Romeo Lacher: Ein Abgang, der sich angekündigt hat

Julius Bär hat am vergangenen Montag vermeldet, dass sich der amtierende Verwaltungsratspräsident Romeo Lacher an der Generalversammlung vom 10. April 2025 nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird. Daraufhin war in einzelnen Medien von einem «Paukenschlag» oder von einer «Überraschung» die Rede. Nicht wirklich, oder?

Mit Romeo Lacher geht erwartungsgemäss ein weiterer Verantwortungsträger, namentlich für die Benko-Kredite, die auch er mutmasslich durchgewunken hat, von Bord der Schweizer Privatbank. Er ist damit der zweite «prominente» Abgang nach CEO Philipp Rickenbacher, der bereits im Februar 2024 wenig überraschend seinen Hut nehmen musste. Zwar wird insinuiert, dass Romeo Lachers Entscheidung auf freiwilliger Basis erfolgt ist. Klar ist aber, dass die Rücktrittsforderungen an seine Adresse, im Nachgang an die Aufarbeitung des Benko-Kreditdebakels, nie abgebrochen sind. Sein Verbleib als Chairman wurde bestenfalls geduldet und mit dem Argument erklärt, dass erst ein Nachfolger für den geschassten Philipp Rickenbacher verpflichtet werden müsse.

Mit Stefan Bollingers Antritt als CEO schlägt Julius Bär ein neues Kapitel auf. Es ist ein guter Zeitpunkt für diesen Wechsel auf Stufe Verwaltungsrat.

Romeo Lacher, Präsident des Verwaltungsrats von Julius Bär

Seit rund drei Wochen ist nun Stefan Bolliger als neuer CEO von Julius Bär in Amt und Würde. Grosse Hoffnungen und Erwartungen lasten auf ihm. Deshalb dürfte sein Bedürfnis, einen Neuanfang mit einem vorbelasteten Chairman, notabene seinem Vorgesetzten, zu lancieren, wenig ausgeprägt gewesen sein. Bei aller Kritik ist Romeo Lacher aber anzurechnen, dass er Hand geboten hat für eine geordnete Wachablösung auf operativer und nun – seine Position als Chairman betreffend – auch auf strategischer Ebene. Unbeantwortet bleibt seine Selbstreflexion in Bezug auf das eigene Fehlverhalten in der Causa Benko. Vielleicht schreibt er dereinst ein Buch darüber.

Who ist next?
Die naheliegende Frage, die sich nun stellt ist, wer Romeo Lachers Nachfolge antreten wird. Hierzu lässt Julius Bär verlauten, dass der Verwaltungsrat frühzeitig einen Suchprozess für externe Kandidatinnen und Kandidaten eingeleitet hat und dass dieser Prozess kurz vor dem Abschluss steht. Mit anderen Worten: Der Kandidat oder die Kandidatin ist nominiert, nur die formelle Entscheidung des Verwaltungsrates steht noch aus. Von den möglichen Nachfolgern, die medial herumgereicht werden, räumt dieses Medium bestenfalls Sabine Keller-Busse von der UBS eine realistische Chance ein, sofern a) das Geschlecht und b) Erfahrung im Schweizer Banking unabdingbare Selektionskriterien sind. Inwieweit allerdings ihre Persönlichkeit – ihr eilt der Ruf einer kühlen und wenig empathischen Managerin voraus – mit der DNA von Julius Bär im Allgemeinen und mit der gewinnenden Persönlichkeit von CEO Stefan Bolliger korrespondiert, lassen wir an dieser Stelle offen. Chancenlos hingegen dürfe Ralph Hamers, der glücklose Kurzzeit-CEO der UBS sein. Auch er wurde unlängst in einem Schweizer Wirtschaftsmedium als möglicher Kandidat genannt. Es dürfte sich dabei allerdings um eine klassische Zeitungsente handeln. Und vielleicht überrascht uns Julius Bär auch mit einer Persönlichkeit, die niemand auf dem Radar hatte – zumindest bei der CEO-Personalie ist ihr dies mit Stefan Bolliger bereits einmal gelungen.

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