Symptom- statt Ursachenbekämpfung bei der Credit Suisse: Markus Diethelm soll Romeo Cerutti ablösen

Was in Branchenkreisen bereits länger erwartet wird, scheint sich nun zu bewahrheiten. Romeo Cerutti, der glücklos agierende, langjährige General Counsel der Credit Suisse, soll abgelöst werden. In den Startlöchern steht gemäss verschiedenen Medienberichten der bereits 65 Jahre alte Markus Diethelm, der in den vergangenen 13 Jahren als Chefjurist im Dienste der UBS stand.

Auf die Personalie angesprochen betont die Pressestelle der Credit Suisse «dass der Verwaltungsrat noch keine Entscheidung getroffen hat». Dennoch dürfte die Bestätigung von Markus Diethelm nur noch eine Formsache sein. Für ihn spricht seine grosse Erfahrung in Rechtstreitigkeiten. Er gilt als zäher Kämpfer, der die juristische Auseinandersetzung nicht scheut. So hat er in Frankreich die gegen die UBS verhängte, erstinstanzliche Busse von 4.5 Milliarden Euro erfolgreich vor einem Berufungsgericht in Paris angefochten. Die zweite Rechtsinstanz reduzierte in der Folge die Bussenzahlung auf 1.8 Milliarden Euro. Auch gegen dieses Urteil hat die UBS Berufung eingelegt. Der harte Kurs der UBS, welcher massgeblich die Handschrift von Markus Diethelm trägt, scheint sich auszuzahlen. Gleiches erhofft sich die Credit Suisse wohl auch von ihrem neuen General Counsel, ist sie doch aktuell in zahlreiche Rechtsverfahren verwickelt. Es drohen hohe Millionenbussen, die es abzuwenden gilt. Keine einfache Aufgabe für den Nachfolger von Romeo Cerutti, der für die Ära Rohner steht. Gleichzeitig ist die kolportiere Personalie auch Sinnbild für den desolaten Zustand der Credit Suisse. Die Bank fokussiert offenbar auch auf der Personalebene mehr auf Symptom- statt auf Ursachenbekämpfung. Natürlich ist es richtig, angesichts der derzeit ungenügenden Besetzung und des juristischen Ungemachs, dass der Credit Suisse noch bevorsteht, sich auf der General Counsel-Position schnellstmöglich angemessen aufzustellen. Dazu würde ein wohl temporärer Einsatz eines krisenerprobten Juristen vom Kaliber eines Markus Diethelm passen. Besser wäre allerdings die konsequente Abkehr von risikoreichen Geschäftsaktivitäten, die in den letzten Jahren zu Bussenzahlungen in Milliardenhöhe geführt haben. Noch besser wäre eine Geschäftsleitung, deren CEO glaubhaft für einen Neuanfang steht. Den grossen personellen Befreiungsschlag bleibt uns der Chairman der Credit Suisse bis dato noch schuldig. Axel P. Lehmann dürfte aber nicht umhin kommen, nachzulegen.

Hauptbildnachweis: Credit Suisse