Warum es zunehmend schwieriger wird, in den Klimawandel zu investieren

Was die Massnahmen zum Klimaschutz angeht, war 2020 ein aussergewöhnliches Jahr. Öffentlichkeit, Regierungen, Unternehmen und die Finanzmärkte vollzogen einen Kurswechsel, da sie sich der Dringlichkeit der Klimakrise bewusst wurden. Gemeinsam werden nun Investitionen, Forschung und Entwicklung sowie internationale Zusammenarbeit einen schnelleren Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft herbeiführen.

Investieren ist jedoch selten so einfach. Als sich die Finanzmärkte 2020 mit dem Ausmass der bevorstehenden Herausforderungen konfrontiert sahen, spiegelten die Unternehmensbewertungen dies wider. Es folgte eine kräftige Heraufstufung der Bewertungen von Unternehmen mit starker Technologie in Bereichen wie erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft (ein Wirtschaftssystem zur Beseitigung von Abfall und fortgesetzter Ressourcennutzung) und nachhaltige Lebensmittel.

Bislang sind sowohl die neue politische als auch die geschäftliche Dynamik für Investoren in Unternehmen, die sich im Klimakampf einsetzen, enorm nützlich.

Simon Webber, Portfoliomanager, Schroders

Die Heraufstufung veranschaulicht hauptsächlich die besseren Wachstumsaussichten für Branchen und Unternehmen, die in die Schaffung von Lösungen investierten, während sich das Tempo des Wandels beschleunigt.

Der Wettbewerb intensiviert sich

Die höheren Bewertungen des Markts für Vermögenswerte des Klimawandels versprechen einerseits Gegenwind für künftige Anlagerenditen. Andererseits führt eine grössere Wahrnehmung des Wandels und der künftigen Wachstumschancen zwangsläufig zu einem intensiveren Wettbewerb. Dieser Wettbewerb entsteht durch neue Marktteilnehmer und bestehende Unternehmen in angrenzenden Branchen, die ihre Strategie neu ausrichten.

Solarenergie
Dies liess sich bereits in der Solarindustrie beobachten, wo der Wettbewerb die Renditen in klimabezogenen Branchen senkte. Chinesische Unternehmen haben im vergangenen Jahrzehnt mit beträchtlichen Investitionen und Kapazitätserweiterungen die Branche standardisiert und fragmentiert. Die Folge? Nahezu alle nichtchinesischen Hersteller wurden vom Markt verdrängt. Einzelne Unternehmen haben diesen Zeitraum des intensiven Wettbewerbs überstanden. Dazu gehört beispielsweise First Solar. Mit wegweisender und firmeneigener Technologie sowie Fertigungsmethoden für Solarmodule gelang es dem Unternehmen, kontinuierlich Kosten zu senken und die Margen zu schützen. Insgesamt war die Solarindustrie jedoch eine verheerende langfristige Investition. Ein weiteres Beispiel sind Kathodenmaterialien – wesentliche Bestandteile von Lithium-Ionen-Batterien. Tatsache ist, dass die Batterietechnologie die Umstellung des Automobilmarkts vom Verbrennungsmotor zum Elektrofahrzeug ermöglichen kann. Hier eröffnet sich eine immense künftige Wachstumschance, wenn die globale Verbreitung der Elektrofahrzeuge von bislang 5 % auf letztlich 100 % zunimmt. Die Zulieferer dieser Branche, darunter auch Kathodenhersteller, haben ihre Produktion drastisch hochgefahren. Gleichzeitig gibt es aber auch – vor allem in China – neue Marktteilnehmer, die ihre Kapazität ausbauen. Die Branchenstruktur ist daher fragmentiert. Trotz des robusten Wachstums herrscht auf dem Markt ein Überangebot, und die Margen und Kapitalrenditen stehen bei allen Teilnehmern unter Druck. Hierbei handelt es sich um historische Beispiele. Aber es gibt auch aktuellere Situationen, wo wir einen intensiveren Wettbewerb und eine zunehmende Fragmentierung beobachten.

Elektrofahrzeuge
Zu den etablierten Spezialunternehmen wie Tesla und NIO rücken inzwischen eine Reihe neuer Marktteilnehmer auf. Zahlreiche andere Start-ups haben Kapital aufgenommen und sind über Mantelgesellschaften (Special Purpose Acquisition Companies, SPAC) notiert. Und bekannte Fahrzeugmarken haben eine Hülle und Fülle neuer Modelle vorgestellt. Derzeit scheint keine Woche zu verstreichen, in der nicht ein Hersteller ankündigt, er sei bis 2030 oder 2035 ein Anbieter von Elektrofahrzeugen. Das ist aber noch nicht alles. Es wird gemunkelt, dass Apple in einigen Jahr ebenfalls am Markt präsent sein wird. Für das Volumenwachstum ist dieser Wettbewerb günstig, und einige Zulieferer werden dabei sehr gut abschneiden. Höchstwahrscheinlich wird es für die Autohersteller viel schwieriger sein, den Verbraucher zu überzeugen und Marktanteile zu gewinnen.

Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
Der Markt fragmentiert sich aufgrund der grossen Zunahme der Unternehmen, die erneuerbare Energien aufbauen und besitzen wollen. Zu den neuen Konkurrenten gehören neu gegründete Entwickler, die vom Kapitalmarkt finanziert werden, sowie etablierte Energieversorger, die auf eine sauberere Erzeugung umsteigen. Unlängst haben zudem mehrere traditionelle Öl- und Gasunternehmen das Kapitalbudget neu geplant, um von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen. In einem Umfeld mit überreichlichen Finanzmitteln und wachsendem Wettbewerb ist die sorgfältige Titelauswahl oberstes Gebot. Erfolgreich sind diejenigen Unternehmen, die einen eindeutigen und nachhaltigen Wettbewerbsvorteil besitzen. Branchen, in denen man investiert bleiben sollte, sind solche, in denen eine angemessene Anzahl rationaler Wettbewerber vorhanden ist, weil es hohe Eintrittsbarrieren und das Potenzial für Produktdifferenzierung gibt.

Frischer Wind
Wo das Wettbewerbsumfeld nach unserer Einschätzung angemessen bleibt, ist der Sektor Windkraftanlagen. Im vergangenen Jahrzehnt erlebte dieser Sektor eine sichtbare Gesundschrumpfung. Der Marktanteil konsolidierte sich um die kräftigsten Unternehmen. Darüber hinaus gab es in den vergangenen Jahren keine bedeutenden neuen Marktteilnehmer, und die Hauptakteure weisen unterschiedliche Angebotspaletten auf. Daher sind die Aussichten für ein profitables Wachstum mit guten Renditen im Sektor Windkraftanlagen unserer Meinung nach ausgezeichnet.

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