Benko-Fiasko: Julius Bär räumt riesiges Kredit-Exposure von über 600 Millionen Franken ein

Nachdem die Schweizer Privatbank Julius Bär vor Wochenfrist Rückstellungen über 70 Millionen Franken auf ihrem Kreditportfolio bekannt geben musste, räumt sie nun das gesamte Ausmass einer toxischen Geschäftsbeziehung ein, die mutmasslich auf den umstrittenen österreichischen Financier René Benko bzw. dessen Signa-Gruppe zurückgeht. Ein Desaster für Philipp Rickenbacher, CEO von Julius Bär, und seine Kollegen im Risiko-Ausschuss der Bank, das unschöne Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Julius Bär hat am 20. November 2023 in einem Interim Management Statement für die ersten zehn Monate 2023 bekannt gegeben, dass die Gruppe in ihrem Kreditportfolio nach dem 31. Oktober 2023 Rückstellungen in Höhe von 70 Millionen Franken buchen musste. Nun bestätigt die Bank, dass sich dieser Betrag in erster Linie auf das grösste Einzelengagement im Private Debt Kreditbuch bezieht. Dieses nominale Engagement, dass mutmasslich auf den umstrittenen österreichischen Financier René Benko bzw. dessen Signa-Gruppe zurückgeht, beläuft sich insgesamt auf sagenhafte 606 Millionen Franken und umfasst offenbar drei Kredite an verschiedene Einheiten innerhalb eines (ungenannten) europäischen Konglomerats. Das Gesamtengagement gegenüber dieser Kundengruppe sei durch mehrere Pakete von Sicherheiten in Verbindung mit Gewerbe-Immobilien und Luxuseinzelhandel besichert und unterliege nun einer längerfristigen Restrukturierung. Julius Bär habe Massnahmen ergriffen, um seine Interessen zu schützen und den Wert der gestellten Sicherheiten zu erhalten. Ironischer Nachsatz in der Pressemitteilung der Bank: «Die Gruppe bleibt umsichtig beim Buchen weiterer Wertberichtigungen, sofern diese erforderlich sind».

Wir bedauern, dass ein einzelnes Engagement zur gegenwärtigen Verunsicherung unserer Stakeholder geführt hat.

Philipp Rickenbacher, CEO Julius Bär

Naturgemäss versucht sich Julius Bär in Schadensbegrenzung. Wie die Bank weiter verlauten lässt, biete sie Private Debt als eine strukturierte Finanzierungslösung ausschliesslich im Rahmen der ganzheitlichen Vermögensverwaltung für UHNW-Kunden an. Per 31. Oktober 2023 habe sich das Private Debt-Kreditbuch auf 1,5 Milliarden Franken als Teil eines Gesamtkreditbuchs von 41 Milliarden Franken belaufen. Das erwähnte Engagement sei das grösste im Private Debt-Kreditbuch. Das übrige Portfolio umfasse Kredite an nicht miteinander verbundene Gegenparteien und in verschiedenen Sektoren mit einer hohen Qualität der Vermögenswerte. Philipp Rickenbacher, Chief Executive Officer der Julius Bär Gruppe AG, sagt: «Julius Bär ist sehr gut kapitalisiert und ist unter jeglichen Umständen stets profitabel gewesen. Wir bedauern, dass ein einzelnes Engagement zur gegenwärtigen Verunsicherung unserer Stakeholder geführt hat. Zusammen mit der Vermögensanlage und der Vermögensplanung über mehrere Generationen sind Finanzierungen ein fester Bestandteil des Vermögensverwaltungsangebots für unsere Kunden. Ausgehend von dieser Grundlage werden wir zusammen mit dem Verwaltungsrat unser Private Debt Geschäft und den Rahmen, in dem es betrieben wird, überprüfen.»

Hauptbildnachweis: Julius Bär