Die Zinserwartungen in den USA waren überzogen

Immer schneller, immer höher – so waren die Erwartungen der Ökonomen an die Zinsentwicklung in den USA. Nun zeigt sich, dass die Prognosen übertrieben waren.

Bis vor kurzem konnten die Zinserhöhungen in den USA gemäss den Erwartungen der Ökonomen nicht schnell genug kommen. Nun haben sich die Zinsfantasien wieder deutlich gelegt. Noch vor zwei Wochen rechnete die Mehrheit die Marktbeobachter damit, dass die US-Notenbank Fed im März gleich zwei Zinsschritte à 0,25 Prozentpunkte vollziehen würde. Sogar eine ausserplanmässige Zinserhöhung vor dem Meeting im März hatte die Runde gemacht. Doch alleine zwischen dem 10. und 20. Februar haben sich die Prognosen wieder deutlich relativiert. Inzwischen wird im März wieder mit einem Schritt gerechnet. Bis Ende Jahr dürften danach fünf weitere Zinsschritte folgen – also eine Erhöhung an fast jeder Zinssitzung der Fed. Diese Folgerungen lassen sich aus dem Protokoll der Fed-Sitzung im Januar ziehen, die kürzlich veröffentlicht wurden. Das Papier sorgte für keine weiteren Überraschungen. Das Gremium der US-Notenbank ist sich einig, dass eine «frühere und schnellere» Straffung der Geldpolitik angebracht sein dürfte. Für den Rückgang der Zinserwartungen sorgte nicht nur das Protokoll der Fed, sondern auch einzelne Aussagen von Mitgliedern der US-Notenbank. Aber auch die geopolitischen Spannungen rund um die Ukraine sorgten für einen Rückgang dieser Erwartungen.

Die US-Notenbank steht unter Druck, die steigenden Preise wieder unter Kontrolle zu bringen.

Rolf Biland, Chief Investment Officer, VZ VermögensZentrum

Zuletzt hatte der schnelle Anstieg der Inflation zu Zinssorgen an den Finanzmärkten gesorgt. Die Teuerung in den USA stieg im Januar auf 7,5 Prozent – so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die US-Notenbank steht nun unter Druck, die steigenden Preise wieder unter Kontrolle zu bringen. Eine andere grosse Notenbank hat in diesem Jahr bereits aus ähnlichen Gründen die Zinsen nach oben getrieben. Die Bank of England erhöhte den Leitzins schrittweise von 0,1 auf 0,5 Prozent. Offen bleibt derzeit, wann die Europäische Zentralbank (EZB) an der Zinsschraube dreht. Inzwischen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass die EZB bereits im Dezember einen Zinserhöhungszyklus einläuten könnte. Denn auch in der Eurozone verharrt die Inflationsrate auf hohem Niveau.

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