So ticken Family Offices
In einer Zeit, die von wirtschaftlicher Unsicherheit, erhöhter Volatilität und sich verändernder Marktdynamik geprägt ist, stellen sich Family Offices dem Wandel und richten ihre Anlagestrategien neu aus. So erschliessen sie zunehmend auch Chancen in den Private Markets, was Ausdruck eines proaktiven und zuversichtlichen Ansatzes für die Zukunft ist. Zu diesen Ergebnissen kommt die diesjährige «Schroders Global Investor Insights Survey».
Die Umfrage, bei der mehr als 100 Family Offices auf der ganzen Welt befragt wurden, bietet auch Einblicke in die drängendsten Fragen, die ihre Investitionsentscheidungen beeinflussen, und die Anlagethemen, die ihrer Meinung nach Bestand haben werden.
Zinsen und Zentralbanken ganz oben auf der Agenda
Da sich die Ära der hohen Zinsen ihrem Ende zuzuneigen scheint, bleibt die Geldpolitik ein wichtiges Thema für Anleger. Family Offices auf der ganzen Welt konzentrieren sich besonders darauf, wie sich die anhaltend hohen Zinsen und die Geldpolitik im nächsten Jahr auf ihre Anlageportfolios auswirken könnten. Dies unterstreicht eine Mischung aus vorsichtigem Optimismus inmitten der wirtschaftlichen Unsicherheit und spiegelt die Stimmung wider, die in der Umfrage auch unter der breiteren Basis institutioneller Investoren zu beobachten war.

Im September entschied sich die US-Notenbank Fed für eine unerwartet starke Zinssenkung um 50 Basispunkte, wohingegen im November der Zinsschritt mit 25 Basispunkten kleiner ausfiel. Sollte die Fed in Zukunft die Zinsen weiterhin aggressiv senken, während sich die Wirtschaft als widerstandsfähiger als erwartet erweist, könnte die Geldpolitik am Ende unseren Ökonomen zufolge zu locker sein. Damit könnte der Inflationsdruck, von dessen Rückgang man bislang ausging, wieder aufleben. George Brown, Senior US Economist bei Schroders, sagt: «Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) sowohl im März als auch im Juni nächsten Jahres Zinssenkungen um 25 Basispunkte vornehmen wird, bevor er eine Bilanz der bis dato erfolgten Zinsschritte zieht. Wenn sich die Inflation anschliessend in Grenzen hält, dürfte dies die Tür für eine weitere moderate Lockerung im Jahr 2026 öffnen.» In der Tat werden sowohl der wirtschaftliche Abschwung als auch die geopolitische Lage für 65% der Befragten als Hauptrisiken genannt. Trotzdem zeigen sich fast 60% der Befragten zuversichtlich, ihre Anlageziele in den nächsten ein bis zwei Jahren zu erreichen. Insgesamt sind wir der Ansicht, dass die Fed an ihrem Vorhaben festhalten dürfte, die Inflation einzudämmen.
Katherine Cox, Global Head of Long-Term Asset Owners, SchrodersFamily Offices auf der ganzen Welt konzentrieren sich besonders darauf, wie sich die anhaltend hohen Zinsen und die Geldpolitik im nächsten Jahr auf ihre Anlageportfolios auswirken könnten.
Sorgen von Family Offices
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit, der sich auf dem Vormarsch befindenden künstlichen Intelligenz (KI) und des drängenden Problems des Klimawandels überdenken viele Anleger, darunter auch Family Offices, lang gehegte Annahmen und Strategien. Die Überwachung von Risiken und Investitionen ist der Umfrage zufolge für 41% der Family Offices das wichtigste Anliegen, was ihre erhöhte Wachsamkeit bei der Verwaltung von Portfolios in einem volatilen Marktumfeld verdeutlicht. Eine kohärente Strategie ist entscheidend, um die bevorstehenden Veränderungen zu meistern. Aus diesem Grund geben 38% der Family Offices an, dass die Auswahl der Investments nach wie vor eine der wichtigsten Prioritäten darstellt. Somit ist sie das am zweithäufigsten genannte Anliegen. Das Leben in einer Zeit des Wandels wirkt sich auch auf die Nachfolgeplanung und den Generationswechsel aus – ein weiteres wichtiges Anliegen von 35% der befragten Family Offices.
Private Markets stehen im Mittelpunkt
Private Markets werden zunehmend beliebter – nicht nur bei institutionellen Anlegern, sondern auch im weiteren Sinne. Es ist allgemein anerkannt, dass Private Assets eine Renditesteigerung gegenüber den Public Markets und in einigen Fällen eine Risikominderung und gleichzeitig Vorteile bei der Diversifizierung aufweisen. Family Offices folgen diesem Trend nicht nur, sondern sind Vorreiter. Unsere Studie unterstreicht, dass beeindruckende 77% der Family Offices in Private Markets investieren, verglichen mit fast 70% bei anderen institutionellen Anlegern.

