Vom Armenhaus zum Wirtschaftswunder: Die Erfolgsgeschichte des Kanton Zug

Der Schweizer Kanton Zug verzeichnet die zweithöchste Wirtschaftsleistung pro Kopf im Land. Vom einstigen Armenhaus hat er sich dank günstiger Steuerbedingungen zu einem Unternehmensmagneten entwickelt.

Der Schweizer Kanton Zug liegt am Zuger See und grenzt an die Kantone Zürich und Luzern. Es wirkt idyllisch. Doch die Wirtschaftsleistung ist mit über 192'000 Franken pro Kopf nach Basel-Stadt die zweithöchste in der Schweiz und mehr als doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt (rund 90'000 Franken). Ein Einwohner hat den Kanton Zug als «Insel der Glückseligen auf einer Insel der Glückseligen» bezeichnet. Doch das war nicht immer so.

Zug schuf besonders günstige Bedingungen für sogenannte Domizil- und gemischte Gesellschaften.

Prof. Dr. Gunther Schnabl, Direktor Flossbach von Storch Research Institute

Der Kanton Zug war zu Beginn des 19. Jahrhunderts einer der ärmsten in der Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Landwirtschaft an Bedeutung und die Industrialisierung war begrenzt. Zug schuf besonders günstige Bedingungen für sogenannte Domizil- und gemischte Gesellschaften. Dabei handelte es sich um Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit ganz oder überwiegend im Ausland stattfand.

Steuervorteile als Wachstumsmotor
Der auf die Schweiz entfallende Teil der Gewinne wurde voll besteuert, während ausländische Erträge nur teilweise in die kantonale Bemessungsgrundlage einflossen. Die effektive Gewinnsteuer lag so deutlich unter dem ordentlichen Satz. Das zog viele Holding-, Lizenz-, Handels- oder Finanzierungsgesellschaften an. Die Anzahl der Zuger Firmen stieg von 850 im Jahr 1945 auf 37'000 im Jahr 2022. Mit den Unternehmen kamen viele Arbeitskräfte. Zwischen 1950 und 2020 verdreifachte sich die Bevölkerung, begleitet von einem wachsenden Anteil von Ausländern, der heute bei fast 30 Prozent liegt. Die klar bürgerlichen kantonalen und kommunalen Legislativen und Exekutiven investierten die Früchte des Aufschwungs in Schuldenabbau und Steuersenkungen.

Nicht nur eine Frage der Steuern
Auf Druck von OECD und EU wurde die privilegierte Besteuerung für Holding-, Domizil- und gemischte Gesellschaften im Jahr 2020 abgeschafft. Trotzdem bleibt der Kanton Zug ein Niedrigsteuerland. Für einen Alleinstehenden mit 100'000 Franken Einkommen liegt die effektive Steuerbelastung bei rund 8.2 Prozent, die effektive Vermögensteuer im Bereich von 0.1 bis 0.2 Prozent pro Jahr. Der kombinierte Gewinnsteuersatz (Bund, Kanton, Gemeinde) für Unternehmen ist etwa 11.9 Prozent. Niedrige Steuern allein erklären den Erfolg jedoch nicht. Eine hohe Standortqualität, eine gute Verkehrsanbindung und politische Stabilität machen den Kanton Zug attraktiv. Eine leistungsfähige Verwaltung sowie die Innovations- und Leistungsbereitschaft der alteingesessenen und der zugezogenen Bevölkerung bringen das idyllische Stück Erde voran.

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