Aktienmärkte bleiben in Rekordlaune
Der positive Trend an den Aktienmärkten wird aktuell weder durch die anrollende nächste Pandemiewelle, noch durch das Debakel in Afghanistan beeinträchtigt. Doch wie geht es weiter und – ist in der Schweiz ein Ende der Negativzinsphase absehbar?
Weder die gerade anrollende nächste Pandemiewelle noch das Debakel in Afghanistan vermögen den positiven Trend an den Aktienmärkten zu beeinträchtigen. Die Erholung der Weltwirtschaft hat sich in starken Unternehmensgewinnen im zweiten Quartal bemerkbar gemacht. Die globale Wirtschaftsleistung dürfte im zweiten Quartal 2021 das Vor-Pandemie-Niveau des vierten Quartals 2019 leicht übertroffen haben. Auch die Arbeitsmärkte in Europa und den USA setzen ihren Erholungstrend weiter fort.
Auch die Schweizer Wirtschaft brummt. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie hat mit 71.1 Punkten für den Monat Juli ein Allzeithoch erreicht. Die Schweizer Wirtschaft dürfte dieses Jahr über 3.5% wachsen und auch für das nächste Jahr wird ein Wachstum von gut 3% erwartet. Das Wachstum der Zahl der Beschäftigten in der Schweiz dürfte in den kommenden Jahren nicht mehr wie vor der Pandemie die hohen Werte von +0.8% pro Jahr erreichen, aber die Zuwanderung dürfte dennoch mit einem Plus von +0.3% pro Jahr das Wirtschaftswachstum weiter stützen.
Sandro Merino, CIO Basler KantonalbankDie Schweizer Wirtschaft dürfte dieses Jahr über 3.5 Prozent wachsen und auch für das nächste Jahr wird ein Wachstum von gut 3 Prozent erwartet.
Der Schweizer Franken ist relativ zum Euro wieder etwas stärker. Das Festhalten der SNB an den Negativzinsen und die Interventionen an den Währungsmärkten haben eine heftigere Aufwertung des Frankens bisher verhindert. Diese robusten Rahmenbedingungen lassen zudem erwarten, dass der bald 20 Jahre andauernde Preisanstieg bei den Schweizer Immobilien auch im nächsten Jahr anhält.
Unsicherheiten zur weiteren Zinsentwicklung
Es erstaunt etwas, dass trotz dieser robusten wirtschaftlichen Erholung, die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen mit 1.27% nah bei historischen Rekordtiefs notieren. Die US-Notenbank schätzt den deutlichen Inflationsanstieg der letzten Monate in den USA als vorübergehend ein und bleibt bezüglich des Zeitpunkts der erwarteten Straffung der geldpolitischen Zügel recht vage. Einige Marktbeobachter erwarten aber einen Anstieg des Zinsniveaus am langen Ende der Zinskurve. Eine Zinsbewegung die zur gegenwärtigen robusten Konjunkturlage durchaus passen würde. Dazu passend gab die Meldung zu reden, dass Michael Burry gegenwärtig auf steigende US-Zinsen wetten soll. Michael Burry wurde im Film «The big short» als unorthodoxer Schlagzeug spielender Hedge Fund Manager portraitiert, der sich mit seinem Fonds Scion während der grossen Bankenkrise 2008/2009 letztlich äusserst erfolgreich gegen US-Hypothekarverbriefungen positioniert hatte. Die Aufmerksamkeit die seine Anlagestrategie erhält, sagt wohl auch etwas über die derzeitigen Risiken im US-Zinsmarkt aus.
Ein Ende der Negativzinsphase in der Schweiz ist derzeit nicht absehbar. Es ist aber wahrscheinlich, dass eine Verschiebung des US-Zinsniveaus nach oben die Voraussetzung für eine Normalisierung der Zinsen in der Schweiz schaffen würde. Insgesamt sind die Unsicherheiten für die künftige Zinsentwicklung ein zentraler Risikofaktor, den man trotz guter Laune an den Aktienmärkten nicht aus den Augen verlieren sollte.