Family Offices investieren nicht nur vermehrt in Private Markets, sie tätigen auch deutlich höhere Investments als andere Anlegertypen. Ein Drittel gibt an, dass die Private Markets 20% oder mehr ihres Gesamtportfolios ausmachen, was ihre höhere Risikotoleranz und grössere Flexibilität bei der Auswahl der Anlagen unterstreicht. Darüber hinaus dürften ihre umfangreichen Netzwerke wohl auch Zugang zu Nischen und attraktiven Anlagemöglichkeiten auf dem Markt bieten. Johanna Kyrklund, Group Chief Investent Officer bei Schroders, meint hierzu: «Wir sprechen oft von Private Assets als einem grossen Block, aber wir müssen diesen immer auf den jeweiligen Nutzen fürs Portfolio herunterbrechen. Eröffnen Private Assets Zugang zu Anlagethemen, die über Public Markets nur schwer abgebildet werden können, wie etwa KI? Ermöglichen sie eine bessere Diversifizierung oder werden konträre Investitionsmöglichkeiten erschlossen?»

Was die bevorzugten Anlageklassen betrifft, so sind Private Equity (56%), Real Estate Equity (43%) und Private Debt (41%) die drei Bereiche, in denen Family Offices ihre Allokation in den nächsten zwölf Monaten wahrscheinlich erhöhen würden. Es überrascht nicht, dass die Hälfte der Befragten besonders von der Langfristigkeit und den potenziellen Renditen der Private Markets angetan ist. Eine grosse Gruppe (44%) der Family Offices gibt auch an, dass sie einen Teil oder die gesamte Investitionstätigkeit in diesem Bereich auslagern, was auf den Bedarf an starken Beziehungen zu ihrem Netzwerk von General Partners (GP) hinweist.
Kernthemen im Fokus
Die Umfrage zeigt signifikante thematische Trends auf, von denen Family Offices erwarten, dass sie die Investitionslandschaft in den nächsten Jahren prägen werden. Disruptive Technologien wie KI, intelligente Fertigung und Robotik sind führend: 55% der Family Offices sind der Meinung, dass Aktien die beste Anlageklasse sind, um diese Trends zu erschliessen. Auch hier weckt der Trend zur Dekarbonisierung, der den Klimawandel und die Energiewende umfasst, ein erhebliches Interesse an den Private Markets, wobei 42% der Family Offices in diesem Bereich beträchtliche Chancen erwarten. Tatsächlich investieren mehr als 80% der Befragten bereits in die Energiewende oder planen, dies in den nächsten ein bis zwei Jahren zu tun. Die Energiewende bietet bekanntermassen enorme Chancen für Anleger: So decken sich die diesjährigen Ergebnisse auch mit dem wachsenden Interesse unserer Kunden an Assets aus den Segmenten Infrastruktur erneuerbare Energien.