Der schwache Franken spielt der SNB in die Hände
Der Schweizer Franken verliert an Stärke – und das ist derzeit eher eine Entlastung als ein Problem.
Schweizer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit werfen derzeit eine Rendite von rund 0,55 Prozent ab, während deutsche Bundesanleihen etwa 3,5 Prozent, US-Treasuries 5 Prozent, britische Gilts 5,3 Prozent und japanische Staatsanleihen knapp 3 Prozent bieten. Dieser Renditenachteil macht Anlagen in Franken weniger attraktiv. Entsprechend notiert der Dollar gegenüber dem Franken rund 8 Prozent über seinem Jahrestief, der Euro etwa 5 Prozent. Besonders spannend ist die Frage, ob der Franken damit zunehmend den Yen als bevorzugte Finanzierungswährung für Carry Trades ablöst. Steigende japanische Zinsen und Interventionsrisiken sprechen für diesen Rollenwechsel – und könnten den Abwärtsdruck auf den Franken zusätzlich verstärken.
Erik Schafhauser, Senior Relationship Manager, Saxo Bank SchweizDer schwächere Franken verteuert Importe, zugleich hält der hohe Ölpreis den Preisdruck etwas aufrecht. Beides verringert die Gefahr, dass die Schweiz erneut in eine Deflation gerät.
Für die Schweizerische Nationalbank kommt diese Entwicklung gelegen. Der schwächere Franken verteuert Importe, zugleich hält der hohe Ölpreis den Preisdruck etwas aufrecht. Beides verringert die Gefahr, dass die Schweiz erneut in eine Deflation gerät. Für die anstehende Lagebeurteilung der SNB ist die Ausgangslage deshalb klar: Am Markt gilt ein unveränderter Leitzins als nahezu sicher. Spannender wird es jedoch danach.
Für März 2027 ist eine Anpassung um 0,25 Prozentpunkte nach oben eingepreist, bis Ende 2027 sind zwei weitere Anpassungen wahrscheinlich. Steigende Zinsen wären eine gute Nachricht für Sparer und könnten die Margen der Banken stützen. Entscheidend werden jedoch der weitere Verlauf des Ölpreises, die Wechselkursentwicklung und die langfristigen Renditen sein. Gerade die wachsende globale Schuldenlast dürfte den Kapitalmarkt nachhaltig beschäftigen.
Die nächste SNB-Entscheidung mag unspektakulär ausfallen – die darauffolgenden dürften deutlich spannender werden.