SNB im Stillstand: Warum Investoren sich auf eine lange Nullzins-Falle einstellen müssen

An der geldpolitischen Lagebeurteilung von letzter Woche änderte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins nicht. Angesichts der erwarteten Zunahme der Energiepreise wurde die Inflationsprognose zwar nach oben angepasst, bleibt aber im unteren Teil des Bereichs der Preisstabilität. «Im weiteren Jahresverlauf zeichnet sich keine Anpassung der Geldpolitik ab», erwartet Valentino Guggia, Ökonom der Migros Bank.

Nach dem Stillhalten der US-Notenbank am vergangenen Mittwochabend war die Schweizerische Nationalbank (SNB) am darauffolgenden Tag an der Reihe, den Zinsentscheid bekannt zu geben. «Nach Ausschöpfung des konventionelle Handlungsspielraums mit der Zinssenkung vom Juni 2025 auf 0 Prozent sind der SNB die Hände gebunden», urteilt Valentino Guggia, Ökonom der Migros Bank. Einen Negativzins will die Nationalbank nämlich gemäss eigenen Angaben nur einführen, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Preisstabilität mittelfristig gefährden.

US-Zölle, starker Franken und angestiegene Energiepreise werden sowohl die Binnenwirtschaft als auch die Auslandnachfrage belasten. Hierbei liegt viel ausserhalb des Einflussbereichs der SNB, für deren Handeln wir weiterhin Pragmatismus statt unnötige Hyperaktivität erwarten.

Valentino Guggia, Ökonom, Migros Bank

So ist die Hürde hoch gesetzt, auch weil die Kollateralschäden insbesondere bei den Immobilienpreisen, Sparguthaben und Vorsorgen der Zentralbank bekanntermassen gross wären. Zudem betonte die SNB ihre Bereitschaft, wenn nötig auf dem Devisenmarkt einzugreifen, um Druckspitzen auf den Franken entgegenzuwirken. «Das dürfte beispielsweise Mitte der zweiten Märzwoche der Fall gewesen sein, als der Wechselkurs gegenüber dem Euro unter 90 Rappen fiel», so Guggia. «In der Zwischenzeit hat die hiesige Währung etwas nachgegeben, bleibt aber als klassischer Zufluchtsort weiterhin gesucht.» Zurzeit verharrt die Teuerungsrate seit Monaten bei 0,1 Prozent. «Im aktuellen, von besonders erhöhter Unsicherheit geprägtem Umfeld sind zwei Faktoren mit gegensätzlichen Auswirkungen in der kurzen Frist auf die Inflationsentwicklung erkennbar», erläutert Guggia. «Zum einen hat sich der Franken gegenüber dem Euro weiter aufgewertet, was die Einfuhren zumindest vor Zweitrundeneffekten vergünstigt. Zum anderen wird die Inflation je nach Ausmass des Anstiegs der Energiepreise wieder leicht ansteigen. In der Summe rechnen wir ähnlich wie die SNB mit einer verhaltenen Zunahme der Teuerung, die keine Änderung des Leitzinses erfordern wird.»

Pragmatismus statt unnötige Hyperaktivität
Was das Wirtschaftswachstum angeht, muss man auch im Jahr 2026 mit einer verhaltenen Dynamik rechnen. «US-Zölle, starker Franken und angestiegene Energiepreise werden sowohl die Binnenwirtschaft als auch die Auslandnachfrage belasten. Hierbei liegt viel ausserhalb des Einflussbereichs der SNB, für deren Handeln wir weiterhin Pragmatismus statt unnötige Hyperaktivität erwarten», so Guggia. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Länge der Sperrung der Strasse von Hormuz und damit das Ausmass der Störung des Erdölangebots eine entscheidende Unbekannte. Dazu Guggia: «Entspannt sich die Lage innerhalb einiger Woche, rechnen wir mit vorübergehenden Effekten für die Inflation und das Wirtschaftswachstum. Dauert die Sperrung hingegen monatelang an oder kommt es zu noch gravierenderen Beschädigungen der kritischen Infrastruktur für die Erdöl- und Gasversorgung, wird dies für die Weltwirtschaft Spuren hinterlassen, die sich vor allem in Europa stark auswirken. Denn dieser Wirtschaftsraum hat sich noch nicht von den vergangenen Krisen erholt.»

Hauptbildnachweis: SNB