Der SNB-Leitzins bleibt bei 0 Prozent

An der gestrigen geldpolitischen Lagebeurteilung änderte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins nicht. «Die steigenden Energiepreise führten zwar zu einer Zunahme der Teuerung, aber diese wird zum Teil von der Frankenstärke gedämpft. Die Preisstabilität bleibt gewährleistet, und im weiteren Jahresverlauf zeichnet sich keine Anpassung der Geldpolitik ab», erklärt Valentino Guggia, Ökonom der Migros Bank.

Nach der ersten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Stillhalten der US-Notenbank Fed am Mittwochabend war die Schweizerische Nationalbank (SNB) am vergangenen Donnerstagmorgen an der Reihe, den Zinsentscheid bekannt zu geben. Nach Ausschöpfung des konventionelle Handlungsspielraums mit der Zinssenkung vom Juni 2025 auf 0 Prozent sind der SNB die Hände gebunden, was eine allfällige weitere Lockerung der Geldpolitik angeht. «Eine Rückkehr der Negativzinsen scheint im aktuellen Umfeld vom Tisch zu sein, da die angestiegenen Energiepreise für eine Entfernung der Inflation vom unteren Rand des Preisstabilitätsbereichs und daher vom deflationären Terrain sorgten», erklärt Valentino Guggia, Ökonom der Migros Bank.

Keine Überraschung
Infolge des Nahost-Friedensabkommens ist mittlerweile der Erdölpreis merklich gesunken, was gegen einen weiteren deutlichen Anstieg der Inflation spricht. In der Folge passte die SNB die Inflationsprognose nur geringfügig an (Jahresdurchschnitt 2026 und 2027: 0,6 Prozent statt 0,5 Prozent) und schätzte das Risiko einer Ausbreitung der Teuerung in weiteren Konsumbereichen als niedrig ein. Der aus den Energiepreisen stammende Preisauftrieb wird allmählich in den kommenden Quartalen nachgeben. Zudem betonte die SNB ihre Bereitschaft, wenn nötig auf dem Devisenmarkt einzugreifen, um Druckspitzen auf den Franken entgegenzuwirken.

Eine Rückkehr der Negativzinsen scheint im aktuellen Umfeld vom Tisch zu sein.

Valentino Guggia, Ökonom, Migros Bank

«Der gestrige Zinsentscheid stellt keine Überraschung dar», urteilt Guggia. «In der Vergangenheit kam es vermehrt vor, dass die SNB bei der Geldpolitik der EZB folgte. Dieses Mal ist das nicht der Fall. Trotz der EZB-Zinserhöhung vom 11. Juni und der damit einhergehenden Ausweitung des Zinsdifferentials zwischen Euro und Franken hat sich das Bild am Devisenmarkt kaum geändert. Die Entwicklung des Wechselkurspaars EUR/CHF wird hauptsächlich bestimmt von den hiesigen besseren konjunkturellen Aussichten und gesünderen Staatsfinanzen.»

Verhaltene Dynamik beim Wirtschaftswachstum
Was das Wirtschaftswachstum angeht, müsse man auch 2026 mit einer verhaltenen Dynamik rechnen, so Guggia weiter: «Zwar wirkt die lockere Geldpolitik stützend, aber die US-Zölle, der starke Franken und die globale Verlangsamung des Wirtschaftswachstums aufgrund der angestiegenen Energiepreise werden für ein weiteres unterdurchschnittliches Jahr sorgen. Hierbei liegt viel ausserhalb des Einflussbereichs der SNB, für welche wir weiterhin Pragmatismus anstatt unnötiger Hyperaktivität erwarten. Nur im Falle einer erneuten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten rechnen wir mit einer aktiveren SNB, um den Aufwertungsdruck auf den Franken zu dämpfen.» Das wäre ein Balanceakt: «Auf der einen Seite würde eine weitere Aufwertung den Anstieg der Preise der importieren Waren wie die Erdölprodukte dämpfen und somit zur Preisstabilität einen Betrag leisten. Auf der anderen Seite würde die exportorientierte Wirtschaft noch mehr unter Druck gesetzt werden.»

Faktisch Stillstand bei den Hypotheken
Bei Hypotheken bedeutet der SNB-Entscheid faktisch Stillstand – SARON-Hypotheken bleiben sehr günstig, während die längerfristigen Festhypotheken in einer engen Seitwärtsrange verharren. «Für Eigenheimbesitzer und Käufer ist das ein komfortables, aber auch trügerisches Umfeld: Die Finanzierung bleibt billig, doch die Preise dürften gleichzeitig auf hohem Niveau verharren», resümiert Guggia.

Hauptbildnachweis: SNB