74 zu 29 Prozent: Schwellenländer hängen Industrieländer ab

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Schwellenländeraktien haben seit Anfang 2025 deutlich zugelegt. Dennoch sehen wir weiteres Potenzial für die Anlageklasse. Aus unserer Sicht könnte die jüngste Rally erst der Beginn eines mehrjährigen Aufwärtszyklus sein. Dafür sprechen vor allem die Gewinnperspektiven: Laut Daten von J.P. Morgan und MSCI (Stand: Ende September 2026) wird für die Emerging Markets im Jahr 2026 ein Gewinnwachstum je Aktie von 74 Prozent erwartet, verglichen mit 29 Prozent in den entwickelten Märkten. Hinzu kommen attraktive relative Bewertungen und die vergleichsweise geringe Gewichtung von Schwellenländeraktien in globalen Anlegerportfolios.

Wir sehen das aktuelle Umfeld eher in der Anfangsphase eines längeren Schwellenländerzyklus als in einer späten Phase der Rally. Die gegenwärtige Situation erinnert an die Jahre 2001 und 2002. Seit dem Tiefpunkt im Januar 2025 haben Schwellenländeraktien laut Daten von J.P. Morgan und MSCI bis Ende Juni 2026 bereits eine Gesamtrendite von 72 Prozent in US-Dollar erzielt. Im Aufwärtszyklus der 2000er-Jahre summiert sich die Gesamtrendite vom Tiefpunkt 2001 bis zum Höhepunkt vor der globalen Finanzkrise auf 513 Prozent. Die Ausgangslage der Unternehmen ist heute jedoch in vielerlei Hinsicht robuster als in früheren Zyklen: stärkere Bilanzen, eine diszipliniertere Kapitalallokation und eine höhere Qualität der Gewinne könnten eine länger anhaltende Phase überdurchschnittlicher Wertentwicklung unterstützen.

Gewinnwachstum als Treiber der nächsten Rallyphase
Auch für 2027 rechnen die Analysen von J.P. Morgan und MSCI mit einem deutlichen Gewinnvorsprung der Schwellenländer: Während für Emerging Markets ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 24 Prozent erwartet wird, liegen die Prognosen für entwickelte Märkte bei 15 Prozent und für die USA bei 17 Prozent per Ende September 2026.

Laut Daten von J.P. Morgan und MSCI wird für die Emerging Markets im Jahr 2026 ein Gewinnwachstum je Aktie von 74 Prozent erwartet, verglichen mit 29 Prozent in den entwickelten Märkten.

James Donald, Head of Emerging Markets, Lazard Asset Management

Allerdings verteile sich diese Dynamik nicht gleichmässig über die Anlageklasse. Ein wichtiger Teil des erwarteten Gewinnwachstums entfällt auf Asien. Besonders Südkorea und Taiwan profitieren von der Nachfrage nach Halbleitern, Hochbandbreitenspeichern und anderen Komponenten für KI-Anwendungen. Gleichzeitig zeigen Chinas Technologie- und Industriesektoren eine solide Widerstandsfähigkeit bei den Unternehmensgewinnen, obwohl die Binnennachfrage verhalten bleibt. In Indien und Teilen Lateinamerikas stützen dagegen eine sich verbessernde Inlandsnachfrage, Erträge im Finanzsektor und Reformen die Gewinnaussichten.

Bewertungsabschläge und geringe Anlegergewichtung
Auch die relativen Bewertungen sprechen aus für Schwellenländeraktien. Trotz der starken Kursentwicklung seit 2025 ist der Bewertungsabschlag gegenüber Aktien aus entwickelten Märkten im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt weiterhin gross. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei Unternehmen, die am globalen KI-Investitionszyklus beteiligt sind. In Bereichen wie Halbleiter, Software und digitale Infrastruktur werden Unternehmen aus den Emerging Markets mit Bewertungsabschlägen von rund 30 bis 50 Prozent gegenüber vergleichbaren US-amerikanischen Aktien gehandelt, obwohl ihr Gewinnwachstum ähnlich hoch oder teilweise sogar höher ausfällt. Ein weiterer Faktor ist die bislang vergleichsweise geringe Gewichtung der Anlageklasse in globalen Anlegerportfolios. Im Februar 2025 entfielen lediglich 5,9 Prozent der Anlagen globaler Aktienfonds auf Emerging Markets. Gleichzeitig repräsentierten die Schwellenländer 23,1 Prozent der globalen Aktienmarktkapitalisierung und 61,9 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die wirtschaftliche Bedeutung der Schwellenländer spiegelt sich bislang nur begrenzt in ihrer Gewichtung in globalen Aktienportfolios wider. Das kann Spielraum für eine stärkere Berücksichtigung der Anlageklasse eröffnen. Eine solche Entwicklung ist allerdings kein Selbstläufer, sondern hängt auch davon ab, ob sich die positiven Gewinn- und Wachstumsperspektiven bestätigten.

Nicht alle Schwellenländer profitieren gleichermassen
Anhaltend hohe Energiepreise können insbesondere energieimportierende Volkswirtschaften in Asien belasten, während rohstoffexportierende Länder teilweise davon profitieren. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, Veränderungen globaler Lieferketten und unterschiedliche geld- und fiskalpolitische Rahmenbedingungen. Auch der Technologiesektor in Nordasien ist trotz seiner starken Gewinnperspektiven nicht frei von Risiken. Die jüngsten Kursverluste bei südkoreanischen Halbleiterwerten verdeutlichen zudem, wie anfällig die Märkte für Stimmungsschwankungen rund um den KI-Investitionsboom seien. Dennoch bleiben wir trotz dieser Risiken zuversichtlich. Die Kombination aus überdurchschnittlichem Gewinnwachstum, weiterhin attraktiven relativen Bewertungen und einer vergleichsweise geringen Gewichtung in globalen Portfolios spricht dafür, dass der Aufwärtszyklus der Schwellenländeraktien anhalten könnte. Da die Chancen jedoch nicht gleichmässig verteilt sind, ist es wichtig, die Fundamentaldaten und Bewertungen einzelner Unternehmen sorgfältig zu analysieren.

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