Wir stehen erst am Anfang: Der Goldpreis steigt weiter – Diversifikation ist ratsam
Anleger dürfen sich auf weitere Kursgewinne freuen. Investoren sollten in Erwägung ziehen, ihre Portfolios breiter aufzustellen. Denn die Geschichte zeigt: Diversifikation in Zeiten grosser Umbrüche ist Gold wert ist.
Viele Anleger und Investoren glauben derzeit, dass die Tech-Rallye noch lange anhalten wird – und es sich deshalb nicht lohnt, in andere Wirtschaftssektoren zu investieren. Doch jede Rallye endet irgendwann. Am Schluss gilt das alte Sprichwort: «Den Letzten beissen die Hunde.» Ich bin kein Schwarzmaler, doch am Horizont zeichnen sich Anzeichen einer Rotation im Investorenverhalten ab. Die Marktbreite im Technologiesektor hat deutlich abgenommen – zuletzt waren es vor allem die «Magnificent 7», deren relative Stärke den Markt getragen hat.
Wir sind mitten in der 4. Goldrallye
Aktuell befinden wir uns in der vierten grossen Goldrallye. Die Vergangenheit liefert dafür wertvolle Erkenntnisse:
- Jede Goldrallye wurde durch eine Rotation der Anlagepräferenzen ausgelöst.
- In jeder dieser Phasen verloren Aktienmärkte rund 50 % oder mehr.
- Goldrallyes dauerten im Durchschnitt acht Jahre oder länger.
- Der Goldpreis stieg stets im Verbund mit anderen Rohstoffen.
Wenn wir den Beginn dieser Phase auf März 2020 datieren, befinden wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach noch immer in der Frühphase des Zyklus. Viele Rohstoffe haben bislang kaum partizipiert – das dürfte sich, historisch betrachtet, noch ändern. So hat Silber z.B. noch nicht einmal das Niveau von 1980 erreicht.
Cornel Bruhin, Portfoliomanager, MainFirstViele Anleger und Investoren glauben derzeit, dass die Tech-Rallye noch lange anhalten wird. Doch jede Rallye endet irgendwann.
Besonders aufschlussreich ist das aktuelle Verhältnis von Gold zu Silber: Derzeit liegt es bei etwa 89 (Goldpreis geteilt durch Silberpreis), während es in früheren Hochphasen stets zwischen 15 und 45 lag. Dieses Verhältnis macht deutlich, dass wir uns wohl noch nicht einmal in der Nähe eines Hochpunkts befinden. In der Erdkruste kommt Silber etwa achtmal häufiger vor als Gold – historisch betrachtet ist Silber ein Spätzünder, der am Ende des Zyklus sogar stärker steigt als Gold.
Drei bedeutende Goldrallyes der letzten 100 Jahre:
- Die 1930er Jahre – Gold als sicherer Hafen nach dem Börsencrash
Nach dem Börsencrash von 1929 erlebte der Markt zunächst einen Hype um Auto- und Radioaktien. Doch der Gesamtmarkt verlor bis 1932 über 80% seines Wertes. Bis 1937 verblieb noch immer ein Minus von 50% im Vergleich zu 1929. In dieser Zeit stiegen Gold und Rohstoffe um rund 200%. Der US-Staat wertete den Goldpreis in den frühen 1930er Jahren auf 35 US-Dollar auf und forderte die Bevölkerung auf, ihr Gold abzugeben. Der private Goldbesitz wurde verboten. - Die 1970er Jahre – Inflation, Ölkrise und Goldboom
In den späten 1960er Jahren führte der Hype um die sogenannten «Nifty Fifty» – darunter IBM, Coca-Cola und Eastman Kodak – zu einem Börsenrausch. Vom Höchststand 1972 bis 1974 verlor der Markt fast 50%. In derselben Zeit hob Präsident Nixon die Goldpreisbindung des US-Dollars auf. Der Goldpreis stieg bis 1974 von 35 auf 185 US-Dollar und erreichte 1980 einen Höchststand von 850 US-Dollar. Auch andere Rohstoffe legten massiv zu: Der Bloomberg Commodity Index stieg zwischen 1970 und 1980 von 16 auf 160 Punkte. Begleitet wurde diese Entwicklung von hoher Inflation und Phasen der Stagflation – Erinnerungen an gehortetes Mehl und Zucker zu Hause sind vielen noch präsent. - Die 2000er Jahre – Platzen der Tech-Blase und Rohstoffboom
Der Anfang der 2000er Jahre markierte das Ende des ersten Technologiebooms. Der Nasdaq verlor zwischen 2000 und 2002 fast 80% seines Wertes – erst 2015 wurde das Niveau von 2000 wieder erreicht. Der Goldpreis stieg hingegen zwischen 2001 und 2012 von 250 auf 1’900 US-Dollar. Auch diesmal zogen die Rohstoffpreise mit: Der Ölpreis stieg von 18 US-Dollar pro Fass (2001) auf 140 US-Dollar im Jahr 2008.