vermehren. Deshalb können Bitcoin nicht glaubhaft als Investition empfohlen werden.

Dem Bitcoin wird nachgesagt eine plausible Alternative sowohl zu konventionellem Geld als auch zu Gold zu sein. Insbesondere in einer Zeit, in der das Inflationsrisiko steigen könnte. Angeblich ist er frei von staatlicher Manipulation.

Allerdings gibt es den Bitcoin erst seit der globalen Finanzkrise und so hat er, wie auch viele Investoren und Banker, noch keine nennenswerte Inflation erlebt. Niemand weiss, wie sich Bitcoin verhalten wird, falls die Inflation zurückkehrt.

Die Bitcoin-Technologie ist ineffizient und umweltfeindlich.

Kevin Gardiner, Global Investment Strategist bei Rothschild & Co

Bitcoin ist keine brauchbare Alternative zum Geld
Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Kryptowährung als Zahlungsmittel durchsetzen wird. Denn die Technologie ist ineffizient und umweltfeindlich. Bitcoin ist zudem kein Wertaufbewahrungsmittel, sondern schockierend volatil. Sogar noch volatiler als der Wert des Geldes während den inflationärsten Volkswirtschaften der 1970er Jahre.

Auch der Vergleich mit Gold ist unangebracht. Gold besitzt einen intrinsischen Wert: Es ist greifbar, nützlich und knapp. Gold wurde nicht wertvoll, weil es als Geld verwendet wurde, sondern es wurde als Geld verwendet, weil es wertvoll war. Die Erfolgsgeschichte des Goldes erstreckt sich über drei Jahrtausende und viele Hyperinflationen hinweg und war stets unabhängig von anderen Geldsystemen.

Bitcoin hingegen besitzt keinen intrinsischen Wert: sein Wert hängt von einem funktionierenden Internet ab. Und obwohl das Angebot an Bitcoins fix sein mag, ist er nur eine von vielen Kryptowährungen.

Bitcoin mag zwar frei von staatlicher Manipulation sein, aber sein Wert scheint von den Aktivitäten einiger hochrangiger Personen, von denen nur wenige demokratisch gewählt sind, beeinflusst zu werden. Die Kryptowährung wurde zudem von jemandem geschaffen, über den wenig bekannt ist, ausser der Tatsache, dass er nicht demokratisch gewählt wurde.

Wer Investitionen in Bitcoin nicht empfiehlt, riskiert konservativ auszusehen.

Kevin Gardiner

Kein regulatorischer Schutz
Und da der Bitcoin frei von staatlicher Manipulation ist, befindet er sich natürlich auch ausserhalb von regulatorischem Schutz und geniesst keinerlei Einlagensicherung.

Die Realität ist, dass der Wert von Bitcoin steigt, weil er gestiegen ist – seit Jahrhunderten das Markenzeichen einer Spekulationsmanie. Ein illiquider Markt wird mit Käufern überschwemmt. Dies wird so weitergehen, bis es plötzlich aufhört.

Wer Investitionen in Bitcoin nicht empfiehlt, riskiert konservativ auszusehen. Aber es gibt viele Dinge, deren Preise gestiegen sind, ohne dass sie sich für langfristige, vermögenserhaltende Anlagen geeignet hätten.

Das Risiko einer Inflation mag zwar graduell vorhanden sein, ist aber nicht dramatisch hoch. Deswegen braucht es kein neues Asset, um mit diesem Risiko umzugehen.

Kevin Gardiner ist Global Investment Strategist bei Rothschild & Co. Er verantwortet die Makrosicht der Division Wealth Management. Aufgrund der hohen Volatilität und ungenügender Krisenerfahrung der Kryptowährung empfiehlt Gardiner nicht in Bitcoins zu investieren. Rothschild & Co ist ein familiengeführtes und unabhängiges Unternehmen.
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